Zine of the Day: Enpunkt (BRD)

Der Juli ist wieder International Zine Month (IZM). Aus diesem Anlass stellen wir euch auch 2017 wieder einige aus unserer Sicht interessante Fanzines aus der Sammlung des Archivs der Jugendkulturen als „Zine of the Day“ vor…

Enpunkt #22

Dem Macher dieses Egozines bin ich zum ersten Mal im Sommer 1995 oder 96 über den Weg gelaufen – und zwar auf einem der beiden Fanzine-Treffen in Neuss (bei Düsseldorf). Ich hatte damals gerade die zweite Ausgabe meines eigenen Fanzines veröffentlicht, während Klaus N. Frick mit seinem Enpunkt bereits bei #25 oder #26 angelangt war. Während ich (Jahrgang 1976) also noch blutiger Anfänger in Sachen Zines war, gehörte Klaus (Jahrgang 1963) schon zu den alten Haudegen unter den Zine-Macher*innen.

Seit seiner Jugend im tiefsten Schwarzwald schlagen mindestens zwei Herzen in der Brust von Klaus: Das erste pochte schon etwas früher und zwar für Science Fiction (vor allem für die Perry Rhodan-Heftreihe) und das zweite kurze Zeit danach für Punk/Hardcore und alles was dazu gehört – von Pogo über Pils bis Politik. Über beide Welten und noch viel mehr schreibt Klaus seitdem – in eigenen Fanzines und in denen von anderen.

Sein erstes eigenes Fanzine namens Sagittarius veröffentlichte Klaus 1980. Die erste Ausgabe hatte noch eine Auflage von 100 Stück. Sagittarius professionalisierte sich über die Jahre aber immer weiter und dementsprechend wuchs die Auflagenzahl auch immer weiter an. Bald schon hatte das Heft ein eigenes Redaktionsteam und einen eigenen Verlag. 1986 ging es sogar in den Kioskverkauf, aber schon 1988/89 wurde es aufgrund der Überarbeitung aller Beteiligten und fehlendem wirtschaftlichen Ertrag wieder eingestellt.

Enpunkt #34

Enpunkt #34

1986, als Sagittarius erstmals in den bundesdeutschen Bahnhofskiosken landete und damit den Schritt vom Fanzine zum Magazin machte, brachte Klaus sein Egozine Enpunkt zum ersten Mal heraus. Er blieb damit dem Fanzine-Machen weiterhin treu und schrieb seitdem über alles, was er erlebte, was ihn interessierte, was ihn aufregte, was ihn faszinierte, was ihn begeisterte oder was ihn belustigte. Das war vor allem eine bunte Mischung aus Konzert- und Reiseberichten (letztere vor allem nach Afrika), Reviews von Platten, Filmen, Comics und Büchern, (selbst-)ironischen Alltagsbeobachtungen und aus Artikeln sowohl über Besäufnisse, Abstürze und Entgleisungen (frei nach dem Enpunkt-Motto „Saufen, Hüpfen, Peinlichsein“), als auch über Chaostage, Antifa-Aktionen oder Hausbesetzungen – und in den späteren Ausgaben auch über das Älter-Werden mit alldem. Die wechselnden Untertitel der Enpunkt-Ausgaben spiegeln auch das inhaltliche Spektrum des Hefts wieder. Sie reichen von „Fanzine für Science Fiction, Punk & Dosenbier“ über „Zeitschrift für angewandtes Spießertum“, „Zeitschrift für abgebranntes Spießertum“, „Das Fanzine für Spät-Pubertierende“, „Die Fachzeitschrift für modernen Ausdruckstanz“, „Zeitschrift für den Hobby-Ethnologen“ bis hin zu „Heft für Punkrock, Reisen & Hochkultur“.

Enpunkt #40

Enpunkt #40

Neben dem Enpunkt schrieb Klaus außerdem regelmäßig für andere Fanzines – in den 1980er Jahren für Willi Wuchers berühmt-berüchtigtes Scumfuck Tradition, in den 1990er Jahren für das legendäre Punk/Hardcore-Zine ZAP von Moses Arndt und nach dessen Ableben bis heute für das Ox.
Das Enpunkt blieb daneben über 20 Jahre eine feste Institution in der deutschsprachigen Fanzine-Landschaft, das in schöner regelmäßiger Unregelmäßigkeit erschien und sowohl innerhalb des Science Fiction-Fandoms als auch in der Punk/Hardcore-Szene seine Liebhaber*innen hatte. Im Sommer 2006 erschien mit Enpunkt #43 dann aber die letzte Ausgabe. Noch während der Arbeit an der Folgenummer entschied sich Klaus, Enpunkt als gedrucktes Heft einzustellen. Neben seiner Tätigkeit als Chefredakteur der Perry Rhodan-Heftserie, als Autor von Science Fiction-Geschichten und Punk-Romanen, als Leiter von Literatur- und Schreib-Werkstätten und diversen anderen Beschäftigungen fehlte einfach die Zeit und der Nerv, um mit dem Enpunkt weiter zu machen wie bisher.

Nichts desto trotz ist Klaus N. Frick aber  weiterhin ziemlich umtriebig. Unter dem Namen Enpunkt betreibt er sowohl eine Radiosendung auf Querfunk, dem Karlsruher Freien Radio, als auch seit 2005 einen Blog, in dem er beinahe täglich seinen Senf zu all dem gibt, was ihm (immer noch) unter den Nägeln brennt. In einem Interview im Polytox-Webzine erklärt Klaus dazu: „Das ist wie früher mit den Fanzines, weil ich das schreibe, was mich interessiert, und mir ist egal, wer es liest und welche ‚Zielgruppe‘ ich bediene. Also gibt es Punkrock-Texte, kurze Erzählungen, Platten- und Buchbesprechungen, Reiseberichte und allen anderen Kram.“ Und in der Tat liest sich das auch meistens so, als ob es in einer gedruckten Ausgabe des Enpunkt stehen würde – auch wenn die Erzählungen über Besäufnisse in den letzten Jahren ehrlich gesagt stark zurückgegangen sind!

Im Bestand des Archivs der Jugendkulturen gibt es ab Enpunkt #12 (1988) fast alle Ausgaben dieses inzwischen legendären Egozines. Ein Blick hinein lohnt sich auch heute noch und bietet nicht nur ein wunderbares „Sittengemälde“ der Punk/Hardcore-Szene zwischen 1986 und 2006, sondern auch interessante, spannende und unterhaltsame Einblicke in 20 Jahre Dasein einer lebenden Fanzine-Legende mit Haltung und Humor!

Mehr zu erfahren über Klaus N. Frick gibt es in Folge 56 der Reihe Mein Medien-Menü von Christoph Koch, im Polytox-Webzine, im Video-Interview mit Kesselpunks zum Zinefest Mannheim 2015 und natürlich in seinem Enpunkt-Blog. Die Punk-Romane von Klaus wurden im Hirnkost Verlag, ehemals Verlag der Jugendkulturen veröffentlicht, in dem auch seine aktuelle Kurzgeschichten-Sammlung Für immer Punk? erschien.

Christian

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#IZM2017 #Fanzine #Egozine #Punk #Hardcore #ScienceFiction

Zine of the Day: Imponderabilia (Polen)

Der Juli ist wieder International Zine Month (IZM). Aus diesem Anlass stellen wir euch auch 2017 wieder einige aus unserer Sicht interessante Fanzines aus der Sammlung des Archivs der Jugendkulturen als „Zine of the Day“ vor…

Diverse Ausgaben des Imponderabilia Zines

Diverse Ausgaben des Imponderabilia Zines

Das erste Zine, das ich von Imponderabilia aka Wiktoria Natasza Konwent in die Hände bekam, hatte eine Archivkollegin mitgebracht. Kleines Format, ein Zine, das durch das Falten und Einschneiden eines A4-Blattes zu einem Heftchen wird. Es handelte von Alice B. Toklas und Gertrude Stein und war umwerfend komisch. Siehe auch: hier.

