Tropes vs. Women in Video Games

Das Computerspiele ein problematisches Feld sein können, ist keine Neuigkeit. Gerade die Diskussionen über die mögliche Gefahr von Ego-Shootern flammen alle paar Jahre auf, teilweise geprägt von Alarmismus und Hysterie. Darüber soll es hier aber nicht gehen, sondern um das Thema Sexismus. Auch das ist kein neues Thema, aber ein deutlich weniger beachtetes als der Vorwurf der Gewaltverherrlichung, dafür aber ein ebenso wichtiger und tatsächlich äußerst problematischer Aspekt von einerseits manchen Computerspielen selbst und andererseits von der Gamer_innen-Szene im Allgemeinen.

Zum ephoto-mainrsten Thema gibt es die sehr aufschlussreiche YouTube-Videoserie Tropes vs. Women in Video Games der US-amerikanischen Popkulturkritikerin Anita Sarkeesian, in der sie sich mit wiederkehrenden Darstellungen und Rollen von Frauen in Computerspielen auseinandersetzt. Bisher sind sechs Folgen online, weitere sind für die kommenden Monate geplant. Es geht dabei u. a. um das Motiv „Damsel in Distress„, also in etwa „Jungfrau in Gefahr“, welches seit dem Beginn der Super-Mario-Serie bekannt ist: Eine Frau, in diesem Fall eine Prinzessin, wird entführt, und muss vom Helden gerettet werden. Dieses Motiv findet sich in unzähligen Spielen wieder und folgt immer dem Muster „Mann rettet Frau“, d. h. der Mann ist aktiv, die Frau passiv. Sarkeesian beschreibt dies sehr treffend als ein Spiel, in dem die Männer die Spieler sind und die Frau der Ball. Ein anderer Aspekt von einer Reihe an Spielen ist das Motiv von Frauen als Hintergrunddekoration. Hier finden sich einige krasse Beispiele, in denen Frauen in Rollen wie der Prostituierten oder auch des Opfers von (teilweise sexueller) Gewalt als Dekoration einer möglichst verruchten und verkommenen Welt im Spiel vorkommen. Alle Folgen der Videoserie sind sehr sehenswert, genauso wie ältere Videos z. B. über typische Frauenrollen in Filmen und Fernsehserien oder auch die ziemlich furchtbaren LEGO-Bausets, die der Spielzeughersteller vor ein paar Jahren extra für Mädchen eingeführt hat. Alle Videos sind auf Sarkeesians Webseite Feminist Frequency zu finden.

Das es Sexismus auch in der Gamer_innen-Szene gibt, ist nicht überraschend, aber das Ausmaß und die Heftigkeit dagegen schon. So müssen sich in der Welt der Onlinespiele Frauen, die sich als Frauen zu erkennen geben, andauernd mit sexistischen Bemerkungen und Belästigungen herumschlagen. Der Sexismus zeigt sich auch an der Reaktion auf Sarkeesians Videos und ist der Anlass, warum wir auf das Thema aufmerksam geworden sind. Die Videoserie wurde über eine Kickstarter-Kampagne finanziert und schon zu Beginn der Kampagne im Sommer 2012 wurde Sarkeesian mit sexistischen Kommentaren überflutet, darunter auch unzählige Vergewaltigungs- und Morddrohungen. Die Hasskampagne ging soweit, dass der Wikipedia-Beitrag über sie gehackt und mit Pornobildern verunstaltet wurde und ein „Spiel“ auftauchte, in dem man Sarkeesian „verprügeln“ konnte, indem man ein Bild von ihr anklickte. So erschreckend und abstoßend diese Vorfälle sind – mit dieser Art von Frauenhass müssen sich leider auch andere Frauen, die sich im Netz beispielsweise als Bloggerinnen betätigen, herumschlagen – hatten sie für Sarkeesian dann immerhin die Folge, dass sich viele Menschen mit ihr solidarisierten und sie das Ziel ihrer Kickstarter-Kampagne um ein Vielfaches übererfüllte und nun tatsächlich von ihrer Arbeit leben kann (worauf sich viele Kommentatoren nicht erblödeten, ihr zu unterstellen, dass sie das alles genau so geplant hätte, um Aufmerksamkeit auf sich zu lenken). Ganz aktuell gab es nun den Vorfall, dass einer dieser Spinner die Anschrift von Sarkeesian herausgefunden hatte, diese veröffentlicht hat und ihr drohte, sie zu vergewaltigen und ihre Eltern zu ermorden, weshalb sie zu Freunden ziehen musste. (Vielen Dank an Sascha Kösch, der auf der Webseite der DE:Bug über das Thema berichtet hat).

Daniel Schneider

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