Wildes Düsseldorf

ar/gee gleim / Xao Seffcheque & Edmund Labonté (Hrsg.)
Geschichte wird gemacht. Deutscher Underground in den Achtzigern
Heyne Hardcore 2019
244 Seiten, inklusive CD mit 7 Songs
30€

Prolog:
Keine Atempause, Geschichte wird gemacht, es geht voran!
Spacelabs fallen auf Inseln, vergessen macht sich breit, es geht voran!
Berge explodieren, Schuld hat der Präsident, es geht voran!
Graue B-Film-Helden regieren bald die Welt, es geht voran! 
(Fehlfarben – Ein Jahr, es geht voran)

Acover.jpgr/gee gleim wurde 1941 in Düsseldorf unter dem Namen Richard Gleim geboren, bekannt wurde der gelernte Gärtner vor allem für seine Fotografien, die ab Ende der 1970er Jahre im Umfeld der aufkeimenden deutschen Punk- und New-Wave-Szene entstanden.

„Ich habe mal eine Ausstellung namens ‚Wildes Düsseldorf’ gemacht, in der ich Bilder von ausschließlich wild vorkommenden Pflanzen in der Stadt gezeigt habe. Doch das Publikum hat nur Blümchen gesehen und dem Aussteller war das nicht politisch genug. Immer wieder dasselbe. (…) Als Gärtner steht man außerhalb dieses Schlachtfeldes und versucht, ein Verständnis für die Vielfalt und Größe des Daseins zu vermitteln. (…). Also bin ich nach wie vor Gärtner und das vor dem Fotografen.“

Die Herausgeber von Geschichte wird gemacht, Xao Seffcheque und Edmund Labonte,  waren selbst in den 1980er Jahren im und um den Düsseldorfer Ratinger Hof – dem Zentrum der Punk- und New-Wave-Szene der Modestadt – aktiv. Ein Besuch beim größten Bücherversand der Welt gibt uns erste Orientierung, um was es hier gehen könnte:

18. März 2019 2,0 von 5 Sternen Hier sehen die frühen 80er langweiliger aus, als sie waren!

8. März 2019 1,0 von 5 Sternen Gefällt mir nicht  Das Cover finde ich nicht ansprechend. Hätte mir mehr Farben gewünscht.

244 Seiten ermöglichen dem Rezensenten 122 mal umzublättern. Dabei begegnen ihm 200 imposante und teilweise zuvor unveröffentlichte Schwarzweiß-Fotos aus dem Ouevre von ar/gee. Er selbst unterstützt die Bilder mit kleinen Anekdoten. Er erinnert sich in kurzen, fotografisch anmutenden Blitzlichtern an seine nicht-heimlichen Aufnahmen der vermeintlichen Residents am Bahnhof in Frankfurt, an Aufnahmen von Nico, Julie Jigsaw und Johnny Thunders. Ar/gee war dabei nicht nur in seiner Heimatstadt Düsseldorf unterwegs, auch in Wuppertal, Hamburg und Berlin fungierte er als Kronzeuge des nahenden Untergangs – die Achtziger, No Future, der Rest ist Geschichte. Bilder von frühen Auftritten der Ärzte und der Toten Hosen wechseln mit wirklich eindrücklichen Bildern vom Auftritt der amerikanischen Skandal-Band The Plasmatics im Metropol Berlin 1982. Geschichte wird gemacht und schon geht es weiter mit Aufnahmen von Östro 430, Abwärts, S.Y.P.H. oder den Einstürzende Neubauten. Dazwischen zeigen Bilder vom gelangweilten oder erstaunten Publikum im Ratinger Hof oder beim Hagener New Wave Festival 1980, dass die Szene nicht nur aus den neuen Stars auf der Bühne bestand.

Zwischen den Fotographien Spalten voller Buchstaben: 15 Essays von Musiker*innen, Journalist*innen und Autor*innen erzählen ganz eigene Geschichten von einem jeweils ganz eigenen Universum. Zeitzeugen wie Peter Hein (Fehlfarben / Family*5) und Hans Nieswandt wechseln sich ab mit später geborenen wie Miriam Spies, Katja Kullmann und Hendrik Otremba (Messer). Der Blick wechselt mit jedem Essay, aber die Message bleibt gleich. Es ist immer eine Zeitreise ins eigene Ich, die die Autoren unternehmen. Eine sehr persönliche Reise zum Erweckungsmoment, dem Jahr der Kontaktaufnahme oder dem Culture-Clash mit der „normalen“ Welt.

„In Friedrichshafen kam der Punk so richtig im Jahr 1979 an. (…) Ohne die Fotos von ar/gee und anderen (…) hätten wir gar nicht gewusst was wir anziehen sollen“ beginnt Hans Nieswandt seinen Essay über Kleidungs- und Haarfragen. Wolfgang Zechner bringt es für sich so auf den Punkt: „DAF haben den Schalter in meinem Kopf umgelegt, haben mein Gehirn neu formatiert“. Hendrik Otremba, Mastermind der neu-modernen Münsteraner Band Messer widmet sich dagegen Genesis P-Orridges dunklen Künsten. P-Orridges Band Throbbing Gristle („pochender Knorpel“, in der Umgangssprache von Yorkshire die Bezeichnung für einen erigierten Penis) war stilbildend für das spätere Genre Industrial. Katja Kullmann wiederum geht in eine Art Gespräch mit sich, dem Auftraggeber Seffcheque und dem Publikum. Ganz anders wird es wieder bei Frank Spilker, Sänger von Die Sterne. Spilker erinnert sich an sein ganz eigenes 1982 und seine enttäuschende Feststellung zu spät geboren zu sein: „Wir sind die, die es nicht mehr genauso machen können, wie die, die uns fünf Jahre zuvorgekommen sind. Wir sind gezwungen etwas neues zu machen.“

Am Ende dieser Geschichte gibt es dann den Soundtrack unserer Vergangenheit. Die Ärzte, Family*5, Palais Schaumburg, Andreas Dorau, Östro 430, Der Plan und The Wirtschaftswunder finden sich mit jeweils einem Titel auf einer beiliegenden CD. Stilecht wäre dagegen wohl eine 7“Single gewesen.

Am 16. Juli diesen Jahres ist ar/gee in Düsseldorf gestorben und dieser Fotoband wirkt nun wie sein Vermächtnis. Ich danke Xao Seffcheque, Edmod Labonte und vor allem ar/gee für dieses Buch.

Aber lassen wir ar/gee doch selbst sprechen:

Gnogongo.de: Publiziert am 22. März 2019 von ar/gee: Mir fällt auf, dass in fast allen Rezensionen zum Buch der Ratinger Hof im Mittelpunkt steht. Dabei ist nicht mal ein Viertel der Bilder dort entstanden. Auch damals war die Welt größer.

Epilog:
Bilder von früher
Um ganz ehrlich zu sein
Bitte zeigt sie mir nicht mehr
Menschen machen Fotos gegenseitig
Zu beweisen dass sie wirklich existierten
Auf Nummer sicher zu gehen dass sie da sind

(Goldene Zitronen – Menschen machen Fotos gegenseitig)

Jimi NoMore

Zine of the Week: Fleisch mit weißer Soße #August2016

Es ist International Zine Month! Zeit für einen Einblick in die Fanzinesammlung des Archivs der Jugendkulturen, in der sich inzwischen mehr als 20.000 Einzelhefte befinden. Heute rezensiert Giuseppina Lettieri aus dem Team Diversity Box.

Das Zine „Fleisch mit weißer Soße“ ist im August 2016 erschienen und eigentlich längst überfällig mal von unserer Seite rezensiert zu werden. Allein der Titel irritiert mich schon seit langem, weil er mehr Rätsel aufgibt als wirklich Hinweise zum Inhalt des Zines- jedenfalls für mich. Nach dem ersten Lesen ist immerhin das etwas klarer. Es geht um Sexarbeit oder besser gesagt um einen persönlichen, wenn auch sehr fragmentarischen Einblick in das Leben einer Person, die im Puff arbeitet.

Und was dann in diesem 14 Seiten dünnen Zine folgt, erinnert ein kleines bisschen an William S. Burroughs „Naked Lunch“ vom Stil, sprachlich jedoch ehrlicherweise eher an Tagebuch-Einträge. Gedanken, scheinbar wahllos aufeinanderfolgend, geben Einblicke in Lebensmomente aus dem August 2016: das konfliktive WG-Leben, unangenehme U-Bahn-Situationen, Migräneanfälle, depressive Phasen und ein erster Hinweis auf den ausgeübten Beruf als Sexworker. Immerhin ist das der längste Text in dem Zine und füllt eine ganze DIN A 6-Seite.

Vom Zine zum Buch

Da das Zine dahingehend nur diesen einen Vorgeschmack zum Thema Sexarbeit zu bieten hat, habe ich auch das gleichnamige Buch von Christian Schmacht, erschienen im Dezember 2017, gelesen. Cut and Paste als künstlerisches Stilmittel durchzieht auch die 105 Seiten des Buches. Auf dem Klappentext wird nun der Kontext geliefert, der dem Zine fehlte. Dort steht:

Christian Schmacht, durch seine Skandalkolumnen für das Missy Magazine bekannt geworden, schreibt in seiner autobiografisch inspierten Novelle über einen jungen transgender Mann, der als Frau verkleidet in den Bordellen Berlins anschafft.

Und sicherlich weiß auch ich durch die Kolumne in der Missy sowie durch die Social Media-Accounts von Christian Schmacht mehr über das Leben als Sexworker, über Körper-und Identitätsfragen, Konsum und das politisches Selbstverständnis des Autors. Mehr als mir manchmal lieb ist sogar, um ehrlich zu sein. In dem Buch beschreibt Christian Schmacht, warum Schreiben und sich der Welt mitteilen eine heilsame Wirkung hat und es nach dem eigenen Selbstverständnis nicht darauf ankommt, ob andere das hören oder lesen wollen:

Schreiben heißt: Ich existiere. Ich schreibe für mich, weil ich will und manchmal weil ich muss; um mich selbst zu erhalten. Oder zu halten. Ich habe mit meinen gedanken eine geschwindigkeit erreicht, mit der andere nur manchmal klarkommen.

Schreiben als Existenz- bzw. Daseinsberechtigung. Denn: Representation matters.

Sexarbeit ist Arbeit oder auch über die Banalität der Sexarbeit im Kapitalismus

Niemand hat sex außerhalb vom kapitalismus, aber darüber wollen viele gern hinwegsehen. bei liebe und sex denken sie, das ist so ursprünglich, das gehört mir, egal wie entfremdet ich sonst bin. Aber das ist nicht wahr und wir sexworker stoßen sie darauf, mit unserer bloßen existenz und das mögen sie nicht.

Das Sexarbeit Arbeit ist, ist in den queerfeminitischen Kontexten, in denen ich mich bewegen, nichts Neues, aber meine Berühungspunkte mit dem Thema waren bisher immer analytischer nicht persönlicher Natur. Ich habe keine Freund*innen, die Sexarbeit machen und beziehe meine Einblicke aus Aktivismus und Popkultur. Die Aktivistin Sylvia Rivera, Transfrau of Color, hat meinen Aktivismus vor einigen Jahren, als ich sie viel zu spät als zentrale Figur der Stonewall-Riots eher per Zufall entdeckte, seitdem stark geprägt. Und mit der Serie Pose stehen zum ersten Mal hauptsächlich BPoC Transfrauen im Mittelpunkt der Geschichte und geben Einblick in das New York der 80er und 90er Jahre, wo Sexarbeit einfach mit zum (Über-) Leben gehörte.

