Die Ballade der Trockenpflaumen

Pulsatilla
Die Ballade der Trockenpflaumen
Graf Verlag 2011
215 Seiten
14,99 €

9783843700207_coverValeria di Napoli, die Autorin dieses Buches, schreibt unter dem Pseudonym Pulsatilla, lateinisch für ein giftiges Kraut namens Kuhschelle, das gleichwohl ein homöopathisches Heilmittel gegen Boshaftigkeit sein soll. Soweit informiert der Klappentext, aber offenbar hat das Kraut nicht viel geholfen. Ursprünglich als Einträge in ihrem Blog veröffentlicht, widmet sich die junge Italienerin in kurzen Kapiteln allerlei Aspekten des (Frauen‑)Lebens – zumeist denen, die sonst unausgesprochen bleiben – und das in einem bissig-witzigen Tonfall, der erkennen lässt, dass sie in ihrer Jugend nicht gerade auf Rosen gebettet war. Oder doch, aber dass bei ihr die Stiele mit dran geblieben sind.

Ansatzweise chronologisch beginnt der Band mit Pulsatillas Geburt und Kindheit und der Bürde, in einem links‑chaotischen Elternhaus aufzuwachsen. Die Unbillen der Adoleszenz und die Mühen mit zahlreichen Männerbekanntschaften bilden im weiteren Verlauf den Rahmen, auf Details (der weiblichen Pubertät und der männlichen Anatomie) aufmerksam zu machen, die man vielleicht gar nicht so genau wissen wollte, aber die ausreichend Gelegenheit geben, mit viel Spott und Hohn kommentiert zu werden. Zu Beginn ist das ganz amüsant, gelegentlich auch richtig erheiternd, aber nach einer Weile lässt der Spaßfaktor beim Lesen merklich nach.

Im Allgemeinen erhöhen Tabubrüche die Erfolgschancen eines Buches, aber wenn einen oder eine beim Lesen ständig das Gefühl beschleicht, zum Schlüssellochkucken gezwungen zu werden, wird das Ganze auf Dauer etwas fad. Und, was noch schlimmer ist, es hört komplett auf lustig zu sein, wenn sich mit der Zeit nur noch Mitleid mit der Autorin einstellt. Das arme Geschöpf scheint an nichts echte Freude haben zu können, was das (italienische) Frauenleben anscheinend so mit sich bringt, hat aber auch nicht den Mut, dem ganzen Zirkus aus Modeallüren, Schönheitsvorschriften und Männeridealen die rote Karte zu zeigen und sich erst einmal mit sich selbst anzufreunden. So arbeitet sie sich an einer Peinlichkeit nach der anderen ab und am Ende kann man ihr nur von ganzem Herzen wünschen, dass ihr zukünftiges Leben nicht weiter von ständigen Frustrationen gekürt sein wird, die sie nur mit spitzer Zunge bzw. Feder bewältigen kann.

Sicher, wer einen Hang zu Schadenfreude und eben Boshaftigkeit hat, wird sich mit diesem Buch gut amüsieren können. Wer Fußball nicht mag, auch. Ein Roman, von dem man doch eine gewisse Spannung erwartet, ist der vorliegende Band allerdings nicht.

Gabriele Vogel

(Diese Rezension erschien zuerst im Journal der Jugendkulturen #17, Winter 2011)

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