Jugend in der Eifel

Bettina Bartzen
Jugend in der Eifel
Seltmann+Söhne 2012
144 Seiten
22,90 Euro

22_jugend-in-der-eifelwebDas Leben von Jugendlichen „auf dem Land“ (oder „in der Provinz“) wird an dieser Stelle ja eher selten thematisiert, was auch daran liegt, dass es dazu deutlich weniger Publikationen gibt als zum Leben Jugendlicher in Städten. Jugendkulturen werden meist mit den urbanen Zentren in Verbindung gebracht, was oftmals nicht ganz falsch ist, aber doch auch Ausdruck einer gewissen Blindheit oder Ignoranz ist. Da ist es mal sehr angenehm, durch ein Buch wie Jugend in der Eifel der Fotografin Bettina Bartzen daran erinnert zu werden, dass es mehr als nur Städte gibt – und dass nicht alle Jugendlichen in die großen Städte ziehen wollen, sondern auch auf dem Land glücklich sein können. Gerade dieser Aspekt ist zwar eigentlich nicht überraschend, aber als Zugezogener aus Westdeutschland in Berlin, der es sich gar nicht vorstellen kann, in einer Kleinstadt oder gar in einem Dorf zu leben, erscheint er mir doch relativ fremd. Dabei ist es laut der in diesem Buch enthaltenen Studie sogar folgendermaßen: „Junge Menschen, die auf dem Land wohnen, sehen sich gegenüber ihren Altersgenossen aus der Stadt keineswegs benachteiligt. Im Gegenteil, die Bleibeorientierung ist bei den Landjugendlichen sogar etwas höher als bei den Jugendlichen, die in urbanen Räumen leben.“

Diese wissenschaftliche Studie, 2011 von der Universität Trier durchgeführt, kommt zu dem Schluss, dass die Heimatbindung der Jugendlichen in der Eifel groß ist und sie ein überwiegend positives Bild ihrer Heimat haben. Die oftmals festgestellte Landflucht junger Menschen und die damit verbundene Verödung ganzer Landstriche scheint in dieser Region kein ernstzunehmendes Problem zu sein – was wohl auch an den vorhandenen beruflichen Möglichkeiten liegt, die anscheinend besser sind als in vielen anderen Regionen Deutschlands. Die Studie macht aber nur einen kleinen Teil dieses Bandes aus, er ist vor allem ein Fotoband mit kurzen Portraits von insgesamt 58 Jugendlichen, die in zum Teil winzigen Dörfern leben (z. B. Birtlingen: 76 Einwohner, Etteldorf: 22 Einwohner, Hargarten-Gesotz: 90 Einwohner, etc. – die größten Städte in der Eifel sind Bitburg mit 13.000 Einwohnern und Prüm mit 5.000 Einwohnern) und zum Großteil tatsächlich ganz zufrieden mit ihrem Leben zu sein scheinen. Auf den Fotografien sind die Jugendlichen in alltäglicher Umgebung zu sehen, manche zeigen darin welche Hobbies sie haben, andere posieren mit Tieren – hier wiederholen sich bestimmte Motive und auch die Texte enthalten immer wieder ähnliche Statements. Viele Jugendliche sind in Vereinen aktiv, beispielsweise dem Fußballverein, dem Karnevalsverein, der freiwilligen Feuerwehr oder auch dem BDM – was die ungeschickte Abkürzung für den Bundesverband Deutscher Milchviehhalter ist. Ansonsten spielt der Freund_innenkreis meistens die größte Rolle in der Freizeit, wobei hier doch teilweise die langen Wege, die zurückgelegt werden müssen, als Problem angesprochen werden; Facebook spielt bei vielen eine wichtige Rolle, bei anderen wieder nicht; viele wollen mal ins Ausland – also größtenteils eigentlich keine Überraschungen oder neuen Erkenntnisse. Jugendkulturelle Aspekte kommen nur ganz selten zur Sprache, ob Jugendkulturen für diese Jugendlichen relevant sind, kann zwar nicht ausgeschlossen werden, da die Texte recht kurz sind, aber von zentraler Bedeutung sind sie offensichtlich nicht.

Daniel Schneider

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