White Privilege

Geht es bei Pose und in den Interviews von Sylvia Rivera im STAR-Zine jedoch eher um die Adressierung struktureller Benachteilungen, wie Rassismus und Trans*feindlichkeit gegenüber BPoC Transfrauen und Queers, die oft einen sozio-ökonomischen Kosmos schufen, der die Sexarbeit bedingte, so anders ist der Einblick den Christian Schmacht als weiße Person in Deutschland aus den Jahren 2016 und 2017 schildert. Christian Schmacht reflektiert die eigenen Privilegien sehr gut und äußerst sich zudem politisch zu Rassismus, Klassismus, Misogynie und der kapitalistischen Verwertungslogik in der Gesellschaft an sich sowie zu Homo-und Transfeindlichkeit und rechter Gesinnung unter den Freiern und auch den Sexarbeiter*innen im Puff. Das blitzt aber immer wieder nur kurz auf. Zu kurz für mein Empfinden. Davon würde ich lieber mehr lesen. Stattdessen sind die Gedankensprünge und die wilde Aneinanderreihung von Themen (von Schernikau zum Dschungelcamp, von der Fashion Week zu Botox bis zum G20-Gipfel in Hamburg) das, was für mich am prägnantesten hängen bleibt. Das soll auch alles gar nicht kohärent sein, glaube ich, sondern Einblicke in die diffuse Gedankenwelt und das Seelenleben einer jungen weißen Trans*person geben, die zwischen Materialismus und Aktivismus schwankt:

Beispiel geld: Lieber wurde ich sexworker, als wenig geld zu haben und für oder gegen etwas zu kämpfen. Ich wollte teilhaben, am leben, mieten, konsumieren.

Fazit

Dieses Review ist eher ein ganz persönlicher Push aus meiner Komfortzone und lässt am Ende auch eher mehr Fragen offen, statt ein klareres Meinungsbild meinerseits erkennen. Die oft kontrovers geführten Debatten zum Thema Sexarbeit in feministischen Diskursen, lösen sich in meinem Kopf ab mit den kurzweilig verfassten Beiträgen von Christian Schmacht. Eines kann ich an dieser Stelle aber abschließend sagen: Nie habe ich vorher so ehrlich und banal über den Beruf Sexarbeiter*in gelesen, über die Langweile im Puff, wenn bei zu gutem oder zu schlechten Wetter die Freier wegbleiben. Davon geht sogar ein bisschen Faszination aus. Da ist die Frage nach dem Titel fast schon wieder vergessen.

Giuseppina Lettieri

Giuseppina schreibt aus einer cis-weiblichen, queerfeministischen, of Color-Perspektive. Sie leitet im Archiv ein queeres Bildungsprojekt und koordiniert seit 2019 den Queer History Month Berlin.

Zine of the Week: Metal Maidens #31

Es ist International Zine Month! Zeit für einen Einblick in die Fanzinesammlung des Archivs der Jugendkulturen, in der sich inzwischen mehr als 20.000 Einzelhefte befinden. Heute rezensiert Lisa Schug aus dem Team PopSub.

Als ich „Metal Maidens“ auf der Suche nach einem ganz anderen Metal Fanzine das erste Mal in den Händen hielt, war ich baff. “Metal Maidens – The Ultimate Magazine Dedicated to Women in Hard Rock & Heavy Metal“, wie konnte mir das als feministisch interessierter Metalfan bisher entgangen sein?

Ob das Metal Maidens Fanzine bei seinem erstmaligen Erscheinen 1995 wirklich “The Only Magazine with a Heart for Female Rockerz” war, wie es auf dem Cover steht, lässt sich heute nicht mehr sagen. Sicher ist aber, dass es eines der wenigen Zeugnisse des Kampfes für mehr Sichtbarkeit von Frauen in der Metalszene im prä-Social-Media-Zeitalter ist. Denn während Initiativen wie #killtheking, #metaltoo oder das Sycamore Netzwerk heute andere Stimmen hörbar machen und in die Szene intervenieren, tat sich in Sachen Sichtbarkeit für marginalisierte Perspektiven im Metal in der Vergangenheit sehr lange sehr wenig.

Im Archiv der Jugendkulturen gibt es bisher nur eine Ausgabe des niederländischen englischsprachigen Fanzines, das von 1995 bis 2005 erschien und online bis heute als Webseite und Facebook-Seite weiterlebt – Nummer 31 aus dem Jahr 2003. Auf 46 Seiten gibt es das klassische Metal-Fanzine-Programm: Interviews, Plattenbesprechungen, Berichte von Konzerten und eine Übersicht über bevorstehende Tourneen – wohlgemerkt nur von Bands mit mindestens einer Musikerin. Was das genau heißt bleibt weit gefasst, teilweise werden auch Bands rezensiert, die „female guest appearences“ auf ihren Platten haben. Auch genremäßig geht es wild durcheinander von Heavy & Death Metal bis hin zur Punkband The Distillers und einem Album von Pop-Sängerin Shania Twain.

Spannend ist der Blick in die Metalgeschichte in der Kategorie „Back to the Past“. Dort werden Protagonistinnen der 80er Jahre Hard-Rock-Bands „Tough Love“ und „Romantic Fever“ interviewt und schildern ihre Erfahrungen:

„The better [bands] were all female. I played in a couple [of bands] where I was the only woman and in these bands, the guys tended to treat me like their little sister and they were very protective.“

Courtney Paige Wolfe in Metal Maidens #31

Einen kleinen Empowerment-Block hat das Fanzine auch: In der Rubrik „Marjo’s Guitar Techniques“ gibt Gitarristin Marjo Marinus praktische Tipps für’s Tapping: Eine Spielart der Gitarre bei der auf die Seiten getippt wird statt sie zu zupfen. Und nicht zuletzt hat Metal Maidens #31 auch eine Beilage: Zum Heraustrennen liegt ein Wandkalender für das Jahr 2003 mit Fotos der Bands Arch Enemy und Sinergy bei.

Soweit so gut. Tatsächlich macht das Fanzine Lust in einige der vorgestellten Bands reinzuhören und selbst weiter zu forschen. Und doch fehlt mir etwas: Was Metal Maidens #31 nicht thematisiert ist sind Erfahrungen von Ausgrenzung und Marginalisierung, die Frauen und Queers in der Metalszene machen. Generell ist die Ausgabe wenig politisch abgesehen von einigen klugen Antworten auf die obligatorische Frage: „Wie ist es in einer all-female Band zu spielen?“.

“ We wanted to change the idea of women in Metal: „Nice dolls in tight clothes with nice voices and at the utmost [sic] playing some bassguitar.“

Nienke von der Band „Autumn“ in Metal Maidens #31

Das Fanzine bietet zwar eine Plattform für Musikerinnen– stellt aber nicht die Frage danach, warum es in erster Linie an Sichtbarkeit mangelt oder es so wenig Metal Musikerinnen gibt. Auch scheint der Fokus der „Metal Maidens“ bis in die heutige Online-Ausgabe hinein ausschließlich auf Cis-Frauen zu liegen, die fehlende Sichtbarkeit für Trans*-, Inter-, nicht-binären Personen in der Metalszene ist kein Thema.

Und dennoch: das Metal Maidens Fanzine hat in über 10 Jahren und 40 Ausgaben ganz sicher dazu beigetragen Metal-Musikerinnen sichtbarer zu machen und das in einer Zeit, in der es im Metal denkbar wenig Unterstützung für solche Ansätze gab. ist Ein wichtiges Relikt der Metal-Geschichte!

Lisa Schug

Zine of the Week: Bullenpest #5

Es ist International Zine Month! Zeit für einen Einblick in die Fanzinesammlung des Archivs der Jugendkulturen, in der sich inzwischen mehr als 20.000 Einzelhefte befinden. Heute rezensiert Almut, Praktikantin im Team PopSub.

Unter dem programmatischen Namen „bullenpest“ erscheint in den 1980er Jahren ein linksautonomes Blättchen in Göttingen. Laut den Macher*innen handelt es sich um ein „ex-gö-punx-blatt“ und eine „zeitung zur billigung von straftaten“. Die anonymen Redakteur*innen „saustall“ und „radikalinski circus“ weisen im Impressum darauf hin, dass die „verkäufer der bullenpest […] mit an sicherheit grenzender wahrscheinlichkeit nicht der redaktion“ angehören.

Die fünfte Ausgabe der bullenpest beginnt mit einem Vorwort, das von den alltäglichen Schwierigkeiten des Zinemachens erzählt. Texte werden nicht oder erst kurz vor Redaktionsschluss eingereicht, beim Schneiden gehen wichtige Teile versehentlich verloren, der Hefter gibt den Geist auf und dann auch noch die Razzia im Jugendzentrum. Das Fazit: „ES HAT MAL WIEDER ALLES NICHT GEKLAPPT“. Optisch folgt das Zine dem Schnipsel-Look, wie wir ihn auch aus Punk-Fanzines kennen: Zeitungsartikel werden mit (ausgedachten) Überschriften, Bildern, Zeichnungen und eigenen Texten oder Kommentaren vermischt. Auffällig ist die extrem kleine Schriftgröße, für die sich die Macher*innen im Heft mehrmals entschuldigen.

Inhaltlich geht es zunächst um „Standardthemen“ der Autonomen. Es gibt Solidaritätsbekundungen mit der ETA, Berichte über Häuserkämpfe, Aktionen gegen das Sachleistungsprinzip für Geflüchtete und Aufrufe zum Umtausch von Wertgutscheinen in Bargeld. Neben einem Verriss des Films „Stammheim“ (mit einem Drehbuch von Stefan Aust) finden sich im Heft auch Bekennerschreiben unter anderem zu einem (Brand-)Anschlag auf das vorführende Kino in Göttingen.

Interessant sind aber vor allem die Artikel, die sich mit den Protesten gegen Atomkraft beschäftigen. Das vermutlich im Herbst 1986 erschienene Heft steht dabei noch im Zeichen der Reaktorkatastrophe von Tschernobyl. Einige Artikel behandeln das breite Protestbündnis vom bürgerlichen bis linksautonomen Spektrum gegen die geplante Wiederaufbereitungsanlage (WAA) in Wackersdorf und die massive Gewalt von Seiten der eingesetzten Polizei. In anderen geht es um das AKW Brokdorf, dass im Oktober 1986 nur wenige Monate nach Tschernobyl in Betrieb genommen wird.

Zusätzlich enthält die Ausgabe einen Erlebnisbericht vom Anti-WAAhnsinns-Festival, das 1986 im bayrischen Burglengenfeld mit bis zu 100.000 Besuchenden stattfindet und auch als deutsches Woodstock Bekanntheit erlangt. Dort positionierten sich renommierte (internationale) Künstler*innen gegen die WAA in Wackersdorf. Der*die anonyme Autor*in übt jedoch scharfe Kritik an der fehlenden politischen Schärfe der dortigen Inhalte und den Abgrenzungsbemühungen vieler Künstler*innen zum militanten Protest und stellt darüber hinaus die Frage nach der Sinnhaftigkeit gewaltfreier Protestformen. Trotz allem trägt dieser Protest in seinen verschiedenen Formen dazu bei, dass der Bau in Wackersdorf drei Jahre später eingestellt wird, die Wiederaufbereitung abgebrannter Brennstäbe aus Kernreaktoren in Deutschland findet nun in Frankreich (La Hague) und Großbritannien (Windscale/Sellafield) statt.

Almut D.

Zine of the Week: Möbiusschleife Vorgestern

Es ist International Zine Month! Zeit für einen Einblick in die Fanzinesammlung des Archivs der Jugendkulturen, in der sich inzwischen mehr als 20.000 Einzelhefte befinden. Heute rezensiert Lisa Schug aus dem Team PopSub.

„Dieses Zine, gemacht von der ATO, die nicht mehr existent ist, da auch das T aus ATO nicht mehr existiert, heißt Möbisusschlaufe [sic], weil es (das Zine) mit Zeit und ihrer Vergangenheit zu tun hat.“ Alles klar? Was von außen anmutet wie ein klassisches Punkfanzine – Illustration, Collage, Xerox-Kopie – ist ein kleines Schmankerl aus der Science-Fiction-Sammlung des Archivs der Jugendkulturen: „Möbiusschlaufe Vorgestern“.