Die Künstlerin schreibt auf englisch, manchmal zweiprachig englisch/polnisch oder ausschließlich auf polnisch. Ihre Zeichnungen sind oft kunstvoll aus Wörtern gestaltet. Wortmalereien, die den Text gekonnt und originell illustrieren. Einige Zines haben politische Themen (wie über das Abtreibungsverbot in Polen) und erzählen von Frauen (z.B. über die polnische Künstlerin Zofia Stryjeńska oder die US-amerikanische Autorin Carson Mc Cullers). Ein paar dieser kreativen Werke gibt es auf dem Imponderabilia-Tumblr zum Selbstausdrucken und Basteln.

Anja

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#IZM2017 #zines #perzines #zineoftheday #feminism #poland #art

Zine of the Day: Freizeit 81 (BRD)

Der Juli ist wieder International Zine Month (IZM). Aus diesem Anlass stellen wir euch auch 2017 wieder einige aus unserer Sicht interessante Fanzines aus der Sammlung des Archivs der Jugendkulturen als „Zine of the Day“ vor…

Freizeit 81 war nicht nur der Name eines 1981 erscheinenden Fanzines, sondern auch die Bezeichnung einer losen Aktionsgruppe linksradikaler Punks, Hausbesetzer*innen und Künstler*innen in München, die sich die Verschmelzung von Kunst, Kampf, Punk und Politik auf ihre Fahnen schreibt. Über die Grenzen der bayerischen Landeshauptstadt hinaus wird Freizeit 81 vor allem durch eine Vielzahl kreativer, sowohl gewaltloser als auch militanter Aktionen bekannt.

Die Gruppe wird im Frühjahr 1981 von einem Dutzend Punks aus München gegründet, die zuvor bereits an Hausbesetzungen, spontanen Demonstrationen gegen Wohnraumspekulation und Aktionen für selbstverwaltete Jugendzentren beteiligt waren. Sie orientieren sich u. a. an der militanten Jugendbewegung in Zürich, die durch den Dokumentarfilm Züri brännt auch in Deutschland bekannt wird.

Die Gruppe engagiert sich in unterschiedlichen Bereichen und mit verschiedenen Ausdrucks- und Aktionsformen: Filmvorführungen, Demonstrationen, illegale Partys, Konzerte, (Schein-)Hausbesetzungen, Flugblätter, Zeitungen, Sprühaktionen, Zukleben von Bankenschlössern, Entglasungen von Schaufenstern und Brandanschläge. Im Gegensatz zu anderen linksradikalen Gruppierungen aus dieser Zeit vertritt Freizeit 81 ein weniger ideologisches, aber dafür mehr emotional und kulturell geprägtes Verständnis von politischer Aktion. Ihre undogmatische Haltung spiegelt sich u. a. in ihrem Manifest wieder, das weit über die Kerngruppe hinaus Verbreitung und Anklang findet: „Freizeit ’81 ist gewaltlos oder militant, legal oder illegal, ängstlich oder stark, auf jeden Fall: GEFÜHL UND HÄRTE ! Freizeit ’81 ist Widerstand aus dem Bauch, eine unkontrollierte Reflexbewegung. Niemand kann mit jeder Aktion einverstanden sein, aber jeder sollte seine eigenen Sachen machen.“

Während der harte Kern aus etwa zehn Leuten besteht, zählen und bekennen sich im Laufe des Jahres 1981 bis zu 100 Leute zum weiteren Umfeld der Gruppe. Die Kerngruppe macht zunächst durch unzählige Graffiti wie „Freizeit 81“ und gesprühte Parolen auf sich aufmerksam. Im Laufe des Sommers eskalieren allerdings die Hausbesetzungen. Nach der Räumung eines Hauses entglasen Angehörige der Gruppe die Fensterscheiben von elf Banken und weiteren Gebäuden in München. Von August bis Oktober 1981 werden unter dem Namen Freizeit 81 mehrere Brandanschläge mit Molotowcocktails auf Banken, eine Schule, ein Büro der Polizeigewerkschaft und andere Gebäude verübt. Insgesamt werden der Gruppe und ihrem Umfeld 25 Straftaten mit einer Schadenssumme von 1 Million DM zur Last gelegt.

Auszug aus Freizeit 81 #2

Auszug aus Freizeit 81 #2

Beim Anschlag auf ein Büro der Lufthansa im Oktober 1981 wird erstmals ein Jugendlicher festgenommen. Zahlreiche Wohnungen werden durchsucht und schließlich fünf junge Männer und zwei Frauen, von denen einige minderjährig sind, unter dem Vorwurf der Mitgliedschaft in einer terroristischen Vereinigung festgenommen und später zu mehrjährigen Freiheitsstrafen, zum Teil auf Bewährung, verurteilt.

Bekannte Mitglieder der Kerngruppe von Freizeit 81 waren die inzwischen verstorbene PKK-Kämpferin Andrea Wolf, der Maler Florian Süssmayr, der Filmproduzent Anatol Nitschke und der Betreiber des Münchner Werkstattkinos Wolfgang Bihlmeir. Dem Umfeld der Gruppe sind u. a. die heutige Medienkünstlerin Hito Steyerl und der Filmemacher Romuald Karmakar zuzurechnen.

Auszug aus Freizeit 81 #2

Auszug aus Freizeit 81 #2

Vom gleichnamigen Fanzine erschienen 1981 lediglich zwei Ausgaben und eine weitere während die Kerngruppe in Haft saß. Die beiden ersten Ausgaben befinden sich im Bestand des Archivs der Jugendkulturen. Die eine wurde im Frühling 1981 veröffentlicht, beinhaltet zahlreiche Texte aus der Ich-Perspektive und Collagen, die die alltägliche Frustration, die Wut gegen den Normalzustand und den Wunsch des Aufbegehrens und der Rebellion zum Ausdruck bringen. Auf der letzten Seite sind die Fotos von einigen Graffiti der Aktionsgruppe abgedruckt. Die andere Ausgabe erschien nach den Hausdurchsuchungen und Verhaftungen im Herbst 1981. Sie wirkt noch desillusionierter als die vorherige Nummer und setzt sich mit politischem Verrat, US-Imperialismus und dem Recht auf Revolte auseinander. Auf der letzten Seite ist das Plakat eines Benefizkonzerts für die verhafteten Mitglieder von Freizeit 81 abgedruckt. Beide Ausgaben markieren damit sowohl den Anfang als auch das Ende der kurzen Existenz von Freizeit 81.

Obwohl Freizeit 81 kaum ein Jahr existierte, wird über die Gruppe bis heute immer wieder berichtet. 2013 war sie Teil der Sonderausstellung Wem gehört die Stadt? im Münchner Stadtmuseum und erst vor kurzem, im Juni 2017, sendete der Deutschlandfunk Kultur ein Feature über die Gruppe, das hier angehört werden kann.

Darüber hinaus widmete nicht nur die Spider Murphy Gang der Gruppe einen eigenen Song, auch die aus dem Umfeld von Freizeit 81 stammenden Punk-Bands ZSD und Tollwut bezogen sich in Liedern wie Krawall im Jahre 1981, Notwehr 1981 oder Sommer 1981 auf die Aktionen der Gruppe.

Weitere Infos zu Freizeit 81 gibt es hier und hier.

