Alternativmedien

Bernd Hüttner/Christiane Leidinger/Gottfried Oy (Hg.):
Handbuch Alternativmedien
Verlag AG SPAK 2010
280 Seiten
22,00 €

titel2011Dieses Buch ist ein Nachschlagewerk der besonderen Art: Zunächst bietet es, sorgsam zusammengetragen, um die 1000 Adressen zum Thema Alternativmedien aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, davon etwa 700 von Zeitungen und Zeitschriften und weitere 300 von Verlagen, freien Radios und Archiven. Damit gibt es einen umfassenden Überblick über den aktuellen Stand der deutschsprachigen alternativen Medienlandschaft, die aufgrund ihres permanenten Wandels sonst schwer zu fassen ist. Hilfreich sind dabei die verschiedenen Register, welche die Adressen nach Sachgebieten, Orten und alphabetisch ordnen. Zudem ergänzen Print‑ und Online‑Literaturhinweise diesen praktischen und informativen Teil des vorliegenden Bandes. Die dazugehörige Datenbank der Alternativmedien wird ständig aktualisiert und lädt auch zu Korrekturmeldungen ein.

Der redaktionelle Teil beinhaltet 15 Beiträge aus diversen Perspektiven, die über den thematischen Mainstream hinausgehen u. a. auf die Praxis alternativer Medien. Genderaspekte werden von Elke Zobl anhand ihrer Forschung zu feministischen Fanzines ebenso wie von Anne Frisius zu feministischer Videoarbeit und Manuela Kay zum Magazin L‑MAG aufgegriffen. Weitere Beiträge aus sonst marginalisierten Feldern beschäftigen sich mit der von Menschen mit Down Syndrom hergestellten Zeitschrift Ohrenkuss oder auch mit neuen Möglichkeiten zu antirassistischer Arbeit anhand des Senders Kanak TV. Über Fussballfanzines alternativer Fan‑Initiativen berichtet Stefan Hebenstreit und eine kritische Auseinandersetzung mit der Medienarbeit der Partei Die Linke liefern Mitherausgeber Bernd Hüttner und Christoph Nitz. Eher theoretischen Aspekten widmen sich die Artikel von Marisol Sandoval, die zu einer Neudefinierung des Begriffes der Alternativmedien auffordert oder Jeffrey Wimmer, der den Umgang dieser Medien mit ihren ökonomischen Grundlagen thematisiert.

In der breiten Öffentlichkeit werden alternativen Medien zumeist kaum wahrgenommen und auch in den Sozialen Bewegungen ist ihre Relevanz umstritten. Diesem Umstand Abhilfe schaffend, bietet das Handbuch eine gelungene Hilfestellung für alle, die Inspirationen und Informationen abseits der ausgetretenen Pfade suchen und offen für Ideen jenseits des kulturellen Mainstreams sind.

Gabriele Vogel

(Diese Rezension erschien zuerst im Journal der Jugendkulturen #17, Winter 2011)

We Love Magazines

Andrew Losowsky (Hg.)
We Love Magazines
Gestalten 2007
392 Seiten
35,00 Euro

magThe sincerity of the title of We Love Magazines is certainly confirmed in the views of the numerous writers who have come together to produce this book. Throughout the book it is obvious that the authors, journalists, and magazine creators are very proud of the impact that the magazine industry has had on the world. A lot of love and care has been given to the production of We Love Magazines as it takes an in‑depth look into the different aspects of the magazine industry in an attractive and eye catching fashion.

We Love Magazines looks at the varying techniques and substantial effort needed to produce a high quality magazine which will succeed in the congested market. The importance of the content, cover and design are all explained. The detailed analysis of these aspects is easy to understand for a person not familiar with the magazine industry and is always interesting.

The book also charts the history of magazines and explores publications which broke the mould. In addition to this there are profiles of seven great moments in the history of magazine journalism from around the globe. The creators of various pioneering independent magazines are also interviewed in the book. The insight of people who have set up a variety of magazines is intriguing.

One of the finest qualities of the book is that it takes a global outlook at the magazine industry. We Love Magazines does not just concentrate on North America and Europe. Magazines from South America, Asia, Africa and Oceania are all profiled. It also devotes attention to mainstream brands and independent creations. However, it must be acknowledged that the book does concentrate more on independent magazines. It is obvious that a considerable amount of time has been taken researching magazines worldwide. This is a major strength of the book as it gives you an insight into the diversity of magazines produced by different cultures. At the end of the book a comprehensive catalogue of independent magazines from around the globe is provided.