Das nur 18-seitige Zine aus Denzlingen (in der Nähe von Freiburg im Breisgau) wurde von einer Gruppa namens ATO 1993/94 erstellt und redaktionell von Kurt Snietka betreut (der heute offenbar in Denzlingen expressionistische Ausstellungen macht). Es enthält zwei Kurzgeschichten und eine zynische Abrechnung mit dem Gerfandom, also der deutschsprachigen Science-Fiction-Fanszene und ist wegen seiner Auseinandersetzung mit Zeit, Logik und Zukunft auch dieser zuzurechnen.

Highlight ist eine Art absurd-experimentelles Frage-Antwort-Spiel mit dem Titel „Möbiusschleife vorgestern – Sanduntergänge“, in dem eine imaginäre Person in einer Prüfungssituation Fragen wie „Woraus besteht ein Schurwollepullover?“ beantwortet. Richtige Antwort, laut Möbiusschleife vorgestern: Aus Seegras. „[…] die Grenze zwischen tierischer (Schafswolle) und pflanzlicher (Seegras) Herkunft wurde als eine bloß mit dem zeitlichen Entwicklungsstand zugehörige erkannt. Es ist in der Tat eine Frage der zeitlichen Entwicklung, ob es sich um höher- oder niedrig entwickelte Organismen handelt, also eine Frage des zeitlichen Quantums. Quantitative Kriterien sind aber qualitativen Kriterien untergeordet – deshalb ist die Frage korrekt beantwortet.“

Ob die VHS-Version des Zines, die auf der letzten Seite beworben wird, tatsächlich jemals angefordert wurde, kann an dieser Stelle leider nicht beantwortet werden. Allerdings war „das Zine auf den Aufnahmen [auch] nicht lesbar, gezeigt werden die Seiten vor der Heftung als ein Bild.“

Im Rahmen unseres aktuellen Bibliotheks- und Archivprojektes „Pop- und Subkulturarchiv International“ können wir uns endlich intensiver mit unserer etwa 3.000 Hefte umfassenden Science-Fiction Sammlung beschäftigen und finden hoffentlich noch viel mehr solcher herrlich-skurriler Hefte.

Lisa Schug

Hyper! A Journey into Art and Music

Es sind (zumindest für Berliner Clubgänger*innen) bekannte Gesichter, die die Besucher*innen gleich zu Beginn der Ausstellung Hyper! in den Hamburger Deichtorhallen begrüßen: auf großformatigen Portraits von Fotograf und Berghain-Türsteher Sven Marquardt sind seine Türsteherkolleg*innen zu sehen. Dieser Einstieg ist programmatisch, denn bei der Ausstellung spielt Clubkultur als Bezugspunkt für Kunst und Musik eine große Rolle. Das Berghain selbst verbindet schon seit Jahren unterschiedliche kulturelle Sphären miteinander – es ist nicht nur ein Technoclub, sondern Ort für experimentelle Musik, bildende Kunst, Tanztheater und vieles mehr. Auch deshalb finden sich wohl immer wieder Verbindungen zum Berghain: neben Marquardts Portraits ist ein Korkmodell des Berliner Clubs von Philip Topolavac ausgestellt, es sind Arbeiten der Fotografin Frederike von Rauch zu sehen, die in Zusammenarbeit mit dem Berghain-Resident Marcel Dettmann entstanden sind. Von Wolfgang Tillmanns, von dem auch Fotografien in den Räumen des Berliner Clubs zu sehen sind, wird eine breite Auswahl an Musiker*innenportraits gezeigt, darunter Techno-DJs genauso wie Mainstream-Popstars. Es sind viele weitere Bezüge zur Technoszene zu entdecken – von den von Scooter inspirierten Malereien von Albert Oehlen, Fotoarbeiten des Kölner Techno-Urgesteins Wolfgang Voigt (hier das erste Mal in einer Ausstellung zu sehen) bis zu einer großformatigen Fotographie von Andreas Gursky aus dem ehemaligen Frankfurter Technoclub Cocoon.

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Philip Topolovac: I’ve Never Been to Berghain, 2016 © Philip Topolovac/VG Bild-Kunst Bonn, 2019

Clubkultur und Techno sind allerdings nicht die einzigen Bezugspunkte, es findet sich eine große Breite an unterschiedlichen Stilen – u.a. Mainstream-Pop, (Post)-Punk, experimentelle Musik, Klassik und Noise. Sie repräsentieren die persönlichen Perspektiven des Kurators Max Dax, der in der Vergangenheit auch Chefredakteur der Spex und des von der Telekom herausgegebenen Electronic Beats Magazins war. Langjährige Leser*innen dieser (mittlerweile beide als Printmagazine eingestellten) Zeitschriften finden entsprechend vieles wieder, was in diesen diskurspoppigen Magazinen thematisiert wurde. Dazu gehören z. B. Arbeiten von Kim Gordon (Sonic Youth), Michaela Melián (FSK), Wolfgang Müller (Die Tödliche Doris), Christof Schlingensief (Thema ist seine Beschäftigung mit Richard Wagner) oder K Foundation (The KLF). Auch Plattencover (bzw. Material, das für Plattencover genutzt wurde) von u.a. Daniel Richter (für die Goldenen Zitronen), Emil Schult (für Kraftwerk), Thomas Ruff (für Family*5), Cosima von Bonin (für Moritz von Oswald Trio) oder Rosemarie Trockel (für Kreidler) werden gezeigt. Auch wenn sehr unterschiedliche künstlerische und musikalische Kontexte nebeneinander stehen, beliebig wirkt die Auswahl nicht. Die Ausstellung verbindet Pop, sogenannte Hochkultur, Avantgarde und subkulturellen Untergrund und macht deutlich, wie sehr diese kulturellen Bereiche miteinander verknüpft sind und sich gegenseitig bedingen – und wie produktiv es sein kann, die Grenzen zwischen solchen Kategorien auch in einer Ausstellung zu sprengen.

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Rutherford Chang: We Buy White Albums, 2013 – 2019 © Rutherford Chang

Zu den vielen Highlights der Ausstellung gehört z. B. das Werk „We Collect White Albums“, für das der Künstler Rutherford Chang mehr als 2.000 gebrauchte Exemplare des White Albums der Beatles zusammengetragen hat. Die Alben sind durch den Gebrauch durch die ehemaligen Besitzer*innen zu Einzelstücken geworden, das Kunstwerk spielt mit der Spannung der im Pop üblichen Massenproduktion von Tonträgern und dem in der Kunst zentralen Rolle des einzigartigen Originals. Beeindruckend sind mehrere Videoarbeiten – neben Cyprien Gaillards hypnotisierendem „Nightlife“  und Mark Leckeys Collage subkultureller Tanzstile „Fiorucci made me Hardcore“ insbesondere APEX von Arthur Jafa, in dem der afroamerikanische Künstler im Sekundentakt Hip-Hop-Plattencover, Bilder von Aliens oder auch schwer zu ertragene Bilder von gelynchten Schwarzen aneinander geschnitten hat. Jafa will eine alternative, afroamerikanische (Pop)Kulturgeschichte schreiben, als Soundtrack läuft der brachiale Minimal-Techno-Track „Minus“ des Detroiter Techno-Produzenten Robert Hood von 1994 – ein Track, der bis heute auch im Berghain gespielt wird und eine überraschende Verbindung zum Beginn der Ausstellung schlägt.

9783864422836_0.jpgDer bei Snoeck erschienene Katalog zur Ausstellung enthält Interviews, die Kurator Max Dax mit einem Großteil der vertretenen Künstler*innen geführt hat, und reichhaltiges Bildmaterial. Als Reader und Dokumentation der Ausstellung, die noch bis zum 4. August gezeigt wird, ist er wunderbar geeignet, tiefer in die Verbindungen zwischen Kunst und Musik einzutauchen.

Eine weitere Ausstellung, die sich an der Schnittstelle zwischen Musik und Kunst bewegt, ist im Augenblick in der Schirn Kunsthalle in Frankfurt am Main zu sehen. In „Big Orchestra“ werden Werke gezeigt, die auch als Musikinstrumente im weitesten Sinne funktionieren. Hier lohnt es sich, auf das Begleitprogramm zu schauen, da diese Werke erst dann wirklich verständlich sind, wenn sie auch genutzt werden können (was im regulären Ausstellungsbetrieb nur vereinzelt möglich ist). Deutlich weniger stark sind hier die Bezüge auf Pop und Subkultur, aber ein bisschen experimenteller Techno ist mit der Installation von Carsten Nicolai vertreten. Auf vier Plattenspieler können auf spezielle Platten gepresste Loops abgespielt und miteinander kombiniert werden. Im Berghain ist Nicolai übrigens auch schon einige Male aufgetreten.

Hyper! A Journey into Art and Music. Deichtorhallen, Hamburg. bis zum 4.8.2019

Big Orchestra. Schirn Kunsthalle, Frankfurt am Main, bis 8.9.2019

Max Dax und Dirk Luckow
Ausstellungskatalog Hyper! 
Snoeck 2019
288 Seiten
49,80€
In Deutsch und Englisch erhältlich.

Daniel Schneider

Queere Fundstücke im Queer History Month

Zum Abschluss des Queer History Month, der in diesem Jahr unter Trägerschaft des Archiv der Jugendkulturen von Giuseppina Lettieri, Saskia Vinueza und Vicky Kindl koordiniert wurde, stellen wir euch einige spannende queere Fundstücke aus Archiv und Bibliothek vor.

Den Anfang macht das Fanzine „Alterna TV“ (TV steht dabei für „Transvestite“). Es erschien 1998 und richtete sich in erster Linie an „transvestites, cross dressers, transsexuals“, aber auch an alle anderen interessierten Menschen. Autorin Anna Key gibt in dem Heft, das wie ein klassisches Punk-Fanzine aus Schnipseln, Zeichnungen und Fotos zusammengeklebt ist, praktische Tipps zur Selbstverteidigung oder zeigt, wie Kleidung und Kosmetika günstig beschafft werden können. Mit viel Wut im Bauch kritisiert sie (trans-)sexistische Strukturen und das kapitalistische Wirtschaftssystem. Sehr lesenswert!

Das nächste Fundstück ist sogar preisgekrönt: 1995 gewann Heikes Läspen Comics den Preis des Interessenverband Comic e.V. ICOM. Darin illustriert Heike Anacker, Gründerin des dienstältesten deutschen Comic-Fanzines PLOP – Fanzine, (ihren) lesbischen Alltag ab den späten 1980er Jahren. „Die sporadisch erscheinenden Heftchen sind mal so was wie ein Gruß an alte Bekannte, mal ein erweitertes (verschlüsseltes) Tagebuch, oder der Auftakt zum Austausch über ein Thema, das mich gerade beschäftigt“, sagte sie dem Grrrl Zine Network in einem Interview. Die Comics sind handcoloriert und in einer Auflage von nur 30-100 Stück erschienen.

Ein weiteres Highlight: das US-amerikanische Fanzine „Shotgun Seamstress“ von Osa Atoe. „Shotgun Seamstress is a zine by & for Black PUNKS, QUEERS, MISFITS, FEMINISTS, WEIRDOS and the people who support us. This zine is meant to support Black People who exist within predominantly white subcultures, and to encourage the creation of our own,“ schreibt Atoe in Ausgabe Nummer 2. Die ersten sechs Ausgaben des Zines sind komplett vergriffen, aber 2012 auch als Buch erschienen. Das Buch zeichnet dabei sehr schön die thematische (Weiter-) Entwicklung des Zines nach, von einem Black Empowerment und Visibilty- Anspruch in Bezug auf Bands und Musik in der Punkszene hin zu einem vielschichtigeren Umgang mit Repräsentationsformen in der Gesellschaft, Ausschlußpraxen in der Punkszene und komplexen eigenen Fragestellungen zu Identitätspolitik*en. Mehr als empfehlenswert!