Christian

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#IZM2017 #fanzine #zineoftheday #punk #Autonome #Hausbesetzungen #München

Zine of the Day: Holy Titclamps (USA)

Der Juli ist wieder International Zine Month (IZM). Aus diesem Anlass stellen wir euch auch 2017 wieder einige aus unserer Sicht interessante Fanzines aus der Sammlung des Archivs der Jugendkulturen als „Zine of the Day“ vor…

Holy Titclamps #13

Holy Titclamps #13

Holy Titclamps – einen besseren Namen für ein Queer Zine hat es meines Erachtens bis heute nicht gegeben! Der Herausgeber Larry-Bob gehört neben Outpunk, Homocore oder J.D.s zu den Pionieren queerer Punk/Hardcore-Zines. Bereits 1989 gab er die erste Nummer von Holy Titclamps in Minneapolis heraus. Bis 2009 folgten in unregelmäßigem Abstand 20 weitere Ausgaben. Daneben machte Larry-Bob auch das Queer Zine Explosion, ein Queer Zine Review Zine, das es auf 20 Ausgaben brachte, in denen jeweils aktuelle Queercore Zines aus aller Welt rezensiert und annonciert wurden. Larry-Bob gehört damit zu den ersten Aktivisten, die maßgeblich an der internationalen Vernetzung der Queer-Szene beteiligt waren.

Holy Titclamps und Queer Zine Explosion sind aus heutiger Perspektive weit mehr als bloße Zines, sondern eben auch Zeitdokumente, in denen sich die historische Entwicklung der Queercore-Kultur wiederspiegelt, die sich gegen den heteronormativen Punk und Hardcore einerseits, aber auch gegen den Mainstream der Schwulen- und Lesben-Community andererseits richtete.

Holy Titclamps #17

Holy Titclamps #17

Im Queer Zine-Bestand des Archivs der Jugendkulturen befinden sich zwei Ausgaben von Holy Titclamps: Nummer 13 von 1994 und Nummer 17 von 1999. Holy Titclamps #13 beinhaltet u. a. einen „Guide to Selling Out“, persönliche Anekdoten, einen kritischen Artikel zur schwulen Szene in San Francisco, einen „Guide to Unsafe Sex“, Comics, Leser*innen-Briefe (u. a. „Letters from Gay Prisoners“) und zahlreiche Zine-Rezensionen. Holy Titclamps #17 befasst sich neben persönlichen Erlebnissen u. a. mit der Musikerin Courtney Love, dem mexikanischen Schriftsteller Salvador Novo, dem Papst und der katholischen Kirche sowie dem schwulen Literaten Steve Abbott. Daneben gibt es in dieser Ausgabe weitere Comics, Gedichte, Leser*innen-Briefe, Zine-Kritiken und mehr.

Einen Überblick über alle Ausgaben von Holy Titclamps und Queer Zine Explosion gibt es auf Larry-Bobs Webpage. Weitere Informationen zu Larry-Bob sind hier zu finden.

Christian

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#IZM2017 #zine #zineoftheday #queer #punk #queercore

Zine of the Day: Cometbus (USA)

Der Juli ist wieder International Zine Month (IZM). Aus diesem Anlass stellen wir euch auch 2017 wieder einige aus unserer Sicht interessante Fanzines aus der Sammlung des Archivs der Jugendkulturen als „Zine of the Day“ vor…

Cometbus #57

Cometbus #57

Eigentlich erstaunlich, dass Cometbus nicht schon viel früher zum „Zine of the Day“ ernannt wurde. Dabei zählt es zu meinen persönlichen All-Time-Faves und gehört zu den wenigen Zines, von denen ich wirklich ALLE Ausgaben gelesen habe und tatsächlich auch JEDE ohne zu zögern vorbehaltlos weiterempfehlen kann. Und es gibt inzwischen eine Menge Ausgaben von Cometbus – nämlich insgesamt 57 an der Zahl! Dabei veröffentlicht Aaron Elliot sein Zine ziemlich unregelmäßig und teilweise im Abstand von 1-2 Jahren, aber eben kontinuierlich seit 1981. Cometbus ist damit eines der ältesten, noch existierenden Punk Zines und Aaron damit wohl auch einer der dienstältesten Zinesters weltweit.

Gerade den letzten Ausgaben von Cometbus merkt man diese jahrzehntelange Erfahrung des Zine-Schreibens von Aaron an. Keine*r schreibt so hinreißend, unterhaltsam, charmant und amüsant wie er. Man möge sich nur einmal seinen herzzerreißenden Text „Punk Rock Love Is…“ aus einer bereits Anfang der 1990er Jahre erschienenen Cometbus-Ausgabe durchlesen. Wen das nicht berührt, hat einfach kein Herz!

Kein Wunder, dass inzwischen schon einige Anthologien seiner Cometbus-Ausgaben und sogar Übersetzungen ins Französische und Deutsche erschienen sind! Ich empfehle jedoch, seine Zines im Original zu lesen. Zum Beispiel das zuletzt erschienene Cometbus #57, das ausschließlich aus Interviews mit mehr oder weniger bekannten Leuten aus dem Kontext der New Yorker Comic-Szene besteht. Aaron befragte nicht nur Zeichner*innen wie Julia Wertz, Gabrielle Bell, Gary Panter, Ben Katchor, Bill Kartalopoulos oder Drew Friedman über ihr Comic-Schaffen, sondern auch Leute wie Karen Green, die sich um die herausragende Comic-Sammlung an der Columbia University Library kümmert, Gabe Fowler, der den Comic-Buch-Laden Desert Island betreibt und das Comic Art Brooklyn-Festival organisiert oder Robin Enrico, der u. a. die Steve Ditko Zine Library ins Leben gerufen hat. Kein Interview ist dabei wie das andere, sondern jedes einzelne hebt jeweils unterschiedliche Aspekte der New Yorker Comic-Szene hervor. So entsteht ein faszinierender multiperspektivischer Blick auf die Geschichte und Gegenwart der Comic-Kultur New York Citys. Eine großartige Cometbus-Ausgabe, die man sich unbedingt besorgen sollte, bevor sie wieder ausverkauft ist – oder die man sich auch einfach im Archiv der Jugendkulturen zu Gemüte führen kann.

Über Cometbus und Aaron gäbe es noch viel mehr zu schreiben. Wer mehr wissen möchte, findet hier zusätzliche Informationen.

Christian

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#IZM2017 #zines #zineoftheday #punk #comics #perzine

Zine of the Day: Watch Out! #1 (Deutschland)

Der Juli ist wieder International Zine Month (IZM). Aus diesem Anlass stellen wir euch auch 2017 wieder einige aus unserer Sicht interessante Fanzines aus der Sammlung des Archivs der Jugendkulturen als „Zine of the Day“ vor…

Watch Out! Video Fanzine #1

Watch Out! Video Fanzine #1

Dass Fanzines nicht immer nur Veröffentlichungen auf Papier sein müssen, zeigt das Watch Out! Video Fanzine, dessen erste und – meines Wissens – einzige Ausgabe 1993 erschien Es war damit nicht das erste Punk/Hardcore-Fanzine auf VHS-Kassette, aber im Gegensatz zu seinen Vorläufern wie dem US-amerikanischen Flipside (seit 1984) oder dem in Deutschland erschienen Tribal Area (seit 1987), hatte das Watch Out! inhaltlich weit mehr zu bieten als eine Zusammenstellung von Konzertmitschnitten, Musikvideos und Bandinterviews. Was dieses Video-Fanzine vor allem so charmant macht, sind die eingesprochenen Platten- und Fanzine-Kritiken, die Comic-Animationen von KIX, die Persiflagen von TV-Werbeclips und -Nachrichtensendungen, die Reportage über eine Zollhundeschule, der Schweiz-Reisebericht, die Interviews mit den Machern des Prawda-Fanzines und den Herausgebern des KIX-Comic-Zines, das Feature zur „Fanzine-Mafia“ oder das aus heutiger Sicht ziemlich schräge Musikvideo der Rap-Formation C.I.A. Neben diesen eher ungewöhnlichen Inhalten und Formaten dreht sich ansonsten alles um die Musik von HC-Bands wie Spermbirds, Wornout, Doom, NOFX, Yuppicide, Excrement of War, Mutant Gods oder Shelter. Wer sich selbst ein Bild von diesem besonderen Zeitdokument machen will, kann sich das Watch Out! #1 entweder auf VHS-Kassette im Archiv der Jugendkulturen zu Gemüte führen oder ganz komfortabel hier online ansehen.