The design of We Love Magazines is consistently good. The pictures and text compliment each other very well. The reader is kept interested by the unique style that the content is displayed. Ironically the section covering the work of magazine designers is probably the weakest chapter in the book. Twelve designers write about their experiences working on magazines. The articles have been jumbled up which makes it very long and tiresome to find and read.

We Love Magazines is a celebration of the magazine industry. Everyone who has contributed to this book obviously loves magazine culture. It is very biased in the celebration of magazines but it does not try to hide this fact. The book contains a lot of information and in-depth analysis of the magazine industry but is always enjoyable to read. The magazine industry constantly has to find new ways to modernise in this technological age. It will be interesting to see how magazines develop over the coming years.

Rhodri Lewis

(Diese Rezension erschien zuerst im Journal der Jugendkulturen #17, Winter 2011)

Rechtsradikalismus im Internet

Christoph Busch (Hg.)
Rechtsradikalismus im Internet
(Reihe: Medienwissenschaften – Band 11)
Universitätsverlag Siegen – universi 2010
388 Seiten
14,90 €

ResizeDie rasche Entwicklung und Ausbreitung des Internets erleichterte den Handel mit Waren aus dem Umfeld der extremen Rechten. „Rechtsextremes Material, das früher nur mit Insiderwissen und unter der Theke in einschlägigen Läden zu bekommen war, kann heute bequem online bestellt oder von Websites heruntergeladen werden“, stellt Stefan Glaser, einer der Autoren fest. Das Kapitel „New‑Nazi‑Economy“ widmet sich deshalb den Bestelldaten des Onlineshops Aufruhr‑Versand, um einen Überblick über die Kundenstruktur zu geben. Neben der Kategorisierung der Kundschaft nach Geschlecht, der Höhe der Bestellung sowie der Auswertung der zusätzlichen politischen Kommentare am Ende einer Bestellung zeigt die Datenanalyse ein aufschlussreiches Ergebnis: Die Bestellungen sind keineswegs nur in Ostdeutschland zu verorten, sondern erstrecken sich über den gesamtdeutschen Raum.„Das Internet hat die Verbreitung rassistischer Hasstiraden sowie die Vertriebsmöglichkeiten neonazistischer Schriften, CDs und Devotionalien gewissermaßen revolutioniert“. Aus diesem Grund analysieren die AutorInnen des Bandes Rechtsradikalismus im Internet auf knapp 400 Seiten das umfassende, stetig wachsende Onlineangebot der extrem Rechten und stellen Gegenmaßnahmen wie beispielsweise jugendschutz.net und die Freie Selbstkontrolle Multimedia (FSM) vor.

Die Zunahme der Verbote und Indizierungen schränken jedoch die Möglichkeiten eines aus Deutschland betriebenen Versandshops ein. Bereits 2009 nutzten deshalb über fünfzig Prozent der extrem rechten SeitenbetreiberInnen ausländische Dienste, um die Kundschaft in Deutschland weiter mit verbotener Ware zu versorgen. Daran anknüpfend findet sich auch ein Artikel zum Thema Internationalität von extrem rechten Onlineshops in den USA. Die Recherchen weisen deutlich auf die Schattenseiten der globalen Vernetzung durch das Internet hin: Die in Deutschland verbotenen nationalsozialistischen Symbole unterliegen in Amerika der Meinungsfreiheit. Die meisten amerikanischen Onlineshops machen sich dies zu Nutze und präsentieren sich international. So kann der Käufer oder die Käuferin oftmals die Sprache nicht nur auf Deutsch umstellen und die Rechnung in Euro begleichen, sondern auch teilweise Versandkostenrabatte und Hilfestellungen zum erfolgreichen Versand nach Deutschland erhalten.