Zum Schluss noch ein Heft, das vor einigen Jahren schon einmal in diesem Blog besprochen wurde, aber nichts an Relevanz eingebüßt hat: „Ring of Fire“ #2 , 1997 in den USA von Hellery Homosex geschrieben und gezeichnet. „This zine promotes queer sex, genderfuck and the advancement of amputees everywhere“ kündigt Hellery gleich auf der ersten Seite an. Ein Jahr vor dem entstehen dieses Zines mussten ihr nach einem Trainhopping-Unfall beide Unterschenkel amputiert werden. Und so geht es in dem Heft um Trauma und darum, wieder laufen zu lernen, aber auch um Dating, Sex und darum eine „slutty dyke femme“ zu sein.

Das war nur ein kleiner Einblick in unsere Sammlung – bei uns vor Ort gibt es noch viel mehr spannendes zu entdecken!

Leben mit der Wahlfamilie-Queere Filme auf der Berlinale Pt.II

„So Pretty“ von Jessie Jeffrey Dunn Rovinelli

USA/Frankreich (2019)

Der Film „So Pretty“ macht seinem Namen alle Ehre. Er ist so schön queer und vielfältig, ohne dabei aufgesetzt zu wirken.

Filmstill aus: So Pretty, Land: USA/FRA 2019 Regie: Jessie Jeffrey Dunn Rovinelli 
Bildbeschreibung: Thomas Love, Edem Dela-Seshie, Sektion: Forum 
© 100 Year Films

Queere Nabelschau

Wie so oft bei Berlinale-Filmen besticht auch dieser Film dadurch, das bewusst auf ein Narrativ verzichtet wird. Wenn überhaupt hat der Film essayistische und dokumentarische Züge. Es ist eher ein kurzweiliges Porträt einer queeren Wohngemeinschaft in New York. Wobei das Ganze auch irgendwo in London oder Berlin spielen könnte. Ein Gefühl von Zuhause sein macht sich breit, jedenfalls für queere Menschen, die gerne in diese Wohlfühlblase der selbstgewählten queeren Wahlfamilie, die hier die Hauptrolle spielt, eintauchen möchten.

Frühstücken, lesen, Sex haben

Ein Ausgangspunkt bzw. der grobe Entstehungskontext von „So Pretty“ hängt mit einer Novelle von Roland M. Schernikau zusammen. Dabei ist der Film aber bewusst keine Adaption. Die Textfragmente aus „Als der Prinz mit dem Kutscher tanzte, waren sie so schön, daß der ganze Hof in Ohnmacht fiel“ bieten den Protagonist*innen in „So Pretty“ eher immer wieder Anhaltspunkte über Liebe und Beziehungen sowie über Kapitalismus und Kommunismus zu sprechen. Das wird eingewoben in ganz alltägliche Handlungen. Es wird philosophiert im Bett, am Küchentisch oder auf dem Weg zur nächsten Party. Generell sehen wir dieser New Yorker Queer-WG beim frühstücken, beim zähneputzen, beim duschen und beim Sex zu. Relativ oft beim Sex sogar, zu zweit oder zu dritt, kinky oder sanft.

Filmstill aus: So Pretty , Land: USA/FRA 2019 ,Regie: Jessie Jeffrey Dunn Rovinelli 
Bildbeschreibung: Phoebe DeGroot, Thomas Love, Jessie Jeffrey Dunn Rovinelli 
Sektion: Forum, © 100 Year Films

Zweisamkeit: ein positives oder negatives Konzept?

Besonders schön ist der liebevolle und bedachten Umgang, die Verbundenheit und Zärtlichkeit innerhalb der Gruppe, die eigentlich alles miteinander teilen. Das sich dabei die Beziehungskonstellationen immer wieder ändern, macht auch im übertragenen Sinne das Ringen mit dem Wort Zweisamkeit deutlich. Übersetzt man Zweisamkeit mit coupledom oder eher mit togetherness ins Englische fragen sie sich. Ist Zweisamkeit als Konzept bei Schernikau etwas Positives oder Negatives? Fragen ohne Antworten. Nichts ist konstant in diesem Film. Alle sind auf der Suche. Nach Identität, Nähe, Liebe und Verständnis. Dadurch verändern sich immer wieder Lebens-und Wohnzusammenhänge, Liebesbeziehungen und Geschlechteridentitäten. Die einzige beständige Komponente des Films ist die Freundschaft untereinander, egal wer mit wem gerade ins Bett geht. Einfach eine queere Wahlfamilie. Real dargestellt. Nichts wird als besser oder perfekter inszeniert, aber eben etwas schöner.

Fazit

Als queere Person tut es einfach gut einen Film zu sehen, der in Fragen der Repräsentation und Sichtbarkeit queerer Vielfalt viel richtig macht. Ein wenig zu selbstreferentiell ist der Film vielleicht geworden und wirkliche Fragen, die sich in queeren Communities gestellt werden, werden hier nicht mal ansatzweise thematisiert. Es gibt nur eine Szene, die Polizeigewalt gegen Schwarze und of Colour Queers behandelt, ohne dass darüber danach gesprochen wird. Es ist eher ein Film der das Private zum politischen macht und darin liegt auch die Schönheit dieses utopischen Werks, in dem ein Mikrokosmos abgebildet wird, in dem Geschlechtsdefinitionen, Beziehungsnormen und gesellschaftliche Konventionen keine Rolle spielen. „So Pretty“ bestätigt vor allem queere und marginalisierte Menschen. Der Film betont, dass sie in jeder Faser ihrer Individualität wichtig und schön sind, dass ihre Art zu Leben und zu Fühlen, eine politische Liebe ist, die in Zeiten konservativer Backlashs, eine starke Intervention gegen den Mainstream darstellt.

Saskia Vinueza und Giuseppina Lettieri

Projekt „Diversity Box“

Queere Filme auf der Berlinale 2019 Pt.I

The Garden von Derek Jarman, 1990

Die Sektion Forum Expanded auf der Berlinale zeigt oft Filmklassiker, die mit den gängigen Sehgewohnheiten brechen und durch Experimentierfreude und ungewohnte ästhetische Handschrift bestechen. Mit Derek Jarmans “The Garden” findet nun ein Film- in restaurierter Fassung- seinen Weg zurück auf die Berlinale, der dort 1991 zum ersten Mal aufgeführt wurde. Und damit sich der Kreis schließt, findet die Filmvorführung in diesem Jahr an dem gleichen Ort, wie vor 28 Jahren statt: Im schönen Delphi Filmpalast.

Homosexualität und Christentum

Diesen Film zu rezensieren erscheint als eine fast unlösbare Aufgabe, jedenfalls für mich. Wenn es überhaupt einen erkennbaren roten Faden in diesem Werk Jarmans gibt, dann entspinnt sich dieser um die Themen Homosexualität und Christentum. Darum ranken sich die meisten oppulent, oft schwer verdaulich in Szene gesetzten Bilder. Es gibt ein schwules Liebespaar, das in Zweisamkeit Zuneigung austauscht und Liebe erfährt. Erst als sie auf weitere Menschen treffen, wie z.B. in der Herrensauna, scheint das Glück erste Risse zu bekommen und eine diffuse Gefahr für diese Liebe wird angedeutet. Als sie schließlich- ohne genauere Kontextualisierung- von der Polizei verhaftet und gefoltert werden, nimmt das Unglück seinen Lauf. Hier kommt auch Jarmans (von mir unterstellte) eher anstrengende künstlerische Faszination mit dem Christentum, genauer mit der Passion Christi, zum Tragen (Vergleiche zu Pier Paolo Pasolinis filmischen Schaffen drängen sich zwangsläufig auf). Denn das schwule Liebespaar muss nach der Folter- einer für meinen Geschmack viel zu langen Sequenz aus Peitschenhieben- gemeinsam ein Kreuz tragen und sie sterben (anscheinend) durch Kreuzigung (immerhin etwas, was Jarman unserer Imagination überlässt und uns in Bildern erspart).

Fragmentiert, verstörend und wortkarg

Doch kann in diesem Film grundsätzlich kaum von einem Hauptplot gesprochen werden. Der Film ist sehr zerfasert, viele Bilder und Sequenzen erscheinen fast schon willkürlich aneinandergereiht oder wiederholen sich, sei es Tilda Swinton in der Rolle der Madonna mit Kind, die von Paparazzis erst fotografiert und dann gejagt wird oder das sehr oft bemühte Bild einer großen Tafel am Strand, die an das letzte Abendmahl erinnert. Auch Jarman selbst ist immer mal wieder Protagonist, dieses fast komplett ohne Worte auskommenden Films. Er macht zu Beginn und am Ende Voice-Overs, die den Film rahmen und in einigen der Filmsequenzen sieht man Jarman in seinem eigenen Garten sitzen: Der filmgebende Titel.

Fazit

Selten bin ich so verstört in die Berlinale gestartet, wie in diesem Jahr. Das Jarmans Film sicherlich kein Feuerwerk der guten Laune wird, war mir zwar klar, dennoch hinterlassen die vielen für mich triggerwarnungswürdigen Filmszenen in der Fülle sowie der ausgespielten Länge, ein mehr als ungutes Gefühl beim Verlassen des Kinosaals. An einigen Stellen wirkt der Film wie ein nie enden wollender, qualvoller Fiebertraum. Dass Jarman mit diesem Film seine HIV-Erkrankung künstlerisch verarbeiten wollte, die zu Beginn der 1990er tragischerweise noch viel zu oft einem Todesurteil gleichkam, verleiht diesem Werk zwar mehr Tiefe und lässt seine Verzweiflung über sein Schicksal verstehen (er verstarb 1994), dennoch macht es den Film kaum leichter zu ertragen- weder visuell noch emotional. Vielleicht wäre das Geld, das für die Restauration des Films ausgegeben wurde, doch besser in den Händen von queeren Nachwuchsregisseur*innen aufgehoben gewesen.

Giuseppina Lettieri

Projektleitung Diversity Box

Heavy Metal in der DDR

Wolf-Georg Zaddach
Heavy Metal in der DDR. Szene, Akteure, Praktiken.
transcript, 2018
S. 369
39,99€

Heavy Metal in der DDR, dass sich dahinter mehr verbirgt, als die Bands Formel 1, Macbeth und Merlin beweist Musikwissenschaftler Wolf-Georg Zaddach in seiner Promotionsarbeit, die der transcript Verlag Ende 2018 für ein breiteres Publikum veröffentlicht hat. Die*der geneigte Leser*in muss sich, wie für eine Promotion nun mal üblich, zunächst durch einige Seiten theoretischer Einordnung kämpfen, ehe Zaddach zu einer anspruchsvoll und dennoch unterhaltsam geschriebenen Abhandlung über die Heavy Metal Szene der DDR kommt.

In drei groben Kapiteln arbeitet er sich von allgemeineren Betrachtungen über Jugendkulturen in der DDR (I), zu einer Betrachtung der DDR-Metal-Szene vor (II), deren Praktiken er dann in Kapitel III näher untersucht. Dabei betrachtet er Geschlechter- und Bildungsverhältnisse ebenso, wie die deutsch-englische Sprachbarriere, DDR-Fanzines, Tauschnetzwerke, Konzerterlaubnisse oder die Beschaffung von Musikinstrumenten vor der Wende. Wie ein muffiger Dunst scheint über alle den behandelten Fan- und Band-Praktiken eine ständige Bewertung und Beobachtung durch das Ministerium für Staatssicherheit zu schweben.

Zaddach arbeitet auf, wie noch zu Beginn der 80er Jahren Bands, wie die Erfurter Band Macbeth, nicht nur ein Auftrittsverbot bekamen, die Band wurde von offizieller Stelle „liquidiert“ und mit einem fünfstelligen Bußgeld belegt. Ein Mitglied der Hallenser Band Panther wurde sogar inhaftiert. Doch, so schreibt Zaddach: „Mit 1987 änderte sich einiges. Die Konsequenzen des Zionskirchen-Skandals betrafen auch die Metal-Szene in Form der ‚kulturellen Umarmung‘ als neue Strategie der SED im Umgang mit ursprünglich westlichen Jugendkulturen. Es scheint kein Zufall zu sein, dass die Szene in den letzten beiden Jahren vor dem Mauerfall bis dahin nicht geahnte Möglichkeiten und Freiräume erlebte.“ Ende der 80er Jahre hatte auch der Staatsapparat verstanden, dass Heavy Metal unwiderruflich im Mainstream angekommen war.