Christian

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#IZM2017 #fanzines #zineoftheday #videotape #punk #hardcore

Vernetzungstreffen „Queere Bildung“ am 22.Juni 2017 // Projekt Diversity Box

Vernetzungstreffen -„Queere Bildung“ – Geschlechterreflektierte Bildungsarbeit in Berliner Schulen-

am 22.Juni von 10.00 bis 18.00 im Aquarium (Skalitzer Str. 6, Nähe Südblock)

ab 18.00: Ausklang mit DJ- SET von SANNI  (https://www.facebook.com/sanniest)

Unser Projekt „Diversity Box“ lädt ein zum Vernetzungstreffen „Queere Bildung“. Schwerpunkte unserer Arbeit sind die Sensibilisierung und Aufklärung von homo- und transfeindlicher Diskriminierung sowie die Sichtbarkeit und Repräsentation von queeren Lebenswelten in Jugendkulturen und Gesellschaft. Das Vernetzungstreffen „Queere Bildung“ richtet sich an unsere Berliner Kooperationspartner*innen sowie an interessierte Lehrkräfte, Sozialpädagog*innen, Erzieher*innen und Aktivist*innen, die sich zu Queer, Jugendkulturen und Bildungsarbeit austauschen möchten. Gemeinsam mit allen Teilnehmer*innen möchten wir diesen Tag als Raum für offenen Austausch, Reflexion, Empowerment und Vernetzung gestalten. Dabei stehen die Herausforderungen und Rahmenbedingungen der Arbeit zu homo- und transfeindlicher Diskriminierung im Kontext Schule und Jugendarbeit sowie die Belange und Erfahrungen der Teilnehmer*innen im Vordergrund.

Wir bieten drei thematische AGs an:

AG 1 – Die haben wir hier gar nicht?!- Queere Sichtbarkeit im Kontext Schule

AG 2 – Queere Bildungsarbeit intersektional

AG 3 – Queer & Jugendkulturen: Ansätze für die praktische Bildungsarbeit

Eingeleitet wird das Treffen durch ein Grußwort vom Queer History Month und einen Vortrag zu „Bildungsarbeit verqueeren“ von Prof. Dr. Melanie Groß.

Melanie Groß ist an der FH Kiel für angewandte Wissenschaften Professorin für Erziehung und Bildung mit dem Schwerpunkt Jugendarbeit. Ihre Forschungsschwerpunkte sind u. A. Jugend- und Protestkulturen, Intersektionalität und Ungleichheit, Poststrukturalistische Theorieansätze insb. Gender und Queer Studies.
Als Rahmenprogramm wird die Diversity Box- Ausstellung die Projektergebnisse aus unseren jugendkulturellen und medienbasierten Workshops für Jugendliche und Fortbildungen und Infoveranstaltungen für Multiplikator*innen aus Berlin präsentieren. Das Vernetzungstreffen „Queere Bildung“ veranstalten wir am Donnerstag, 22. Juni 2017 im Aquarium in Berlin- Kreuzberg und wir laden herzlich ein, diesen Tag gemeinsam mit uns zu gestalten.

Anmeldungen bitte bis zum 15. Juni 2017 unter: http://www.diversitybox@jugendkulturen mit Angabe der gewünschten AG (Erst- und Zweitwunsch).

Die Teilnahme ist kostenlos. Für Getränke und Essen wird gesorgt. Bei der Anmeldung bitte mitangeben, ob vegetarische/ vegane Kost gewünscht ist und ob Lebensmittelallergien bestehen.

Mehr Infos zu unserem Projekt unter: http://www.diversitybox.jugendkulturen.de

Diversity Box wird im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben“ des BMFSFJ gefördert.

Zwischen den Beats

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Die 5. und in diesem Jahr letzte Veranstaltung unsere Reihe „Queer und Jugendkulturen“ nimmt diesmal die DJ-Welt genauer unter die Lupe. Es geht sowohl um queere und feministische Praxen als auch um die Analyse sexistischer Strukturen:“Zwischen den Beats – Queer und Sexismus im Techno und Hip Hop“. Wir wollen mit den eingeladenen DJs über männliche* Dominanzverhältnisse hinter den Turntables, über feministische Netzwerke und den eigenen DJ- Werdegang diskutieren.

Mit dabei sind:

Freshfluke https://www.facebook.com/dj.freshfluke
SANNI https://www.facebook.com/sanniest
Resom https://www.facebook.com/resom

Moderation: Tanja Ehmann

Wann und Wo:
Mittwoch, 14. Dezember 17:30 – 19:00
Crack Bellmer
Revaler Straße 99, 10245 Berlin
Eintritt ist frei

FB-Link: https://www.facebook.com/events/1158530017599567/?notif_t=plan_user_associated&notif_id=1480940756512915

Is Queer the new Punk!?

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Im Rahmen unserer Abendveranstaltungsreihe „Queer und Jugendkulturen“ freuen wir uns auf Runde 4 in diesem Jahr: am 23.11.2016 zum Thema „Queer Zines“.

Das Archiv der Jugendkulturen sammelt schon seit vielen Jahren Zines. Vor allem im Bereich Punk haben wir eine sehr große Sammlung. Seit einigen Jahren beobachten wir aber die Entwicklung, dass vor allem im Bereich der queeren Zines viel mehr veröffentlicht wird und diese auch bei den Zinefesten immer präsenter werden. Ganz zu schweigen von dem eigenen Mini Queer Zine Fest in Berlin, dass sich bereits seit einigen Jahren mit großer Beliebtheit denqueeren Zines, dem Austausch und Vernetzung widmet.

An diesem Abend möchten wir verschiedene Zine-Macher*innen einladen, ihre Zines und ihre Positionen vorzustellen. Darüber hinaus möchten wir gemeinsam ins Gespräch kommen: über das Machen von Zines, die Vernetzung in der queeren Zine-Macher*innen- Community und über aktuelle Themen und Entwicklungen der Repräsentationen in der Queer Community.

Mit dabei sind:

Dana von Ethical Sloth
„Dana ist eine Hälfte von Ethical Sloth, einem queeren DIY-Comic-Zine,das seit drei Jahren in etwa halbjährlich erscheint. Sie gibt das La Moustache Zine heraus, welches sich thematisch mit der(queer-feministischen) DIY-Musikszene beschäftigt, ein experimentelles Interviewmagazin namens 13 Questions und hat gerade ein Comic-Zine über die besten und schrecklichsten Erlebnisse aus zehn Jahren (queer-feministische) DIY-Konzerte veranstalten angefangen. Sie ist Mitbegründer_in des Queer Zine Fests Berlin und gibt manchmal Zine-Workshops.“

SchwarzRund
„SchwarzRund kam als Schwarze Deutsche Dominikaner*in mit drei Jahren nach Bremen, lebt seit fast zehn Jahren in Berlin. Seit 2013 publiziert sie auf ihrem Blog schwarzrund.de und in diversen Magazinen. Mehrdimensionale Lebensrealitäten inner- und außerhalb von Communitys verhandelt sie in Performance-Texten, Vorträgen und Veranstaltungsreihen.“

aktuelles Projekt:
„Biskaya“ ist ein afropolitaner Roman über das Leben von Schwarzen Menschen in Berlin. Die dreißigjährige Tue ist mit drei Elternteilen aufgewachsen und verdient heutzutage ihr Geld vor allem als Sängerin einer deutschsprachigen Indie-Band. Doch mit den anderen Bandmitgliedern hakt es und auch ihre WG wird Tue immer fremder, Ruhe findet sie allein bei ihrem besten Freund Matthew. Er ist die Familie, die es in ihrem Leben seit Jahren nicht mehr gegeben hat.

