Zine of the Week: Möbiusschleife Vorgestern

Es ist International Zine Month! Zeit für einen Einblick in die Fanzinesammlung des Archivs der Jugendkulturen, in der sich inzwischen mehr als 20.000 Einzelhefte befinden. Heute rezensiert Lisa Schug aus dem Team PopSub.

„Dieses Zine, gemacht von der ATO, die nicht mehr existent ist, da auch das T aus ATO nicht mehr existiert, heißt Möbisusschlaufe [sic], weil es (das Zine) mit Zeit und ihrer Vergangenheit zu tun hat.“ Alles klar? Was von außen anmutet wie ein klassisches Punkfanzine – Illustration, Collage, Xerox-Kopie – ist ein kleines Schmankerl aus der Science-Fiction-Sammlung des Archivs der Jugendkulturen: „Möbiusschlaufe Vorgestern“.

Das nur 18-seitige Zine aus Denzlingen (in der Nähe von Freiburg im Breisgau) wurde von einer Gruppa namens ATO 1993/94 erstellt und redaktionell von Kurt Snietka betreut (der heute offenbar in Denzlingen expressionistische Ausstellungen macht). Es enthält zwei Kurzgeschichten und eine zynische Abrechnung mit dem Gerfandom, also der deutschsprachigen Science-Fiction-Fanszene und ist wegen seiner Auseinandersetzung mit Zeit, Logik und Zukunft auch dieser zuzurechnen.

Highlight ist eine Art absurd-experimentelles Frage-Antwort-Spiel mit dem Titel „Möbiusschleife vorgestern – Sanduntergänge“, in dem eine imaginäre Person in einer Prüfungssituation Fragen wie „Woraus besteht ein Schurwollepullover?“ beantwortet. Richtige Antwort, laut Möbiusschleife vorgestern: Aus Seegras. „[…] die Grenze zwischen tierischer (Schafswolle) und pflanzlicher (Seegras) Herkunft wurde als eine bloß mit dem zeitlichen Entwicklungsstand zugehörige erkannt. Es ist in der Tat eine Frage der zeitlichen Entwicklung, ob es sich um höher- oder niedrig entwickelte Organismen handelt, also eine Frage des zeitlichen Quantums. Quantitative Kriterien sind aber qualitativen Kriterien untergeordet – deshalb ist die Frage korrekt beantwortet.“

Ob die VHS-Version des Zines, die auf der letzten Seite beworben wird, tatsächlich jemals angefordert wurde, kann an dieser Stelle leider nicht beantwortet werden. Allerdings war „das Zine auf den Aufnahmen [auch] nicht lesbar, gezeigt werden die Seiten vor der Heftung als ein Bild.“

Im Rahmen unseres aktuellen Bibliotheks- und Archivprojektes „Pop- und Subkulturarchiv International“ können wir uns endlich intensiver mit unserer etwa 3.000 Hefte umfassenden Science-Fiction Sammlung beschäftigen und finden hoffentlich noch viel mehr solcher herrlich-skurriler Hefte.

Lisa Schug

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