Streetart in Germany

Timo Schaal
Streetart in Germany
Riva Verlag 2013
192 Seiten
14,99 €

Eine besonders interessante Veröffentlichung stellt Streetart in Germany dar. Während viele die These vertreten, dass das Internet mit seinen Blogs & Foren und bildlichen Darstellungen zum Tod des Buches/Fotobandes beigetragen habe, könnte man diese Veröffentlichung als Gegenargument anführen. Das 192 Seiten lange Werk ist die Zusammenfassung der besten Bilder einer Facebook-Gruppe mit selbigem Namen. Die im April 2011 gegründete Gruppe hat mittlerweile 946.626 Likes (Stand 12.11.2013) erzielt. Der RIVA-Verlag hat offensichtlich als Erster das Potenzial dieses Phänomens begriffen.

Autor Timo Schaal aka „Polypix“ ist selbst Streetart-Spotter und begann seine bildlichen Jagdtrophäen in der Gruppe zu posten. Mittlerweile kommen jeden Tag hunderte Bilder hinzu, die ihm von anderen Nutzer_innen geschickt werden. Einige ausgewählte Bilder, allesamt aus Deutschland, finden sich nun in Streetart in Germany. Hinzu kommen aber auch bisher unveröffentlichte Fotos. Soweit vorhanden, wurden die Bilder im Buch mit Infos zu Künstler_in, Fotograf_in und Fundort ergänzt. Geboten wird ein breiter und unterhaltsamer optischer Querschnitt in das Phänomen Streetart. Nicht mehr, nicht weniger. Von Schablonen/Stencils, Urban Knitting über Poster bis hin zu Guerilla Gardening und Ad Busting, von legalen Auftragsarbeiten bis zu illegalen Werken, vom legendären OZ bis zu unbekannten Künstlern. Volle Packung Streetart, aber ohne weitere Unterteilungen oder Kapitel.

Die Zweisprachigkeit des Werkes (deutsch/englisch) bleibt zweitrangig, da hier der Fokus klar auf den Fotos liegt. Trotzdem nett: Deutsche Sprüche und Sätze, die sich in den Bildern finden lassen, werden auf den letzten Seiten extra fürs englischsprachige Publikum übersetzt. Das Buch kann die (meist) illegalen Werke ihrer Vergänglichkeit entreißen und in gewisser Weise ein Denkmal setzen. Einziges wirkliches Manko: Das DIN A5-Format. Beinahe die meisten der Werke hätten ein DIN A4-Ganzformat verdient. Wünschenswert wäre auch noch eine etwas kritischere Auseinandersetzung mit der Plattform Facebook gewesen. Zwar kritisiert der Autor die Zensurpraxis des sozialen Netzwerkes, erwähnt aber zum Beispiel leider nicht, dass, laut der aktuellen FB-Geschäftsbedingungen, Nutzer_innen, die Bilder uploaden, Facebook die Nutzungsrechte daran abtreten. Und dies gilt nicht nur für fotografierte Streetart, sondern auch für private Bilder jeglicher Art.

Martin Gegenheimer

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