Anni und Simo von queer trash distro
„queer trash distro bietet zines von queers und trans leuten an zu den themen neurodivergenz, ableismus, körper, trans-sein, sucht …
wir die das distro betreiben sind anni und simo, zwei weisse trans menschen mit verschiedenen ableismus_saneismus-erfahrungen.
anni beschreibt sich selbst als ‚crazy plant lover, pug hugger and whiny femme‘, simo ist ein ‚a_gender suchti cripple punk‘.“

Wann & wo:
23.11 ab 18 h
Aquarium (am Südblock)
Skalitzer Straße 6
10999 Berlin
Eintritt ist frei

https://www.facebook.com/events/325558904496156/

#queer #zines #berlin #diversitybox

Zine of the Day: Shag Stamp (Großbritannien & Dänemark)

Der Juli ist wieder International Zine Month (IZM). Aus diesem Anlass stellen wir euch auch dieses Jahr wieder einige aus unserer Sicht interessante Hefte aus der Fanzine-Sammlung des Archivs der Jugendkulturen als „Zine of the Day“ vor…

Was mich vor allem an Perzines bis heute immer wieder fasziniert, sind die verschiedenen, Lebensentwürfe, Alltagsefahrungen und Erlebnisse, die ich oftmals nicht kannte und durch die ich immer wieder meine eigene Lebensrealität relativieren und anders betrachten konnte. Zines wie Ring of Fire, Deafulla, Alien oder Wer A sagt, muss nicht B sagen boten mir nicht nur Einblicke in das mir meist fremde Leben ihrer Herausgeber_innen, sondern ermöglichten mir auch, meinen eigenen Alltag und meine eigene Lebenssituation aus einer neuen Perspektive zu betrachten. Solche Zines erweiterten im besten Fall tatsächlich mein Bewusstsein.

Das von Jane Graham herausgegebene Shag Stamp gehört auch zu diesen Zines, die mir immer wieder neue Denkanstöße geben konnten. Shag Stamp ist eine enorm vieldeutige Wortkombination. Der Begriff kann einen Knutschfleck oder „love bite“ bezeichnen, aber „shagging“ kann auch Vögeln oder Ficken meinen.

Jane hat sich diesen Titel für ihr Zine ganz bewusst ausgesucht. Wie auch die Herausgeber_innen anderer Perzines, so schreibt Jane in Shag Stamp vor allem über ihren Alltag, ihre Erfahrungen, ihre Erlebnisse, ihre Ansichten und Gedanken. Sie erzählt von ihren Reisen per Anhalter quer durch Europa und die USA, berichtet von Punk- und Hardcore-Konzerten, die sie besucht hat, von Erlebnissen mit Freunden und Liebhabern, macht sich Gedanken über Politik, Feminismus, Erotik und Pornografie und schreibt eben auch sehr viel über ihren Job als Stripperin an den unterschiedlichsten Orten der Welt und ihre Leidenschaft für Kunstperformances.

Shag Stamp #8 (2000) mit Stencil-Cover

Shag Stamp #8 (2000) mit goldenem Stencil-Cover

Was ich an ihren Zines vor allem immer gut fand, war diese enorme Bandbreite an differenzierten Ansichten und komplexen Erfahrungen, die sie dabei entfalten konnte. Shag Stamp ist eines dieser Zines, bei denen man sofort den Drang verspürt, mit dem oder der Herausgeber_in ganze Abende durchquatschen zu wollen. Schade, dass ich sie leider nie persönlich kennengelernt habe. Mittlerweile hat sich Shane aus der Zine Community herausgezogen. Shag Stamp #8 erschien im Januar  2000 in Kopenhagen (und nicht wie die vorherigen Nummern in Sheffield oder Bradford!) und ist leider die letzte Ausgabe dieses wirklich interessanten und empfehlenswerten Perzines

 

Christian

 

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#IZM2016 #Zineoftheday #Zine #Perzine #Stripper #Feminismus #Hardcore

Heft #12 (Deutschland)

Der Juli ist wieder International Zine Month (IZM). Aus diesem Anlass stellen wir euch auch dieses Jahr wieder einige aus unserer Sicht interessante Hefte aus der Fanzine-Sammlung des Archivs der Jugendkulturen als „Zine of the Day“ vor…

Sehr individuell gestaltetes Cover von Heft #12

Sehr individuell gestaltetes Cover von Heft #12

Das Heft war ein äußerst sympathisches Fanzine, das in der ersten Hälfte der 1990er Jahre an gleich zwei Orten im hohen Norden erschien: Quickborn und Hamburg. Ich habe keinen blassen Schimmer, wieviel Ausgaben davon letztlich das Licht der Welt erblickten und wann das Heft wieder eingestellt wurde. Einige Jahre wurde dieses Fanzine-Projekt aber jedenfalls recht ambitioniert betrieben – zumindest haben die Macher es auf die Reihe bekommen, alle drei Monate eine neue Nummer unters Volk zu werfen.

Inhaltlich bestach das Heft durch die für viele damalige Fanzines dieser Bauart eher typische Mischung aus einem Haufen Musik, ein ganz, ganz wenig Politik, einer Menge Schwachsinn, dem obligatorischen Comic, einer grotesken Kurzgeschichte und einem sehr amüsanten Bericht über die Olympia-Bewerbung von Quickborn. Dieser inhaltlich bunte Strauß wurde schließlich durch ein dezent rotziges Cut’n’Paste-Layout irgendwie auf 48 DIN A4-Seiten zusammengehalten. Der musikalische Geschmack der Redaktion wurde von Gitarren dominiert: Es gab einige wenige Band-Interviews (Grotus, Big Chief, Fetish69, 2Bad und Popkiller), aber dafür eine Unmenge Besprechungen von Platten diverser Punk-, Crustcore-, HC-, Alternative Rock-, Indie Rock-, Grunge- und Noise Rock-Bands. Eine stattliche Anzahl an Fanzine-Kritiken gab es ebenso, wie eine ganze Latte an Insider-Witzen, die wohl keiner außer den beiden Herausgebern verstehen konnte und als anti-journalistisches Bonbon ein passagenweise sehr amüsantes Interview mit Alfred Hilsberg (What’s So Funny About-Label, Buback Records, etc.).

Ganz ähnlich hätte das damals auch in anderen Fanzines wie dem Klausner, Gags & Gore, Toys Move, Out of Step, Flex Digest, Blurr oder Revolution Inside erscheinen können – womit ich dem Heft aber keinesfalls posthum die Existenzberechtigung absprechen möchte. Vielmehr will ich damit sagen, dass es Anfang der 1990er Jahre einfach viel mehr sympathische und interessante Musik-Fanzines gegeben hat.

Das Heft #12 trägt übrigens die Selbstbezeichnung „Limitierte Kunstkacker-Ausgabe“, weil jedes Exemplar dieser Nummer mit einem extrem schlecht gemalten, aber dafür einzigartigen Wasserfarben-Bild auf dem Cover daher kommt. Das Archiv der Jugendkulturen hat allein sechs unterschiedliche Exemplare dieser Heft-Ausgabe. Ich mag mir gar nicht „ausmalen“, wie lange die gebraucht haben, um alle Umschläge zu bepinseln.

