Zine of the Week: Metal Maidens #31

Es ist International Zine Month! Zeit für einen Einblick in die Fanzinesammlung des Archivs der Jugendkulturen, in der sich inzwischen mehr als 20.000 Einzelhefte befinden. Heute rezensiert Lisa Schug aus dem Team PopSub.

Als ich „Metal Maidens“ auf der Suche nach einem ganz anderen Metal Fanzine das erste Mal in den Händen hielt, war ich ziemlich überrascht. “Metal Maidens – The Ultimate Magazine Dedicated to Women in Hard Rock & Heavy Metal“, wie konnte mir das als feministisch interessierter Metalfan bisher entgangen sein?

Ob das Metal Maidens Fanzine bei seinem erstmaligen Erscheinen 1995 wirklich “The Only Magazine with a Heart for Female Rockerz” war, wie es auf dem Cover steht, lässt sich heute nicht mehr sagen. Sicher ist aber, dass es eines der wenigen Zeugnisse des Kampfes für mehr Sichtbarkeit von Frauen in der Metalszene im prä-Social-Media-Zeitalter ist. Denn während Initiativen wie #killtheking, #metaltoo oder das Sycamore Netzwerk heute andere Stimmen hörbar machen und in die Szene intervenieren, tat sich in Sachen Sichtbarkeit für marginalisierte Perspektiven im Metal in der Vergangenheit sehr lange sehr wenig.

Im Archiv der Jugendkulturen gibt es bisher nur eine Ausgabe des niederländischen englischsprachigen Fanzines, das von 1995 bis 2005 erschien und online bis heute als Webseite und Facebook-Seite weiterlebt – Nummer 31 aus dem Jahr 2003. Auf 46 Seiten gibt es das klassische Metal-Fanzine-Programm: Interviews, Plattenbesprechungen, Berichte von Konzerten und eine Übersicht über bevorstehende Tourneen – wohlgemerkt nur von Bands mit mindestens einer Musikerin. Was das genau heißt bleibt weit gefasst, teilweise werden auch Bands rezensiert, die „female guest appearences“ auf ihren Platten haben. Auch genremäßig geht es wild durcheinander von Heavy & Death Metal bis hin zur Punkband The Distillers und einem Album von Pop-Sängerin Shania Twain.

Spannend ist der Blick in die Metalgeschichte in der Kategorie „Back to the Past“. Dort werden Protagonistinnen der 80er Jahre Hard-Rock-Bands „Tough Love“ und „Romantic Fever“ interviewt und schildern ihre Erfahrungen:

„The better [bands] were all female. I played in a couple [of bands] where I was the only woman and in these bands, the guys tended to treat me like their little sister and they were very protective.“

Courtney Paige Wolfe in Metal Maidens #31

Einen kleinen Empowerment-Block hat das Fanzine auch: In der Rubrik „Marjo’s Guitar Techniques“ gibt Gitarristin Marjo Marinus praktische Tipps für’s Tapping: Eine Spielart der Gitarre bei der auf die Seiten getippt wird statt sie zu zupfen. Und nicht zuletzt hat Metal Maidens #31 auch eine Beilage: Zum Heraustrennen liegt ein Wandkalender für das Jahr 2003 mit Fotos der Bands Arch Enemy und Sinergy bei.

Soweit so gut. Tatsächlich macht das Fanzine Lust in einige der vorgestellten Bands reinzuhören und selbst weiter zu forschen. Und doch fehlt mir etwas: Was Metal Maidens #31 nicht thematisiert ist sind Erfahrungen von Ausgrenzung und Marginalisierung, die Frauen und Queers in der Metalszene machen. Generell ist die Ausgabe wenig politisch abgesehen von einigen klugen Antworten auf die obligatorische Frage: „Wie ist es in einer all-female Band zu spielen?“.

“ We wanted to change the idea of women in Metal: „Nice dolls in tight clothes with nice voices and at the utmost [sic] playing some bassguitar.“

Nienke von der Band „Autumn“ in Metal Maidens #31

Das Fanzine bietet zwar eine Plattform für Musikerinnen– stellt aber nicht die Frage danach, warum es in erster Linie an Sichtbarkeit mangelt oder es so wenig Metal Musikerinnen gibt. Auch scheint der Fokus der „Metal Maidens“ bis in die heutige Online-Ausgabe hinein ausschließlich auf Cis-Frauen zu liegen, die fehlende Sichtbarkeit für Trans*-, Inter-, nicht-binären Personen in der Metalszene ist kein Thema.

Und dennoch: das Metal Maidens Fanzine hat in über 10 Jahren und 40 Ausgaben ganz sicher dazu beigetragen Metal-Musikerinnen sichtbarer zu machen und das in einer Zeit, in der es im Metal denkbar wenig Unterstützung für solche Ansätze gab. ist Ein wichtiges Relikt der Metal-Geschichte!

Lisa Schug

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