Gespickt mit einer Vielzahl von Interviewauszügen, Zitaten aus akribisch aufgearbeiteten Stasi-Akten und Illustrationen, erzählt Zaddach die Geschichte der ostdeutschen „Heavies“ von den späten Siebzigern bis zur Wende. Er lässt Fans, Musiker*innen und Journalist*innen gleichermaßen zu Wort kommen, gibt dem Ganzen aber einen fundierten wissenschaftlich-theoretischen Rahmen. Heavy Metal in der DDR ist sicher keine leichte Feierabendlektüre, aber für alle, die Nachholbedarf in Sachen ostdeutscher Metalgeschichte haben, mehr als lesenswert.

Lisa Schug

Die Clubmaschine (Berghain)

Kilian Jörg & Jorinde Schulz
Die Clubmaschine (Berghain)
Textem Verlag, 2018
215 S.
16,00 €

Schon der Begriff der Clubmaschine, ein Neologismus von Kilian Jörg und Jorinde Schulz, macht den philosophischen Anspruch dieser Lektüre klar. In Anlehnung an Deleuze und Guattaris Begriff der Kriegsmaschine, einem Freiraum für subversive Kräfte innerhalb eines Territoriums der Macht, wird die Clubmaschine als Freiraum und Auffangbecken subversiver Energie in der Wohlstandsgesellschaft des 21. Jahrhunderts dargestellt. „Durch das transhumane Begehren der maschinellen Entfremdung im Clubraum, verfällt die postindustrielle Gesellschaft dem Clubphänomen, weil sie den Maschinen, die sie verlassen haben, nacheifern wollen,“ so die These von Jörg und Schulz.

Anhand einer Betrachtung des legendären Berliner Clubs Berghain, den sie als Kondensat von Subkultur, masturbatorischem Ereignis und Geldmaschine verstehen, gehen Jörg und Schulz ihrer Behauptung auf den Grund. Das Buch ist ein Hybrid aus Erzählung und philosophischer Analyse. Dabei wechselt die Sprache zwischen Deutsch und Englisch, zwischen Kommentaren aus Facebook-Chats im Jugendslang und sich wiederholenden großgeschriebenen sakralen Phrasen. Durch Erfahrungsberichten aus der Ich-Perspektive wird das Club-Erlebnis inszeniert. Es folgen philosophisch-auktoriale Analysen in eloquenter Sprache. Schulz und Jörg wollen makropolitische Spannungen, Tendenzen und Widersprüche unserer Gesellschaft ermitteln und das post-industrielle Lebensgefühl ergründen.

Daran arbeiten sie sich in acht Kapiteln ab: Methode, Tür, Romantik, Hype, Maschine-Werden, Sozialplastik, Paranoia und Clubmaschine. Von der Vorstellung der Methodik bis hin zum Nachtrag aus erzählender Perspektive und dem Verlassen des Berghains nach der Party, alles folgt einer klaren Dramaturgie. Stilistisch und sprachlich lässt sich aber kein klarer Leitfaden feststellen. Diese Extravaganz ist durchaus spannend, kann die Leser*innen aber auch verwirren.

Die Clubmaschine (Berghain) ist sicherlich kein schwärmerisches Disco-Buch oder der nächste Guide, wie man am besten ins Berghain reinkommt, sondern die gesamtgesellschaftliche Betrachtung eines Phänomens mit philosophisch-tiefgründiger Analyse des post-industriellen Lebensgefühls aus historischer und aktueller Perspektive. Kilian Jörg und Jorinde Schulz schaffen es nicht nur eine Vielfalt von Sichtweisen auf das Berghain aufzuzeigen, sondern auch diese kritisch im soziologischen und philosophischen Diskurs einzuordnen.

Felix Linke

Design und Punk

Russ Bestleys & Alex Oggs
Design und Punk – Posters + Flyers + Fanzines + Album-Covers
[The Art of Punk]
Hannibal, 2012
224 S.
15,00 €

Dieser Beitrag ist im Rahmen des Lektüreseminars „40 Jahre Punk“ an der Universität Oldenburg unter der Leitung von Prof. Dr. Susanne Binas-Preisendörfer enstanden.

Trotz zahlreicher großformatiger Abbildungen, erläuternder Texte und Zeitzeugenberichte kann man sich des Eindruckes nicht erwehren, am Ende genauso schlau zu sein wie vorher: Wer in „Design und Punk“ von Russ Bestley und Alex Ogg eine analytische Auseinandersetzung mit der Punkkunst erwartet, wird eher enttäuscht.

Die visuelle Zeichensprache des Punk speist sich, wie auch die künstlerischen Erzeugnisse anderer Subkulturen, aus einem Konglomerat von Einflüssen. In „Punk und Design“ begeben wir uns auf die Spur dieser musikalischen und künstlerischen Entwicklung. Im Buch widmen die Autoren (vorwiegend männlichen) Kunstschaffenden jeweils ein Kapitel und vollziehen anhand deren Erlebnisse und Erfahrungen die Entstehung des Punk nach. Bis zu einen gewissen Grad kann das ganz spannend und unterhaltsam sein, allerdings schleichen sich dabei auch viele Redundanzen ein. Welche Personen auf wen trafen, um dann x-beliebige so und so vielte Band zu gründen: Das hat nichts mehr mit einer Untersuchung der Design-und Grafikkunst des Punk zu tun. Bei den flüchtig hingestreuten Anekdoten blitzt hier und da ein interessanter Aspekt auf, welcher der ansonsten konventionellen chronologischen Herangehensweise der Autoren interessante Momente verleiht.

Schaut man sich die besprochenen Kunstschaffenden aber an fällt unmittelbar auf, dass Frauen und deren künstlerisches Schaffen lediglich Randnotizen bleiben. Ab und zu darf „sexy“ Blondie von einem ausgewählten Plattencover lasziv blinzeln; Patti Smith wird kurz aufgrund ihres androgynen Images erwähnt. So ein legendäres Cover wie The Slits‘ „Cut“ bleibt aber relativ unkommentiert. Das ist ziemlich unverständlich, bilden doch Provokation und Grenzüberschreitung einen Schlüsselmoment des Punk.

Kunstgeschichtliche Zusammenhänge – der Suprematismus und die französischen Situationisten finden als Einflüsse Erwähnung – tauchen in dem Band auf, werden aber nicht weiter ausgeführt. Das kann durchaus auch eine Anregung für Leser*innen sein, selbstständig weiter zu recherchieren, aber scheint im Hinblick von Bestley und Oggs Background doch schon eher ein süffisant. Schließlich können sie auf einen langen Veröffentlichungskatalog zurückblicken, indem sie sich mit der Subkultur des Punk intensiv beschäftigten. Russ Bestley, der Grafikdesign am London College of Communication unterrichtet und demnach mit der bildanalytischen Arbeit bestens vertraut sein dürfte, promovierte sogar in einer Arbeit zum Thema „Punk Rock und Grafik Design in den Faraway Towns“. Und doch bleibt die Behandlung des Themas oberflächlich.

Das soll nicht heißen, man merke den Autoren die Begeisterung für den Punk nicht an. Ihre intensive Auseinandersetzung mit den von ihnen wohl auch frenetisch gefeierten unzähligen Bands und deren jeweiliger Historie wird in jedem Text spürbar und gipfelt in einer minutiös recherchierten Chronologie der Punkgeschichte. Für sich gesehen kein zu verachtender Ansatz – wäre dieser nicht schon hunderte Male durchexerziert worden.

Im Band heißt es vielsagend: „Die Geschichte des Punk ist komplexer und vielfältiger als manch einer glauben will.“ Damit stellen sich die Autoren Russ Bestley und Alex Ogg selbst ein Bein. Denn diesem Anspruch können die Briten in ihre Umsetzung nicht gerecht werden. Die Darstellung dieser Komplexität würde eine differenzierte Auseinandersetzung mit der Historie, in diesem Falle vor allem mit der Kunst-und Mediengeschichte des Punk notwendig machen. Vielleicht sollte man aber auch Abstand davon gewinnen, den Autoren allzu schnell eine mangelnde und unzureichende Arbeit vorzuwerfen. Die Erwartungshaltungen divergieren für gewöhnlich. Der mit über 500 Abbildungen versehene Band bietet auf jeden Fall jede Menge Schau- und Unterhaltungswert für Neulinge in eben diesem Themenbereich an.

Dana Hubrich

The future is female!

Scarlett Curtis (Hrsg.)
The future is female! Was Frauen über Feminismus denken
Goldmann, 2018
416 S.
12,00€

The future is female von

“the future is female! Was Frauen über Feminismus denken” ist die Anfang Oktober 2018 erschienene deutsche Übersetzung von “Feminists don’t wear pink (and other lies). Amazing women on what the F-word means to them“. Scarlett Curtis als Herausgeberin versammelt darin über 60 Beiträge von Autor*innen, hauptsächlich aus Großbritannien und den USA, die als Erzählungen, Erfahrungsberichte, Fiktionen, Gedichte, Ratschläge, Buch- und Playlist-Empfehlungen gelesen werden können. In der deutschen Ausgabe sind Artikel von Katrin Bauerfeind, Milena Glimbovski, Karla Paul, Fränzi Kühne, Tijen Onaran und Stefanie Lohaus hinzugenommen.

Eingeleitet wird die Sammlung von einem Beitrag der Mädchenrechtsorganisation „Girl up“ sowie einem Vorwort von Scarlett Curtis, in welchem sie ihren eigenen Weg zur Feministin beschreibt. Sie benennt dabei zwei wichtige Punkte, die sich in der Buchgestaltung wiederfinden: Zum Einen die Erkenntnis, wie viele unzutreffende Vorstellungen es bezüglich des Feminismus generell und des Handelns von Feminist*innen konkret gibt. In der englischsprachigen Originalausgabe entsteht hier der Bezug zum Titel – „feminists don‘t wear pink (and other lies)“. Zum Zweiten benennt Curtis die Relevanz literarischer Zugänge, um den eigenen Vorstellungshorizont zu erweitern, und stellt die Intention des vorliegenden Sammelbandes vor als „ein Buch über Gefühle die zu Gedanken werden die zu Taten werden.” So sind die im Buch gesammelten Essays in fünf Abschnitte unterteilt, die Curtis als „die fünf Stadien des Feminismus“ auffasst – Erleuchtung, Zorn, Freude, Aktion und Bildung.

Stadium 1 „Erleuchtung“

„Erleuchtung“ sammelt Erzählungen, wie die Autor*innen zur Auseinandersetzung und Identifikation mit Feminismus kamen und was „the F-word“ für sie persönlich bedeutet. Liv Little schreibt über die Vielfältigkeit von Vulven, Paranoia in Bezug auf den eigenen Körper und die Relevanz von angemessener Sprache. Charlie Craggs beschreibt ihre Chronologie des Aufwachsens als Trans*frau. Lolly Adefope beschreibt ein alptraumhaftes Quizshowszenario, das in der Unmöglichkeit gipfelt, die eigene Identität als a) Schwarz oder b) Frau  beschreiben zu sollen – Zuschreibung durch Publikumsjoker inklusive. Helen Fieding lässt unter dem Titel „Bridget Jones – Feminismus zum Frühstück“ ihre Romanfigur in den alten Tagebüchern von 1996 blättern und rückt Erlebnisse von damals in einen aktuellen Kontext.