Christian

 

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#IZM2016 #Zines #Zineoftheday #Fanzine #Punk #Hardcore

Zine of the Day: Masculinities (USA)

Der Juli ist wieder International Zine Month (IZM). Aus diesem Anlass stellen wir euch auch dieses Jahr wieder einige aus unserer Sicht interessante Hefte aus der Fanzine-Sammlung des Archivs der Jugendkulturen als „Zine of the Day“ vor…

Umschlag von Masculinities

Umschlag von Masculinities

Masculinities ist ein Interview-Zine. Zine-Schreiberin Cindy befragt sieben Männer zum Thema Männlichkeit, über ihr Aufwachsen als junge Männer und ihr Hineinwachsen in queere, schwule, feministische Männlichkeiten. Die Interviews lesen sich wie persönliche Gespräche zwischen Freund_innen, denen wir erfreulicherweise zuhören können und zugleich als sehr pointierte queertheoretische Diskussion unter Männlichkeitsexpert_innen. Das Zine entwirft auf gut 25 Seiten ein Kaleidoskop unterschiedlicher Männlichkeiten, vom Aufwachsen in eine Kinderreichen matriarchal organisierten Familie auf einer Farm bis zur städtischen Gay-Punk-Community. Insofern könnte es auch als Lehrbuch der Maskulinismusforschung dienen. Es liest sich nur weitaus schöner als ein Lehrbuch.

Masculinities ist zu bestellen über Doris Press, den Vertrieb der Autorin Cindy Crabb, die übrigens auch das sehr empfehlenswerte Zine Doris herausbringt.

Almut

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#IZM2016 #Zines #Zineoftheday #Gender #Männlichkeit #Perzine

Zine of the Day: Sideburns #8 (Österreich)

Der Juli ist wieder International Zine Month (IZM). Aus diesem Anlass stellen wir euch auch dieses Jahr wieder einige aus unserer Sicht interessante Hefte aus der Fanzine-Sammlung des Archivs der Jugendkulturen als „Zine of the Day“ vor…

Sideburns #8_1

Sideburns #8 mit Filmdose als „Umschlag“

Manche Zines sind mehr als bloße Medien. Ihre Gestaltung macht sie zu regelrechten Kleinoden. Das Sideburns #8 von Andi Dvorak aus Wien ist für mich ein solches Schmuckstück. Dieses „Heft“ erschien irgendwann Mitte der 2000er Jahre und ist streng genommen gar kein Heft, sondern sprengt das typische Zeitschriften-Format, das die allermeisten Fanzines adaptieren. Im Gegensatz dazu erschien Sideburns #8 als Papierrolle in der Größe einer Filmrolle, die zusammen mit einem jeweils unterschiedlichen Gimmick (z. B. der Kugel einer hölzernen Perlen-Kette oder dem Säbel einer Lego–Piratenfigur) in einer entsprechenden Plastik-Filmdose mit Deckel. Die etwas mehr als eineinhalb Meter lange Papierrolle besteht aus acht beidseitig kopierten und mit Tesafilm aneinander gefügten Papierstreifen. Auf der Filmdose befinden sich zwei schmale Klebestreifen, einer mit dem Titel und der Nummer des Zines und ein anderer mit dem Zusatz: „The past can’t be undone“. Ich frage mich, wie lange Andi wohl gebraucht hat, um ein Exemplar von Sideburns #8 fertigzustellen, wie hoch wohl die Auflage dieser Ausgabe war und wie viel Arbeit es gemacht hat, die Filmdosen zu organisieren und sie zu bekleben, die Gimmicks in der passenden Größe zusammen zu tragen, die Kopiervorlagen für die Papierrolle herzustellen, sie beidseitig auf ein DIN A4-Blatt zu kopieren, sie zurechtzuschneiden, zu sortieren, in der richtigen Reihenfolge aneinanderzukleben und aufzurollen und das fertige Zine dann schließlich in diesem ungewöhnlichen Format zu verschicken. Sofort wird klar: Hier steckt enorm viel Herzblut und Leidenschaft drin! Das hier unterscheidet sich von den Kiosk-Magazinen und selbst den allermeisten Fanzines. Das hier ist augenscheinlich etwas sehr Persönliches.

Sideburns #8_2

Sideburns #8 – gerollt und nicht geheftet!

Inhaltlich geht es in Sideburns #8 auch tatsächlich um etwas sehr Persönliches: um zwischenmenschliche Beziehungen, um Liebe, Freundschaft und Vertrauen, aber auch um Enttäuschung, Herzschmerz und Trennung. Andi verarbeitet seine kürzlich gemachten Erfahrungen mit all dem in knappen handschriftlichen Notizen und kurzen Comic-Strip-artigen Zeichnungen. Seine in Schwarz-Weiß gehaltenen Bilder und Texte sind wie blitzlichtartige Moment-Aufnahmen aus dem Leben eines Unbekannten. Auch wenn sie sich auf konkrete Erlebnisse beziehen, deuten sie vieles bloß an, bleiben unscharf, uneindeutig und unvollständig. Gerade dadurch provozieren sie, die eigenen Erfahrungen und Erlebnisse mit den Höhen und Tiefen zwischenmenschlicher Beziehungen mit denen von Andi abzugleichen. Im Sideburns #8 zu lesen ist, als würde man durch das Fotoalbum eines unbekannten Menschen blättern und sich auf manchen Bildern selbst zu erkennen.

Insofern ist die Aufmachung dieses Zines mit seiner Analogie zu einer Filmrolle nicht bloß Spielerei. Der Inhalt findet hier auch seine Entsprechung in der Form und das Medium selbst wird Mittel des Ausdrucks. Im Gegensatz zu vielen Art Zines, denen das ebenfalls gelingt, fehlt Sideburns #8 allerdings jegliche Zurschaustellung eines arty farty-Unterbaus. Stattdessen kommt es völlig unspektakulär im Gestus von D.I.Y. daher und wirkt gerade deshalb extrem sympathisch. All das macht das Sideburns #8 für mich zu einem tatsächlichen Kleinod in unserer Zine-Sammlung.

Andi ist heute immer noch in Sachen D.I.Y. aktiv. Mit seinem Label Fettkakao veröffentlicht er neben Platten auch weiterhin eigene Fanzines.

Christian

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#IZM2016 #Zines #Zineoftheday #Perzine #Beziehungen #Artefakt

Zine of the Day: ALEX #9 – Privacy and Persona (USA)

Der Juli ist wieder International Zine Month (IZM). Aus diesem Anlass stellen wir euch auch dieses Jahr wieder einige aus unserer Sicht interessante Hefte aus der Fanzine-Sammlung des Archivs der Jugendkulturen als „Zine of the Day“ vor…

Vorderseite von Alex #9 - Privacy And Persona

Vorderseite von Alex #9 – Privacy And Persona

Alex #9 ist ein unglaublich persönliches Zine. Über Privatsphäre. Wie geht das zusammen: Verborgen bleiben wollen und fast intime Zines schreiben? Autor_in Alex/Anne tastet sich an eine Antwort heran, ob die Öffentlichkeit, in die ein Mensch mit seinem Zine tritt, mit dem Wunsch nach Privatsphäre vereinbar ist. Es liest sich wie lautes Denken, nimmt Familie, Freund_innen, Kolleg_innen, soziale Netzwerke mit in den Blick. Ebenso sezierend-beobachtend werden Alltagserlebnisse und Gedanken seines/ihres queeren Lebens durchbuchstabiert in dem Versuch, sich der eigenen Identität verbal zu nähern. Unbedingt lesenswert!

Anja

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#IZM2016 #Zines #Zineoftheday #Gender #Privacy #Perzine

Zine of the Day: Die Kunst ist, über’s Kind zu rotzen (Deutschland)

Der Juli ist wieder International Zine Month (IZM). Aus diesem Anlass stellen wir euch auch dieses Jahr wieder einige aus unserer Sicht interessante Hefte aus der Fanzine-Sammlung des Archivs der Jugendkulturen als „Zine of the Day“ vor…

Cover von "Die Kunst ist, über's Kind zu rotzen"

Cover von „Die Kunst ist, über’s Kind zu rotzen“

„Die Kunst ist, über’s Kind zu rotzen. Lach- und Sachgeschichten über Schwangerschaft, Geburt und andere Körperfunktionen“ – Nein, dieses Zine ist kein Biologie-Ratgeber! Es enthält auch keine Schwangerschaftstipps und auch alle, die sich einen Erklärbär-Einspieler im „Sendung mit der Maus“-Stil erhofft haben, muss ich leider enttäuschen.