Neben den Onlineshops spielen auch die Webseiten extrem rechter Bands eine wichtige Rolle, da „junge Menschen für Neonazi‑Agitation in blutleerer Programmform kaum empfänglich sind. Musik berührt die jungen Leute, die von den Politikern nicht erreicht werden“. Die AutorInnen Laura Irsen und Marcel Fischer analysierten deshalb unter anderem die Internetseiten der Rechtsrock‑Bands Endstufe, Spreegeschwader und Oidoxie und stellten fest, dass die Verwendung von lediglich dezenter Symbolik, wie beispielsweise der Farben schwarz, weiß und rot die menschenverachtenden Einstellungen der Bands verschleiern. So zeigt beispielsweise die Aufmachung der Webseite von Endstufe, dass „die Band zur rechtsradikalen Subkultur gehört, aber auch, dass diese sich nicht deutlich als solche präsentiert“. Im Kapitel „Symbolik auf Homepages rechtsradikaler Bands – eine qualitative Untersuchung“ wird darauf hingewiesen, dass bei der Darstellung der Homepages „eine besondere Konzentration auf den Aussagen [liegt], die mit dieser Symbolik getroffen werden“. In dieser Hinsicht ist auch das Kapitel „Zur Ästhetik rechtsextremer Webseiten“, welches Symbole aufführt und erklärt, sehr informativ. So interpretiert Juliana Brunello Bilder von extrem rechten Internetseiten und erläutert die verwendete Symbolik, wie zum Beispiel Runen oder veränderte Abbildungen aus der Zeit des Nationalsozialismus.

Trotz der Maßnahmen von jugendschutz.net und der FSM gibt es immer wieder neue extrem rechte Webseiten, die nur schwer zu kontrollieren sind. Die Analysen der diversen Angebote im Netz führen somit zu folgendem Ergebnis: „In dem Maße, in dem sich die Agitation modernisiert und professionalisiert, Strafvermeidungs- und Transstrategien zunehmen, stößt rechtsstaatliche Repression an Grenzen – gerade diese Entwicklungen fordern die Aufklärungsarbeit heraus“. Auch wenn es professionelle Webseiten gibt, die sich gezielt mit der Aufklärungsarbeit in Bezug auf extrem rechte Strukturen beschäftigen, könnten sich diese noch mehr an Jugendlichen orientieren. Zu diesem Resultat kamen Alexander Fuchs und Fabian Klein nach Abschluss von Gruppendiskussionen mit Schulklassen zur Qualität von Aufklärungswebseiten. Jedoch ist die Durchführung der Gruppendiskussionen nicht überzeugend. Anstatt die Ergebnisse lediglich niederzuschreiben und eine ideale Webseite zu erarbeiten, sollten konkrete Handlungen folgen, um zur Verbesserung der Aufklärungsarbeit beitragen zu können.

Angesichts der Stellungnahmen und Lösungsansätze von Bündnis 90/Die Grünen, FDP, Die Linke, SPD, sowie CDU/CSU zu extrem rechten Webseiten zeigt sich zudem, dass „die meisten Parteien das Problem Rechtsextremismus im Internet kaum [thematisieren]“. Auch wenn die Autorinnen Andrea Brilka, Urszula Maria Chenczke und Anna Lena Hahmann zu dem Entschluss kommen, dass „alle demokratischen Parteien Rechtsextremismus als Problem wahr[nehmen] und [in der breiten Öffentlichkeit] diskutieren“, fehlt es an konkreten Maßnahmen beziehungsweise an gesetzlichen Möglichkeiten diese umzusetzen. Deshalb werden in „Grenzen und Probleme der Regulierung bei Rechtsradikalismus im Internet“ verbesserte internationale Zusammenarbeit in Bezug auf die Strafverfolgung sowie präventive Maßnahmen, wie beispielsweise die Verbesserung der Medienkompetenz von Jugendlichen gefordert.

Der Band enthält neben den aufgeführten informativen Kapiteln allerdings auch seine Schwächen. So stellt beispielsweise der Artikel „Internet, Demokratie und Neue Soziale Bewegungen“ keinen direkten Bezug zu dem Thema des Bandes Rechtsradikalismus im Internet her. Auch die unterschiedliche Verwendung der Begriffe „Rechtsextremismus“ und/oder „Rechtsradikalismus“ trägt nicht gerade zum Verständnis bei. Obwohl auf dieses Problem bereits in der Einleitung hingewiesen wird, wäre eine einheitliche Definition wünschenswert gewesen.

Luisa Wingerter

(Diese Rezension erschien zuerst im Journal der Jugendkulturen #17, Winter 2011)