Stadium 2 „Zorn“

Im  Kapitel „Zorn“ beschreibt Angela Lee, wie sie als Heranwachsende beim Wort „Feministin“ immer an „weiße Frauen ohne BH“ denken musste, „die demonstrierten und Forderungen stellten, die [ihr] fremd waren.“ Milena Glimbovksi thematisiert den Gedankengang, ob wir den Feminismus noch bräuchten, weil für Frauen doch eigentlich längst alle Hindernisse überwunden wären. Sie beantwortet die Frage mit einem Zitat aus einem Gespräch, dass sie mit Sookee geführt hat und nennt es den „Satz, der alles veränderte“: „Nur weil es dich nicht betrifft, heißt es nicht, dass es nicht stattfindet.“ Diese kritischen Gedankengänge fehlen bei anderen Beiträgen manchmal, wenn die Autor*innen von anscheinend längst überholten feministischen Kämpfen schreiben, ohne zu reflektieren, dass das für sie selbst in ihrer spezifischen zeitlichen, räumlichen und sozialen Positionierung gelten mag, aber kein generalisierter Zustand ist.

Stadium 3 „Freude“

Das Kapitel „Freude“ versammelt neben einem Artikel von Scarlett Curtis zu passenden  Erwiderungen auf Fragen wie, was denn Feminismus überhaupt sei und wozu man ihn heute noch bräuchte, eine Playlistempfehlung von Akilah Hughes sowie ein Interview von Jodie Whittaker mit ihrer Mutter. Im  Einschub „Poesie“ finden sich Gedichte und kurze Geschichten.

Stadium 4 „Aktion“

Im Kapitel „Aktion“ betont Alicia Garza mit Bezug auf die Feminismus-Definition von Marie Shear aus 1986 – „feminism is the radical notion that women are people“ –  dass es nicht reicht, „daran zu glauben, dass Frauen Menschen sind, wenn unser Handeln […] auf etwas anderes hindeutet“, und spricht damit gewaltvolle, ungerechte Verhältnisse an, wie sie aktuell in den USA existieren. Gemma Arterton entwirft ein alternatives Szenario für ihre Rolle der Strawberry Fields, die, anders als im Film von 2008, James Bond mit Hinweis auf sein chauvinistisches Verhalten einen Korb gibt. Beanie Feldstein betont die  Bereicherung, sich Geschichten anderer Frauen anzuhören, „um die beste Feministin zu sein, die ich sein kann“. Nimco Ali als FGM-Betroffene schreibt über die Auseinandersetzung darüber, ihre Mutter heute als feministisches Vorbild anerkennen zu können. Amika George macht sich in ihrem Beitrag daran, das Thema der Menstruation zu enttabuisieren, und Dolly Alderton leitet mit einer  treffend verfassten To-Do-Liste zur Demontage und Zerstörung verinnerlichter Misogynie an.

Stadium 5 „Bildung“

Im Kapitel  „Bildung“ macht Herstory UK-Gründerin Alice Wroe auf die Notwendigkeit der Sichtbarmachung marginalisierter Positionen in der Geschichtsschreibung und -vermittlung aufmerksam und stellt fünf historische, selbstorganisierte Zusammenhänge vor, in denen Frauen gekämpft und Gesellschaft verändert haben. Claire Horn gibt in ihrem Beitrag eine Übersicht zur Geschichte des Feminismus in Großbritannien, und Emma Watson versammelt in ihrem Beitrag feministische Buchempfehlungen des von ihr initiierten online-Buchclubs „our shared self“. Zum Abschluss verweist Curtis auf die Intention des Buches, den*die Leser*in zum feministischen Denken und Handeln ermutigt haben zu wollen, und verweist auf die abschließenden leeren Seiten mit Platz für eigene Geschichten.

Fazit

Insgesamt fällt auf, dass das Bild von „dem“ Feminismus, wie es viele Autor*innen zeichnen, ein zunächst negativ konnotiertes ist bzw. war, bis sie durch eigene Zugänge für sich entdeckten, dass das negative Bild wenig mit dem zu tun hat, wie Feminismen heute tatsächlich gelebt werden. Das wird auch in der Vielfalt und Unterschiedlichkeit der Beiträge sehr deutlich – von berührend, empowernd, sensibilisierend und wütend bis hin zu humorvoll und praktisch.

Im Großen und Ganzen liest sich “the future is female!” unter der formulierten Intention, durch das Erzählen von verschiedenen Perspektiven und einer positiven Besetzung des Begriffes, gerade für junge Frauen* Zugänge zum Feminismus schaffen zu wollen, sehr stimmig. Ausgesprochen problematisch ist jedoch die Form der deutschen Übersetzung. Der Begriff “Woman of Color” wird mehrfach als “farbige Frau” übersetzt, und die Verwendung des kolonialgeschichtlich-rassistisch geprägten Begriffs verunmöglicht es, das Buch uneingeschränkt weiterzuempfehlen.

Jana Sämann 

(Praktikantin von August bis Oktober 2018 beim Bildungsprojekt „Diversity Box“ zu sexueller und geschlechtlicher Vielfalt, http://www.diversitybox.jugendkulturen.de)

Einladung zum Fachtag „Jugendkulturen und Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ – Schwerpunkt Antisemitismus

  1. Dezember 2018, 12.00 Uhr bis 18.00 Uhr

Archiv der Jugendkulturen e. V., Fidicinstraße 3, Haus B, 10965 Berlin, U-Bhf. Platz der Luftbrücke (U6)

Sehr geehrte Damen und Herren, liebe Kolleg*innen, liebe Interessierte,

wir laden Sie herzlich zu unserem kostenfreien Fachtag „Jugendkulturen und Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“  mit dem diesjährigen Schwerpunkt Antisemitismus ins Archiv der Jugendkulturen e. V. ein. Auf dem Fachtag werden wir nach einem Vortrag einer externen Expert*in und einem Panel mit Szenegänger*innen aus HipHop, Techno, Ultras und Popkultur zu Antisemitismus und Jugendkulturen unsere diesjährige Arbeit im Bundesprogramm „Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“ resümieren, konkrete Ergebnisse vorstellen und diskutieren. Wir freuen uns über Ihre Teilnahme und bitten bis Montag,

  1. Dezember 2018 um schriftliche Anmeldung unter presse@jugendkulturen.de.

Programm

12.00 Uhr           Begrüßung, Gabriele Rohmann, Leiterin Archiv der Jugendkulturen e. V.

12.15 Uhr           Vortrag und Diskussion „Mach doch keine Judenaktion!“

Aktuelle Befunde aus der Forschung zu Antisemitismuserfahrungen von Jugendlichen im Alltag und in der Schule“

Referent*in:  Prof. Dr. Julia Bernstein, Professorin für soziale Ungleichheiten und

Diskriminierungserfahrungen, Frankfurt University of Applied Sciences

Wie kommt es, dass 73 Jahre nach dem Holocaust das Schimpfwort „Du Jude“ das am meisten verbreitete Schimpfwort auf dem deutschen Schulhof geworden ist? Wie verbreitet und relevant ist das Problem und aus welchen Komponenten besteht es? Wie wird Rassismus gegen Antisemitismus ausgespielt? Welche Stereotype sind importiert und welche hausgemacht? Was ist der Unterschied zwischen legitimer Kritik an Israel und Antisemitismus? Welche Handlungsmöglichkeiten gibt es in Schule und Alltag?

Prof. Dr. Julia Bernstein ist Professorin für soziale Ungleichheiten und Diskriminierungserfahrungen im Fach Soziale Arbeit an der Frankfurt University of Applied Sciences. Ihre Forschungsschwerpunkte sind: Antisemitismus, Fremdfeindlichkeiten und Rassismen in Institutionen, visuellen Medien und im Alltag, Migrationsprozesse durch Transnationalisierungsperspektiven, Interkulturalitätsfragen, Migrationsprozesse russischsprachiger Juden in Israel und Deutschland, Jüdische Identität im gesellschaftlichen Wandel, Stereotypisierungs- und Ethnisierungsprozesse. In ihrer Arbeit kombiniert sie qualitative Forschungsmethoden (Ethnographie und Biographieforschung) mit alternativen Kunstmedien. Publikationen u.a. 2016-2017: Ein Studienbericht im Auftrag des zweiten Unabhängigen Expertenkreises des Deutschen Bundestages zu Antisemitismus: „Jüdische Perspektiven auf. Antisemitismus in Deutschland.“ Andreas Zick, Andreas Hövermann, Silke Jensen, Julia Bernstein,

Natalie Perl:        https://uni-bielefeld.de/ikg/daten/JuPe_Bericht_April2017.pdf

14.00 Uhr            Mittagspause mit Imbiss und Möglichkeit für Networking und Besichtigung der Archiv-der-Jugendkulturen-Ausstellungen „Der z/weite Blick“ über Jugendkulturen und Diskriminierungen und „New Faces – Mit Kultur und Medien gegen  Antisemitismus“

15.00 Uhr            Panel „Antisemitismus in Jugend- und Popkulturen“

Teilnehmer*innen:  Prof. Dr. Julia Bernstein, DJ Freshfluke (HipHop, Berlin), Christian Werthschulte

(Politikredakteur der Kölner Stadtrevue, berichtet über Pop und Politik für taz, Jungle World, WDR, Deutschlandfunk Kultur und die Buchreihe „testcard“), Paula Scholz (Fußball / Ultras, Mitbegründerin des Netzwerks Erinnerungsarbeit, Hamburg), resom (resident dj, ://about blank, berlin)

16.30 Uhr            Pause

16.45 Uhr           Vortrag „Diskriminierungen in Jugendkulturen: Erkenntnisse aus Interviews mit Szene-Gänger*innen“

Referent: Carsten Janke, Kulturwissenschaftler M.A. und Journalist, Berlin

17.30 Uhr          Präsentation des neuen Intervention-Sets zu Antisemitismus des Archivs der Jugendkulturen

Referent*innen: Team des Archivs der Jugendkulturen

18.00 Uhr             Ausklang mit Ausstellungen und Snacks

A Typical Girl

Viv Albertine
A Typical Girl
[Clothes, clothes, clothes. Music, music, music. Boys, boys, boys: a memoir]
Suhrkamp, 2016
478 S.
18,00€

Dieser Beitrag ist im Rahmen des Lektüreseminars „40 Jahre Punk“ an der Universität Oldenburg unter der Leitung von Prof. Dr. Susanne Binas-Preisendörfer enstanden.

Bild_Albertine„Wer seine Autobiografie schreibt, ist entweder bescheuert oder pleite. Bei mir ist es ein bisschen was von beidem“, schreibt Viv Albertine. Welch ein Glück, denn so erleben wir in ihren Memoiren „A Typical Girl“ mit, wie sie Gitarristin bei den Slits wird, in der Punk-Szene abhängt, welche Mode-Leidenschaften sie hat und in welche Beziehungsgeflechte sie gerät.

A Typical Girl dokumentiert das Lebensgefühl der frühen Punk-Bewegung. Ehrlich, authentisch, fesselnd, lustig und ernst – die Biografie ist nicht nur ein Bekenntnis einer Musikerin in einer bewegten Zeit. Sie ist auch ein Bericht versuchter Rebellion und neuer Lebensentwürfe. Schon der Name der Band The Slits war eine Provokation. „Die Schlitze“, waren in zweifacher Hinsicht Avantgardistinnen des Punk: als Musikerinnen und vor allem als Frauen.  Den Status als eine der einflussreichsten britischen Punkbands mussten sie sich aber hart erkämpfen. So durften sie auf der Tour mit The Clash zum Beispiel in keinem der Hotels übernachten. Sie reagierten auf diese Diskriminierung umso hemmungsloser. „Wir werden behandelt wie Außenseiter, also benehmen wir uns auch so“, beschreibt es die Slits-Gitarristin.