Clara mit Zine als Tarnung vor gewalthaltigen Büchern

Clara mit Zine als Tarnung vor gewalthaltigen Büchern

Stattdessen ist dieses Zine eine malerische, hemmungslos direkte Erzählung einer Schwangerschaft, die oft unverhofft, aber doch oft öfter als erhofft in das Leben vieler Menschen mit Gebärmutter tritt. Und wie der Titel schon sagt: Es geht – wie in so vielen Geschichten um Schwangerschaft – ums Kotzen, Rotzen und das, was das da mit dem Körper macht. Ich habe dieses Zine als eins der ersten in meinem Leben in meiner Hand gehabt und konnte es erstmal nicht loslassen. Vielleicht nicht nur, aber auch, weil die Komposition aus Worten und kleinen Zeichnungen am Rande, einfach authentisch rüberkommt.

Clara

Mehr Infos zum International Zine Month (IZM) sind hier zu finden.

#IZM2016 #Zines #Zineoftheday #Schwangerschaft #Punk #Perzine

 

 

 

Zine of the Day: Falafel #1 (Brasilien)

 

Falafel_1_Falafel #1 (2012)

Falafel #1 (2012)

Falafel_2_Interview mit Lara Miranda

Interview mit Lara Miranda

Falafel_3_Zeichnung Eng Gee Fan

Zeichnung von Eng Gee Fan

Falafel ist mir aufgefallen, weil es auf meinem Tisch lag, mit der Notiz einer Kollegin* – „wo soll ich diese schönen Sachen einsortieren“.

Es handelt sich bei diesem kleinen Kunstwerk um ein Art-Zine eines brasilianischen Künstler_innen*kollektivs. Seit der ersten Ausgabe 2012 sind bisher 8 Zines erschienen (http://fanzinefalafel.blogspot.de/). Ziel des Kollektivs ist es, verschiedenen – bisher unbekannten – Künstler_innen* die Möglichkeit zu geben, sich fernab der dominanten Strukturen der Kunstszene zu präsentieren.

Falafel_4_Zeichnung Mariana Moysés

Zeichnung von Mariana Moysés

Lara Miranda, Eng Gee Fan und Mariana Moysés erzählen in Kurzinterviews vom sich Eingeengt-Fühlen in der Universität sowie vom Suchen nach Freiräumen, um Inspirationen für ihre besonderen Arbeiten zu finden.

Mehr zum International Zine Month gibt es hier.

#IZM2016 #Zines #Fanzines #Zineoftheday #Jugendkulturen #Kunst #Brasilien

Lara

Zine of the Day: Headspin (Deutschland)

Der Juli ist wieder International Zine Month (IZM). Aus diesem Anlass stellen wir euch auch dieses Jahr wieder einige aus unserer Sicht interessante Hefte aus der Fanzine-Sammlung des Archivs der Jugendkulturen als „Zine of the Day“ vor…

Headspin_8

Titelblatt von Headspin #8

Den Anfang macht dieses Egozine aus den Neunziger Jahren, das bis heute zu meinen absoluten Lieblingsheften zählt. Noch bevor ich im oberbayerischen Weilheim die ersten Gehversuche in Sachen Fanzines wagte, hatte Christoph Koch im nahe gelegenen Fürstenfeldbruck bereits die ersten Ausgaben seines Headspin veröffentlicht. Kennengelernt habe ich ihn und sein Fanzine dann 1992 bei einem gemeinsamen Interview-Termin mit der HipHop-Band Anarchist Academy. Über die Jahre blieben wir im Kontakt, trafen uns immer mal wieder auf einem Konzert, schrieben uns Briefe oder tauschten unsere Hefte.

Was das Headspin von vielen anderen damaligen Fanzines unterschied, waren nicht nur die Unmengen an The Smiths-Zitaten, sondern vor allem die tagebuchartigen Einblicke über das Coming of Age in einer oberbayerischen Kleinstadt. So gab es neben Artikeln über Indie-, Punk- und Hardcore-Bands, Plattenbesprechungen und Konzertberichten auch sehr persönliche Beiträge über das Verliebtsein, über den Tod seiner Mutter oder den ersten Sommer nach dem Abi, die nie pathetisch oder gar peinlich wirkten. Bis 1997 gab Christoph 15 Headspin-Ausgaben heraus, die sich fast alle in der Fanzine-Sammlung des Archivs der Jugendkulturen befinden.

Nachdem er Fürstenfeldbruck verlassen hatte und zum Studieren nach Münster gezogen war, stellte er sein Heft ein und veröffentlichte mit Linus Volkmann und anderen das Fanzine Komm Küssen, von dem noch einige Nummern erschienen, bevor auch dieses Heft zu Grabe getragen wurde.

Auch nach seiner aktiven Fanzine-Zeit gab Christoph das Schreiben nie auf. Heute lebt er als freiberuflicher Publizist in Berlin, liefert u. a. Beiträge für Vanity Fair, die Süddeutsche Zeitung oder SpiegelOnline und verfasst Bücher über seine diversen Selbst-Versuche – vom Experiment, ein komplettes Jahr ohne Internet und Handy auszukommen bis zur Suche danach, was eigentlich Männlichkeit sein kann und soll.

Mehr über Christoph auf seiner Website – man beachte als jugendkulturelle Referenz das Black Flag-Zeichen als Webpage-Icon! 😉

Mehr Infos zum International Zine Month (IZM) sind hier zu finden.

#IZM2016 #Zines #Fanzines #Zineoftheday #Jugendkulturen #Indie #The Smiths

Christian

Zinefest Mannheim

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Am 28.11.2015 fand im JUZ in der Käthe Kollwitz Straße das Zinefest Mannheim statt, dem Christian und Flo vom Archiv einen Besuch abstatteten. Mit viel Liebe, Mühe und Hingabe organisierten Johannes und sein Team einen abwechslungsreichen und interessanten Tag, der sicherlich allen Teilnehmer*innen in positiver Erinnerung bleiben wird. Geschätzte 50 Leute bummelten sich den Tag über verteilt durch die Zine Stände (u. A. das XclusivX DIY Fanzine Collective, das Comiczine Béton oder Zine Vitrine aus Slowenien). Auch an Workshops zu Siebdruck oder Cut and Paste mangelte es nicht, andere lauschten lieber den Vorträgen und Diskussionen. Auch Christian vom Archiv leistete mit seinem Vortrag „Astronauten, Anarchie und Alltag – Ein Rückblick auf fast 100 Jahre FanZine-Geschichte“ seinen Beitrag. All das fand in familiär freundlicher Atmosphäre mit Kaffee, Kuchen und dem ein oder anderen netten Plausch statt und nicht mal die frostigen Temperaturen in den Veranstaltungsräumen konnten der Gemütlichkeit einen Abbruch bereiten. Nachdem der offizielle Teil gegen 19 Uhr beendet war, leitete die „Pfeffi-Bingo-Nacht“ den Abend ein, die unsere Delegation allerdings – business as usual – aufgrund eines wissenschaftlichen Diskurses verpasste. Der Konzertabend mit Fuck, Wolves und tall as trees wurde allerdings mitgenommen und nach ein paar Stunden Schlaf im Keller des JUZ rollte am nächsten Morgen auch schon viel zu früh der ICE in die Hauptstadt zurück. Ein paar Impressionen des gelungenen Zinefestes gibt es in diesem Video der Kesselpunks. Wer den (gar nicht so alten) Christian findet, darf ihn behalten. 😉 Bis zum nächsten Jahr!

Florian Hofbauer

Florian Hofbauer ist Praktikant im Archiv der Jugendkulturen. Das Bild stammt mit freundlicher Genehmigung von XclusivX, http://xclusivx.com/.

