Fahrradmod

Tobi Dahmen
Fahrradmod
Carlsen Verlag 2015
472 Seiten
29,99 €

9783551763082

Aufwachsen in Wesel, in der Provinz, weitab von allem, was irgendetwas mit Trends und Hip-Sein zu tun hat … So beginnt die eigentlich langweilige Jugend von Tobi. Durch eine Filmstunde in Sozialkunde wird der 15-Jährige auf eine coole Subkultur gestoßen: Die Mods.

Damals, in den Zeiten vor dem Internet, sind die Informationen eher schwer zu bekommen: auf der Party wird ein Fotoband aus London herumgereicht. Doch wie sollen sie diesen schicken Style leben? Woher kommen die Klamotten, woher die Schuhe? Statt mit dem Motorroller fahren die Freunde mit dem Fahrrad vor. Mit zunehmendem Auskennen wird auch der Aktionsradius größer, werden die Anzüge schicker …

Der Comiczeichner Tobi Dahmen hat ein dickes Buch verfasst über seine Jugend in der „Szene“, über die Entwicklungen der Mod-Kultur und ihre Verbindungen zu Ska, den Rude Boys, Northern Soul und Skinheads. Wendepunkte des Buches sind die Begegnungen mit rechten Skins, mit Drogen und mit Techno. Der Erzähler wendet sich verwandten Kulturen zu: Scooterism und Northern Soul.

Es ist diesem Buch nicht genug zu danken, dass bei der Lektüre Unklarheiten über diese speziellen Phänomene der Jugendszenen recht schnell ausgeräumt werden. Statt dessen folgen wir dem Protagonisten auf seinen verschlungenen Wegen in den Neunzigern durch die Stile und Szenen auf der Suche nach der besten Musik, dem richtigen Lebensgefühl, den wahren Freunden. Wie so viele andere ist er durch seine Jugend geprägt und immer noch neugierig auf noch unentdeckte Musik, hungrig nach schönen Weekendern und kann nicht aufhören zu seiner Lieblingsmusik zu tanzen.

Dies wird nicht als dramatischer Roman erzählt, sondern eher in Form einer epischen episodenhaften Erzählung, in etwa so wie auch ein Leben in der Realität abläuft. Unterbrochen wird diese immer wieder durch Einschübe über die Entstehung und Ursprünge der einzelnen Stile und Subkulturen.

Das Besondere der 470 Seiten dicken Erzählung sind die tiefen und persönlichen Einblicke in die den Meisten eher unbekannten Szenen und die enge Verknüpfung mit Musikbeispielen. Der Autor liebt diese Szene, die Musik, die Protagonistinnen und Protagonisten. Das alles drückt sich auch in den Zeichnungen aus: detailreiche Schaubilder, spektakuläre Innenansichten und Massenszenen wechseln sich ab mit den Dialogen und Betrachtungen von Tobi und seinen Freunden. Die Bilder sind in einem durchgängigem, aufgeräumten Stil gehalten, Grauschattierungen geben Licht und Atmosphäre.

Wann schenkt uns nun jemand aus der Szene der Beatniks, Punks, Raver_innen, Metalheads, Fußballfans oder Hiphopper_innnen eine eigene Odyssee durch ihre Subkultur und das Leben?

Peter Auge Lorenz

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