Wer sich für Punk interessiert, kann in der Autobiografie von Albertine, sicherlich noch Neues erfahren. Besonders ihre Wegbegleiter spielen eine wichtige Rolle. Ob die sprunghafte Beziehung zu Mick Jones von The Clash oder die Bekanntschaft mit Sid Vicious, Bassist der Sex Pistols. Doch auch Randfiguren gibt Albertine eine Bühne. Besonders, wenn es sich dabei um Frauen handelt. Sie nimmt fast jede Frau zur Kenntnis, die für sie in irgendeiner Art und Weise interessant erscheint.Die Geschichte von Viv Albertine ist nicht nur eine über Musik. Es ist eine Geschichte über Solidarität und Liebe zwischen Frauen, die sich gegenseitig stärken und inspirieren.

Mit dem Musikerleben und dem Rampenlicht ist es auf der B-Seite, dem zweiten Teil des Buches, aber bald vorbei. Sie hat nicht so viel Wirbel und Wumms wie die A-Seite, sondern schlägt ruhigere Töne an. Die Slits trennen sich im Jahr 1981. Der Verlust der Band trifft Viv Albertine schwer. Sie verschwindet nicht nur von der Bildfläche, sondern entfernt sich von sich selbst. Sie schreibt über eine Frau, die einen Mann heiratet, weil er technisch begabt ist und Geld verdient. Ihre Leidenschaft, die Musik, stellt sie zurück, damit die Ehe funktioniert. Die Frau, die Viv Albertine in der zweiten Hälfte ihrer Biografie beschreibt, ähnelt nicht mehr der kompromisslosen und leidenschaftlichen Musikerin der A-Seite. Es folgen etliche Tiefschläge: Fehlgeburten, Gebärmutterhalskrebs und zuletzt das Scheitern ihrer Ehe. Dennoch arbeitet Albertine mutig ihre Ängste auf und zeigt den langen, oft schmerzhaften Prozess zwischen Selbstverwirklichung und Selbstaufgabe. Es dauert viele Jahre, bis sie wieder auf die Bühne steht. Dennoch schafft sie es, sich selbst und ihrem Umfeld zu beweisen, welche Stärke in ihr steckt. Sie tritt mit den New Slits auf, nimmt sogar ein Solo-Album auf.

A Typical Girl ist ein schonungsloses, ehrliches und außerordentlich sympathisches Buch. Man kann lesend miterleben, wie aus einem unsicheren Mädchen eine reife Frau wird. Besonders außergewöhnlich ist auch die Aufteilung. In 95 kurzen, mal mehr und mal weniger ausführlichen Kapiteln, schreibt Viv Albertine assoziativ, persönlich und schreckt auch vor derber Sprache nicht zurück. Dabei wird sie nie ausfallend oder taktlos, sondern schafft es, ihre Geschichten ausdrucksstark zu erzählen. Die authentischen Geschichten und die erzählerische Kraft verleiht den Memoiren die besondere Stärke.

Laura Ranko

Punk Is Dead

Richard Cabut, Andrew Gallix (Hg.)
Punk Is Dead – Modernity Killed Every Night
Zero Books, 2017
337 S.
19,99 €

Dieser Beitrag ist im Rahmen des Lektüreseminars „40 Jahre Punk“ an der Universität Oldenburg unter der Leitung von Prof. Dr. Susanne Binas-Preisendörfer enstanden.

Das Cover des Buchs "Punk is Dead"40 Jahre Punk! Anlässlich dieses Jubiläums im im letzten Jahr, sind wieder diverse Bücher erschienen. Dazu gehört auch die Anthologie „Punk is Dead – Modernity Killed Every Night“. Im Sammelband kommen Autor*innen zu Wort, die, wie die beiden Herausgeber, Richard Cabut und Andrew Gallix, selbst Teil der britischen Punk-Szene waren, noch bevor diese überhaupt „Punk“ genannt wurde. Sie vertreten die Position, dass Punk mit seiner Benennung gestorben sei. Es geht also weniger um die These, dass Punk heute tot ist, sondern eher darum, dass er einhergehend mit der begrifflichen Fixierung aufgehört habe zu existieren. Das Buch unternimmt den Versuch, Punk als Kaleidoskop verschiedener Perspektiven abzubilden, sich ihm also in seiner Multidimensionalität zu nähern.

Das Besondere an diesen Essays, Interviews und historischen Dokumenten ist, dass sie meist subjektive, persönliche und einander widersprechende Eindrücke des britischen Punk der 1970er Jahre schildern. Punk lässt sich, das legt der Sammelband nahe, nur in seinem vielfältigen Wirken und nicht durch eine einheitliche Charakterisierung greifen. Damit lässt sich erklären, warum beispielsweise Simon Reynolds 1986 von der Allgegenwärtigkeit des Punk in der Popmusik schreibt, Andy Blade hingegen bereits 1977 das Ende des Punks postuliert. Es kommen nicht nur Autor*innen zu Wort, die sich auf Malcom McLaren – Manager der Sex Pistols und Besitzer des Ladens SEX – und seinen Einfluss auf Mode, Musik und Punk als Kunst konzentrieren, sondern auch solche, für die dieser keinerlei Bedeutung hat. Für letztere, darunter Penny Rimbaud, ist Punk beispielsweise von Bedeutung, weil er totale Anarchie meint.

Es ist augenscheinlich, dass es in diesem Buch weniger um die Musik als vielmehr um die britische Szene der Punks in ihrer Gesamtheit geht. Dabei spielt Musik in den meisten Fällen eine Nebenrolle, ist eher ein Teil eines Ganzen, wie es zum Beispiel Rimbaud, ehemaliger Schlagzeuger der Band „Crass“, beschreibt:
Punk isn’t about music, it’s a way of life, a way of thought. Punk isn’t a fashion, it’s a way of being, it‘s anarchy in the UK, USA, wherever, and that isn’t tuned guitars and pretty lyrics (S. 178).
Weitere dargestellte, zentrale Bestandteile der Szene sind Mode, Medien, Kunst sowie der Raum (das Roxy, SEX, besetzte Häuser). Mal wird sich auf den Situationismus (Situationist International) und King Mob als Grundlage für die Ideen des ehemaligen Kunst-Studenten Malcom McLaren konzentriert, mal auf die politische Rebellion oder den Ruf nach Anarchie als Grundlage jugendlichen Handelns.

Die Anthologie ist nicht als eine weitere, neue Geschichtsschreibung zu lesen. Eher handelt es sich hier um eine, im wahrsten Sinne des Wortes, „eindrucksvolle“ Ergänzung der bisherigen Literatur über Punk. Zu den Autor*innen zählen neben den erwähnten Penny Rimbaud und Simon Reynolds, der 2005 ein Buch zum Post-Punk veröffentlichte, unter anderem auch der ehemalige Fanzine-Autor Jon Savage, der Autor des ersten Sex-Pistols-Interviews Jonh Ingham, der Journalist und Autor Barney Hoskyns und Paul Gorman, der 2019 eine Biographie über Malcom McLaren veröffentlichen wird. Unter den insgesamt 21 Autorinnen und Autoren befinden sich auch zwei Frauen: Judy Nylon, die 1970 aus Amerika nach London kam und dort unter anderem die Band „Snatch“ gründete, und Dorothy Max Prior, ehemalige Go-Go-Tänzerin, mittlerweile Performance-Künstlerin. Die Tatsache, dass lediglich zwei weibliche Ex-Punks zu Wort kommen, führt unweigerlich zu der Frage, ob Punk eine männlich dominierte Szene war, oder bisher meist aus männlicher Perspektive erzählt wurde.

Schließlich ist festzustellen, dass sich dieses Buch nur bedingt als Einstieg in die Beschäftigung mit dem weiten Feld Punk eignet, da sehr viel Hintergrundwissen über die britische Punk-Szene vorausgesetzt wird. So wird von Personen und Treffpunkten berichtet, die allerdings nicht weiter erläutert werden. Auch sind die Texte weniger wissenschaftlich als eher subjektiv und essayistisch gestaltet. Die dabei oftmals Verwendung findende Umgangssprache kann bei Nicht-Muttersprachlern durchaus zu Verwirrungen führen. Jedoch birgt dieser Sammelband auch die Chance, Themenfelder zu entdecken, die bisher noch nicht erschöpfend erforscht sind.

Veronika Volbers

„Alle mitgedacht?“ Vielfalt in der Bildungsarbeit thematisieren

Diversity Box- Vernetzungstreffen in Dessau

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Unser Projekt zu sexueller und geschlechtlicher Vielfalt „Diversity Box“ lädt ein zum Vernetzungstreffen nach Dessau/Sachsen-Anhalt am 12.November im Mehrgenerationenhaus (Erdmannsdorff Straße 3, 06844 Dessau) von 11.00 bis 17.00.

Gemeinsam wollen wir uns darüber austauschen, wie wir Rechtspopulismus entgegenwirken, Vielfalt stärken und LSBTI* in der Bildungsarbeit thematisieren können.

Unsere in Dessau gemachten Erfahrungen zu diesen Themenbereichen, möchten wir Ihnen gerne vorstellen sowie nach einem fachlichen Input von Jürgen Rausch vom LSVD Projekt „Mteinander stärken- gemeinsam Rechtspopulismus entgegenwirken“ mit Ihnen in drei thematischen AGs ins Gespräch kommen.

AG 1
Alles Inklusiv? Zum Wandel der Bildungsarbeit mit Jugendlichen
AG 2
Jugendkulturelle und medienpädagogische Workshops mit Jugendlichen: Was lernen für die eigene Praxis?
AG 3
Vielfalt in Stadt und Land – Was ist gleich? Was ist anders?

ABLAUF
11.00 Ankommen
11.15 Begrüßung und Ergebnis-Präsentation unserer Bildungsarbeit mit Jugendlichen in
Dessau (Giuseppina Lettieri, Projektleitung Diversity Box)
11.30 Einführungsvortrag zu “Bildungsarbeit zu sexueller und geschlechtlicher Vielfalt in Stadt und Land unter Berücksichtigung von Vielfalt und Inklusion” (Jürgen Rausch/ LSVD)
12.30 Kaffee-Pause
12.45: 1. AG-Phase
AG 1: Alles Inklusiv? Zum Wandel der Bildungsarbeit mit Jugendlichen
AG 2: Jugendkulturelle und medienpädagogische Workshops mit Jugendlichen: Was lernen für die
eigene Praxis?
AG 3: Vielfalt in Stadt und Land: Was ist gleich? Was ist anders?
14.00: Imbiss und Getränke
15.00: Spoken Word Auftritt Tom Mars (Poetry Slam, Spoken Word Künstler)
15.30: 2. AG-Phase (Vertiefung und Bündelung der AG-Diskussion)
16.30: Kaffee-Pause
16.45: Abschlußrunde AG-Ergebnis-Präsentation
17.00: Ausklang

Anmeldungen bitte bis zum 08. November 2018 unter: diversitybox@jugendkulturen.de mit Angabe der gewünschten AG (Erst- und Zweitwunsch).

Die Teilnahme ist kostenlos. Für Getränke und Essen wird gesorgt. Bei der Anmeldung bitte mitangeben, ob vegetarische/ vegane Kost gewünscht ist und ob Lebensmittelallergien.

Das Vernetzungstreffen wird gefördert von

… und los geht’s!

Nach mehr als zwei Jahren ohne Förderung für den Archiv- und Bibliotheksbereich hat im August die Arbeit in unserem neuen Projekt „Pop- und Subkulturarchiv International“ begonnen – gefördert von der LOTTO-Stiftung Berlin. Seit dem 1. Oktober ist unser vierköpfiges Team nun auch komplett. Neben Projektleiter Daniel Schneider und wissenschaftlichem Bibliothekar Peter Auge Lorenz, die beide schon im Projekt „Berliner Pop- und Subkulturarchiv‘“ beschäftigt waren, stoßen nun auch Melanie Nagel als zweite wissenschaftliche Bibliothekarin und Lisa Schug als wissenschaftliche Mitarbeiterin hinzu. Bis Ende des Jahres wird das Team außerdem von Praktikant Felix Linke unterstützt.

