The Sun Ain’t Gonna Shine Anymore

Roland Seim/Josef Spiegler (Hg.)
„The Sun Ain’t Gonna Shine Anymore“ – Tod und Sterben in der Rockmusik
Telos Verlag 2009
267 Seiten
16,80 €

rutcovgrDie kulturwissenschaftliche Studie The Sun Ain’t Gonna Shine Anymore hat es sich zum Ziel gemacht, dies genauer zu untersuchen und besonders den unterschiedlichen Umgang mit dem Tod in den einzelnen Genres und dem jeweiligen zeithistorischen Kontext herauszuarbeiten. Es ist nach dem 2002 erschienenen Buch über die Zensur in der deutschen Kulturgeschichte das zweite Werk der Herausgeber und Dozenten der Wilhelms‑Universität in Münster Roland Seim und Josef Spiegel. Das Buch ist gleichzeitig der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung, welche unter anderem im Rock’n’Popmuseum Gronau zur Schau gestellt wurde. „Der Tod hat viele Gesichter, heißt es. Er schreibt auch viele Geschichten“. Neben der Liebe, der wahrscheinlich ungebrochenen Inspirationsquelle von Musikern und Songschreibern, nimmt der Tod als Thematik einen ebenfalls wichtigen Stellenwert in der Rockmusik ein.

In einer 30‑seitigen Einführung gibt der Autor Roland Seifer einen kurzen gelungenen Abriss des zeitgenössischen Umgangs mit dem Tod anhand von einigen bedeutenden Musikstilen, angefangen von den 1950ern bis zu den 1990er Jahren. Es folgen 17 spezialisierte Beiträge einzelner Autoren zu verschieden Genres wie Psychedelic, Punk, Hardcore, Grunge, New Wave, Gothic, Grindcore sowie diverser neuerer Rockmusik und Hip Hop. Einige Kapitel widmen sich auch ganz dem Schaffen einzelner Bands wie The Doors , The Poison Idea, oder dem Cover‑Künstler William Schaff.

Die Aufsätze sind leicht verständlich geschrieben und ein besonderer Pluspunkt sind die über 200 Coverabbildungen, umfangreichen Quellenangaben und die unzähligen Zitate aus Songtexten. Wegen der zahlreichen Autoren und ihrer unterschiedlichen Beiträge kommt es leider manchmal zu Überschneidungen. Andere kommen ein wenig vom Thema ab, indem sie eher allgemeine Informationen zum Genre oder zu Personen geben, das Todesthema aber nur streifen.

Interessant sein könnte dieses Buch für Pädagogen und Eltern, da es einen Diskurs enthält, ob Musik verantwortlich für gewalttätiges Verhalten Jugendlicher ist. Auch werden Vorkenntnisse über die Rockgeschichte für die Lektüre nicht benötigt, da es selbst einen allgemeinen und guten Überblick über die einzelnen Jugendkulturen und Genres gibt. Ansonsten ist dieses Buch allen zu empfehlen, die Rockmusik, welche sich der düsteren Seite des Lebens widmet, nicht nur hören, sondern auch verstehen wollen.

Franziska Smith

(Diese Rezension erschien zuerst im Journal der Jugendkulturen #17, Winter 2011)

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