 

Zine of the Day: Zine Librarian Zine

Zine Librarian Zine #2 (2003)

Zine Librarian Zine #2 (2003)

Weltweit gibt es mittlerweile weit über hundert Fanzine-Bibliotheken und –Archive, in denen Zines gesammelt und der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Eine aktuelle Liste mit Adressen und Links zu einigen dieser Bibliotheken und Archive gibt es hier.

Dass irgendwann mal jemand auf die Idee kommen würde, auch ein Zine von und für die Mitarbeiter_innen dieser Fanzine-Bibliotheken und –Archive zu veröffentlichen, lag eigentlich auf der Hand, als 2002 die erste Ausgabe des Zine Librarian Zine im Umfeld des Independent Publishing Resource Centers (IPRC) in Portland, Oregon veröffentlicht wurde.

Das IPRC ist seit 1998 das Zentrum der sehr aktiven Zine Community von Portland. Hier treffen sich lokale Zine-Macher_innen, um in alten und neuen Heften aus der eigenen Zine-Bibliothek zu schmökern, um Lesungen und Zine-Workshops zu besuchen und zum gegenseitigen Erfahrungsaustausch. Das IPRC ist aus der Szene selbst entstanden und sieht sich in erster Linie als einen Ort für diese. Der Anspruch des Zentrums ist, die Zine-Kultur zu fördern.

Im Bestand des Archivs der Jugendkulturen gibt es die 2003 erschienene zweite Ausgabe des Zine Librarian Zine. Sie diente vor allem der Vernetzung internationaler Zine Libraries und Zine Archives in englischsprachigen Ländern. So besteht der überwiegende Teil des Hefts aus Vorstellungen verschiedener Fanzine-Bibliotheken und –Archive in den USA, England und Neuseeland. Dabei geht es nicht nur um die Entstehung und das Selbstverständnis dieser unterschiedlichen Einrichtungen, sondern vor allem darum, sich über die Katalogisierung von Zines, Möglichkeiten der Finanzierung, den Umgang mit Nutzer_innen oder den Erwerb von neuen Zines auszutauschen.

Wer sich darunter einen trockenen Newsletter von Nerds für Nerds vorstellt, liegt völlig falsch. Gerade die Comic-Strips von Greig aka „Clutch McBastard“ (Clutch Zine) über die Absurditäten im Arbeitsalltag eines Zine Librarians im IPRC lassen eine_n immer wieder lauthals loslachen. Und so manches kommt einem als Mitarbeiter des Archivs der Jugendkulturen nur allzu bekannt vor.

Mit dem Zine Librarian Zine #3 erschien 2009 die vorerst letzte Ausgabe dieses wundervollen Zines. Leider fehlen darin die fulminanten Comic-Strips von Greig. Dafür kann man sich diese Ausgabe aber noch als PDF-Version zum Selbst-Ausdrucken und Selbst-Zusammenlegen hier downloaden.

Warum danach keine weiteren Ausgaben des Zine Librarian Zines erschienen, ist mir leider nicht bekannt. Es kann sein, dass sich die Kommunikation einfach immer mehr in Mailinglisten, auf Konferenzen, Blogs und vor allem die sehr informative Website ZineLibrarian.info verlagert hat.

An der fehlenden Nerdigkeit oder Kreativität von Zine Librarians liegt das aber sicherlich nicht. Davon zeugen andere Hefte wie das von Kelly McElroy veröffentlichte Zine Librarian Pets von 2014: ein Zine, das sich nur und ausschließlich um die Haustiere von Zine Librarians dreht und von dem aktuell bereits eine 2. Ausgabe in Arbeit ist. Geek-hafter gehts wohl kaum noch! 😉

http://www.stolensharpierevolution.org/international-zine-month

#IZM2015 #Zines #Fanzines #Zineoftheday #ZineLibrary #ZineArchive #ZineLibrarian

– Christian (Zine Nerd)

Zine of the Day: Indulgence

Indulgence #7 (ca. 2002)

Indulgence #7 (ca. 2002)

Ich weiß nicht mehr genau, wie ich auf Indulgence gestoßen war. Es muss jedenfalls um 2002/2003 gewesen sein, als Eleanor aus New York City und ich zum ersten Mal Kontakt aufnahmen. Sie hatte bereits 1997 die Debüt-Nummer ihres Zines veröffentlicht, aber die erste Ausgabe, die ich in die Hände bekam, war Indulgence #7. Eleanor gelang mit ihrem Heft den Spagat zwischen einem Art Zine und einem Perzine mit queer-feministischem Standpunkt. Indulgence beinhaltete damit nicht nur interessante Artikel, sondern stach auch durch eine interessante Gestaltung aus der Masse der Zines dieser Zeit heraus.

Sie verwendete verschiedene Papierarten, Pappen und Folien innerhalb einer Ausgabe (u. a. Tapetenpapier), stellte eigene Stofftaschen für eine Ausgabe her und nutzte ungewöhnliche Fadenbindungen, Falzarten, Stempeldrucke, Letter Presses und andere Techniken, um jede Ausgabe von Indulgence zu einer besonderen zu machen. Man merkte diesem Zine einfach an, dass es jedes Mal mit viel Herzblut und Liebe zum Detail hergestellt worden war.

Innenteil von Indulgence #7 (ca. 2002)

Innenteil von Indulgence #7 (ca. 2002)

Dieser Enthusiasmus beeindruckte mich so sehr, dass ich den Kontakt mit Eleanor weiter aufrecht erhielt. Über die Jahre entstand daraus eine transatlantische Freundschaft und ein intensiver Austausch über Zine-Kultur. 2005 trafen wir uns zum ersten Mal in Berlin und die Jahre danach machte Eleanor während ihrer Europa-Trips immer wieder Abstecher in die Stadt. Sie half mir bei der englischen Übersetzung eines Artikels über ost- und westdeutsche Punk-Fanzines und ich war ganz gerührt, als sie sich im Vorwort ihrer Master-Arbeit über Zines für die Inspiration in Sachen Zine-Kultur und den gegenseitigen Austausch bei mir bedankte.

Auch wenn sie 2008 mit Indulgence #10 die Herausgabe ihres Zines vorerst eingestellt hat, ist Eleanor kulturell und künstlerisch bis heute sehr umtriebig. 2013 veröffentlichte sie ihr erstes Buch mit dem wundervollen Titel Grow: How to Take Your Do It Yourself Project and Passion to the Next Level and Quit Your Job!, das man hier erwerben kann. Sie veröffentlicht regelmäßig Beiträge in ihrem Blog Killerfemme und spielt in den Indie Rock-Bands Corita und Rules.

Indulgence #8 (2002/03)

Indulgence #8 (2002/03)

Auch wenn wir uns in den letzten Jahren leider nicht mehr gesehen haben, so stehen wir doch bis heute miteinander in Kontakt und schreiben uns in regelmäßigen Abständen. Es fasziniert mich bis heute, wie sehr das Interesse an so einer eigentlich banalen Sache wie Zines zum Ausgangspunkt einer Freundschaft werden konnte, die über einen ganzen Ozean hinweg und mittlerweile seit über zehn Jahre besteht. Allein aus diesem Grund bin ich froh, irgendwann einmal mit Fanzines in Kontakt gekommen zu sein.

Weitere Informationen über Eleanor und ihre Projekte sind auf ihrer Website zu finden.

Indulgence #9 (ca. 2005)

Indulgence #9 (ca. 2005)

Innenteil von Indulgence #9 (ca. 2005)

Innenteil von Indulgence #9 (ca. 2005)

http://www.stolensharpierevolution.org/international-zine-month

#IZM2015 #Zines #Artzine #Zineoftheday #Perzine #Queer #Feminismus #Kunst

– Christian (Zine Nerd)