Das Team des Projektes "Sub- und Popkulturarchiv International"

Das Team des Projektes „Pop- und Subkulturarchiv International“: Felix Linke, Daniel Schneider, Lisa Schug, Auge Lorenz & Melanie Nagel

Und wir haben einiges vor uns: Als erstes müssen wir das Material, das sich in der Zeit ohne Förderung angesammelt hat, sichten und erfassen – darunter befinden sich unzählige Kisten voller Fanzines (z. B. Ausgaben des legendären New York Rocker Fanzines aus den späten 1970er Jahren, deutsche Punkfanzines aus der bayrischen Provinz aus den 1980er Jahren, Comicfanzines aus den 1990ern oder queere Zines aus dem letzten Jahrzehnt), Musikzeitschriften aus aller Welt, Flyer- und Plakatsammlungen, Artefakte aus der Graffiti- und Street-Art-Szene und vieles mehr. Der Schwerpunkt des neuen Projektes liegt auf der Aufarbeitung und Erfassung unserer überregionalen und internationalen Bestände. Außerdem werden wir unsere Bibliothek und die Sammlung weiter ausbauen, regelmäßige Abendveranstaltungen organisieren und uns weiter mit anderen Archiven, mit Szeneakteur*innen, Museen und Forschungseinrichtungen vernetzen. Ziel ist es auch, das Archiv der Jugendkulturen als zentrale Berliner Ansprechpartner*in und Informationszentrum für Pop- und Subkultur mit globalem Fokus zu etablieren.

Auf dem Blog werden wir euch regelmäßig über unsere Arbeit berichten und interessante Fundstücke aus der Sammlung präsentieren. Außerdem wollen wir ihn auch wieder regelmäßiger mit Rezensionen befüllen. Den Anfang macht eine Reihe von Buchbesprechungen, die im Lektüreseminar „40 Jahre Punk “ an der Universität Oldenburg entstanden sind. Dazu nächste Woche mehr!

Unser Philan ist bunt – Diversity Box in Sachsen-Anhalt

Unser Philan ist bunt. Unter diesem Motto gestaltete unser Diversity Box-Team zwei Projekttage zu sexueller und geschlechtlicher Vielfalt am Philanthropinum Gymnasium in Dessau.

Wir waren nicht zum ersten Mal mit Workshops an dieser Schule. Ein Effekt, der sich in unserer Projektarbeit immer wieder einstellt. Viele Schulen, ob im urbanen oder ländlichen Raum brauchen vertrauensvolle Kooperationen und inhaltliche Unterstützung bei der Verankerungen dieser Themen an ihren Schulen. Sexuelle und geschlechtliche Vielfalt wird noch viel zu selten in der Schule thematisiert. Umso glücklicher sind wir jedes Mal über die Möglichkeit, langfristige Kooperationen mit Schulen eingehen zu können, um den engagierten Lehrer*innen vor Ort mit unseren Angeboten auf dem Weg zu einer diskriminierungsärmeren und inklusiveren Schule einen Schritt weiterzuhelfen.

Am „Philan“ in Dessau konnten wir am 13. und 14. Juni 2018 dazu zwei Projekttage mit Schüler*innen der 9. Stufe gestalten. Es fanden insgesamt vier Workshops parallel statt, die in Form von jugendkultureller oder medienbasierter Inhalte, Aufklärungs-und Sensibilisierungsarbeit zu LSBTI* Lebenswelten und Diskriminierungserfahrungen von Jugendlichen, Begrifflichkeiten, Geschlechterstereotype sowie queerer Repräsentation und Sichtbarkeit in Jugendkulturen geleistet haben. Neben der inhaltlichen Vermittlungsarbeit legt das Projekt in der Arbeit mit Jugendlichen immer einen großen Wert auf die kreative Praxis in den Workshops. Die Jugendlichen erfahren unter Anleitung, wie die Inhalte der Workshops in die praktische Umsetzung übertragen werden können und können sich selbst ausprobieren und kreativ ausdrücken.

YouTube, Coming Out und Hate Speech

Im Video-Workshop wurde ein YouTube-Clip gedreht, in dem eine Schülerin in die fiktive Rolle einer jungen, lesbischen YouTuberin schlüpft und Fragen zu ihrem Coming Out und den Reaktionen darauf aus Familie und Freundeskreis beantwortet.

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Ein Heft über Liebe und Diskriminierung: LGBTIQ* Magic Love Stories

Im Comic/ Kreatives Schreiben- Workshop entstand ein Heft aus Kurzgeschichten und Illustrationen, das eine große Bandbreite von Diskriminierungsaspekten für lesbische, schwule, bisexuelle und Trans*Menschen wiedergibt, ohne aber auch die schönen Aspekte des Verliebt seins außer Acht zu lassen.

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Ein Schriftzug für Akzeptanz: Love For All 

Im Graffiti/Streetart-Workshop entstanden viele Graffiti-Schriftzüge, die für die Akzeptanz und Anerkennung von gleichgeschlechtlicher Liebe plädieren.[000068][000030][000108][000102]

Last Night a DJ saved my Life: Music has no Gender

Der DJ/Musikworkshop befasste sich mit Geschlechterstereotypen und Sexismus in verschiedenen Musikszenen, hier vor allem im Hip Hop und Hardcore. Und im praktischen Teil konnten sich die Schüler*innen selbst an den Turntables ausprobieren und präsentierten ihre neu erlernten Skills bei der gemeinsamen Abschlusspräsentation.

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Für die Förderung des Projekts „Unser Philan ist bunt-Diversity Box goes Sachsen-Anhalt“ bedanken wir uns herzlich bei der Heidehof Stiftung.

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Das Archiv der Jugendkulturen auf der Feministischen Sommeruni 2018 am 15.09.

Das Archiv der Jugendkulturen wird bei der Feministischen Sommeruni 2018 am 15.09 in der Humboldt-Universitär mit einem Panel vertreten sein.

Das Panel „(Fan-)Zine: Medium zwischen Schutzraum und Öffentlichkeit“ wird aus unseren Mitarbeiter*innen aus den Bereichen Archiv/Bestand (Daniel Schneider), Forschung (Christian Schmidt) und Bildungsarbeit (Giuseppina Lettieri) bestehen. Wir freuen uns zudem sehr, dass Lisa Schug, freie Mitarbeiterin beim FFBIZ e.V. – feministisches Archiv, Zinemacherin und Mitglied des Sycamore Network mit uns über das Spannungsfeld Öffentlichkeit vs. Schutzraum diskutieren wird. Moderiert wird das Panel von Atlanta Athens.

Über das Panel:

(Fan-)Zines sind einer der Sammlungsschwerpunkte des Archivs der Jugendkulturen e. V. (AdJ) in Berlin. Ursprünglich wurden vor allem Zines aus verschiedenen sub- und jugendkulturellen Szenen, etwa von Science-Fiction-, Punk- und Hardcore- oder Fußballfans gesammelt. Neben diesen häufig als Fan-Magazine gedachten Heften erscheinen seit einigen Jahren immer mehr queere und queer-feministische Zines. Diese sind bei den jährlich stattfindenden Zine-Festen, auf denen sich Zinesters treffen und ihre Zines tauschen oder verkaufen, in großer Zahl und vielfältigen Formen zu finden. Ganz zu schweigen von dem eigenen Mini Queer Zine Fest in Berlin, dass sich bereits seit einigen Jahren diesen Zines und dem Austausch, Empowerment und der Vernetzung der queeren Zinesters widmet.

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(Queer-feministische Zines aus der Sammlung des AdJ)

Intersektionales Sammeln und Vermitteln

Als Archiv für subkulturelle Quellen sammelt das Archiv diese Zines bewusst und aktiv, um solchen Zeugnissen marginalisierter Gruppen ihren Platz in der Sammlung zu bieten. Diese Entwicklung wird auch im Bildungsprojekt zu sexueller und geschlechtlicher Vielfalt ,Diversity Box‘ aufgegriffen. Das Projekt arbeitet mit einem intersektionalen Ansatz in der Vermittlungsarbeit mit Jugendlichen. In der Sensibilisierungs- und Empowermentarbeit mit Jugendlichen bieten Zine-Workshops die Möglichkeit, die vielschichtigen Positionen zu bzw. Repräsentationen von Gender, Race, Sexualität und Körperpolitik aus der
queer(-feministischen) Zine-Macher*innen-Szene einzubinden. Die Zines sind ein Element der im Projekt mitverankerten Biografiearbeit, welche Jugendlichen die vielfältigen Lebenswelten und teils verwobenen Diskriminierungserfahrungen von LSBTI*, PoC und Schwarzen Menschen näherbringen soll. Dafür werden aktuelle Themen, Entwicklungen und Praxen der Repräsentationen in der queeren Community angesprochen, um der Mainstreamwahrnehmung von Jugendkulturen etwas entgegenzusetzen.

Intimität vs. Sichtbarkeit

In einem weiteren AdJ-Projekt – ,UnBoxing‘ – geht es um die Digitalisierung von Zines aller Art. Unter Zinesters und Zine Librarians gibt es dazu sehr unterschiedliche Haltungen, insbesondere zur Veröffentlichung von Digitalisaten im Netz. Während einige PoC und/oder queere Zinesters für eine möglichst hohe Sichtbarkeit von marginalisierten und unsichtbaren Identitäten und Erfahrungen plädieren und damit auch für eine möglichst umfassende Digitalisierung und Präsentation ihrer Zine-Digitalisate im Internet sind, gibt es auch solche, die das nicht wollen. Der Grund: Zines können sehr intime Medien sein und erst dadurch den Austausch über und die Auseinandersetzung mit ,schwierigen‘ Themen wie Traumata, Erfahrungen sexualisierter Gewalt, psychischen und physischen Erkrankungen, Essstörungen etc. ermöglichen. Diese Intimität schaffen die Herausgeber*innen dabei aus einer bewusst begrenzten Verbreitung und klein gehaltenen Auflage ihrer Zines, aber auch dadurch, dass sie ihre Zines sehr persönlich  – ähnlich wie  Briefe – gestalten.

Den Herausgeber*innen ist es wichtig, dass Ihre Zines nur einer begrenzten Teilöffentlichkeit zur Verfügung stehen. Diesem Umstand steht die Vorstellung von einer umfassenden Digitalisierung und unbegrenzten Online-Verfügbarkeit entgegen. Zine Librarians, die sich mit Fragen der Digitalisieriung auseinandersetzen, müssen deshalb – unseres Erachtens – nicht nur technische und rechtliche Fragen bei der Digitalisierung von Zines berücksichtigen, sondern auch ethische Aspekte. Im Projekt ,UnBoxing‘ haben wir ein Konzept zur Digitalisierung von Zines als kulturelle Artefakte entwickelt, welches auch ethische Gesichtspunkte bei der Digitalisierung von Zines berücksichtigt.

Queere Zines in der Debatte

Über diese unterschiedlichen Herangehensweisen im Umgang mit queeren Zines soll auf dem Panel am 15.9. gesprochen werden. Als Gast kommt Lisa Schug mit den Mitarbeiter*innen des AdJ ins Gespräch. Sie ist freie Mitarbeiterin beim feministischen Archiv FFBIZ und wirft einen feministisch-historischen, aber auch persönlichen Blick auf das Thema. U. a. berichtet sie von ihren Erfahrungen als Mitbegründerin von Sycamore, einem queer-feministischen Heavy-Metal-Fanzine. Das Heft bietet einerseits Schutzraum für den Austausch marginalisierter Metalfans, andererseits will es auch   Debatten innerhalb der Metal-Subkultur anstoßen. Das Spannungsfeld zwischen Öffentlichkeit und Intimität eines Zines lässt sich an diesem Beispiel gut ablesen. Wir freuen uns auf den Austausch!

Also am 15.9 (Samstag) um 12.00 dabei sein.
Anmeldungen und weitere Infos zum Programm unter:

www.feministische-sommeruni.de

#frauenmachengeschichte