Grauzonen

Agentur für soziale Perspektiven (Hrsg.)
Grauzonen – Rechte jugendliche Lebenswelten in Musikkulturen
ASP 2015
48 Seiten
2,50 € (Schutzgebühr)

grauzonenDie kleine Broschüre zum Bereich der „rechten jugendlichen Lebenswelten“ ist eine gute Handreichung, wenn es darum geht, problematische Einstellungen in Jugendkulturen jenseits der rechtsextremen Szenen zu erkennen und einzuordnen. An erster Stelle geht es hier um die Band Frei.Wild, die vor kurzem mit ihrem aktuellen Album auf Platz Eins in die deutschen Albumcharts eingestiegen sind. Aber auch andere Deutschrockbands sowie die Rapper Bushido und Fler werden thematisiert und Songtexte und Aussagen analysiert. Es geht als um kein Randphänomen wie Rechtsrock, sondern um Acts aus dem popmusikalischen Mainstream.

Vor allem das Kapitel über die „zentralen Bezugspunkte“ ist lesenswert, da hier verschiedenen Aspekte, die auf eine rechte Einstellung hinweisen können, genannt und aufgeschlüsselt werden. An erster Stelle werden hier unter der Überschrift „Das soll nicht rassistisch klingen, aber …“ wenig überraschend „Ungleichheitsideologien“ – also rassistische, sexistische, chauvinistische Einstellungen und ähnliches – genannt. Danach finden sich aber eine Reihe an Punkten, die teilweise harmlos erscheinen mögen, aber häufig im Zusammenhang mit rechten Einstellungen zu finden sind – und nicht nur bei einer Bewegung wie PEGIDA, sondern auch bei Frei.Wild allesamt nachweisbar sind. Dazu gehören Größen- und Verfolgungswahn inklusive der Selbststilisierung als Opfer, Heimatbezogenheit mit völkischen Elementen, Naturalisierung des Sozialen und Anti-Intellektualismus, ein reaktionäres Bild von Männlichkeit, Betonung des Wertes von „Ehre“, ein rebellisches Selbstbild, Ruf nach Meinungsfreiheit und Einordnung von Kritik als „Zensur“ sowie ein sehr eingeschränkter Politikbegriff inklusive eines oftmals „unpolitischen“ Selbstverständnisses.

So wird durch diese Broschüre deutlich, dass auch Gruppen, die sich gegen „Rassismus und Extremismus“ aussprechen und sich klar von der Neonaziszene abgrenzen, noch lange nicht zu denjenigen gehören müssen, die tatsächlich etwas gegen Diskriminierungen und Ungleichheit tun und hier reaktionäre Einstellungen transportiert werden, die alles andere als harmlos sind.

Daniel Schneider

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