Vernetzungstreffen „Queere Bildung“ am 22.Juni 2017 // Projekt Diversity Box

Vernetzungstreffen -„Queere Bildung“ – Geschlechterreflektierte Bildungsarbeit in Berliner Schulen-

am 22.Juni von 10.00 bis 18.00 im Aquarium (Skalitzer Str. 6, Nähe Südblock)

ab 18.00: Ausklang mit DJ- SET von SANNI  (https://www.facebook.com/sanniest)

Unser Projekt „Diversity Box“ lädt ein zum Vernetzungstreffen „Queere Bildung“. Schwerpunkte unserer Arbeit sind die Sensibilisierung und Aufklärung von homo- und transfeindlicher Diskriminierung sowie die Sichtbarkeit und Repräsentation von queeren Lebenswelten in Jugendkulturen und Gesellschaft. Das Vernetzungstreffen „Queere Bildung“ richtet sich an unsere Berliner Kooperationspartner*innen sowie an interessierte Lehrkräfte, Sozialpädagog*innen, Erzieher*innen und Aktivist*innen, die sich zu Queer, Jugendkulturen und Bildungsarbeit austauschen möchten. Gemeinsam mit allen Teilnehmer*innen möchten wir diesen Tag als Raum für offenen Austausch, Reflexion, Empowerment und Vernetzung gestalten. Dabei stehen die Herausforderungen und Rahmenbedingungen der Arbeit zu homo- und transfeindlicher Diskriminierung im Kontext Schule und Jugendarbeit sowie die Belange und Erfahrungen der Teilnehmer*innen im Vordergrund.

Wir bieten drei thematische AGs an:

AG 1 – Die haben wir hier gar nicht?!- Queere Sichtbarkeit im Kontext Schule

AG 2 – Queere Bildungsarbeit intersektional

AG 3 – Queer & Jugendkulturen: Ansätze für die praktische Bildungsarbeit

Eingeleitet wird das Treffen durch ein Grußwort vom Queer History Month und einen Vortrag zu „Bildungsarbeit verqueeren“ von Prof. Dr. Melanie Groß.

Melanie Groß ist an der FH Kiel für angewandte Wissenschaften Professorin für Erziehung und Bildung mit dem Schwerpunkt Jugendarbeit. Ihre Forschungsschwerpunkte sind u. A. Jugend- und Protestkulturen, Intersektionalität und Ungleichheit, Poststrukturalistische Theorieansätze insb. Gender und Queer Studies.
Als Rahmenprogramm wird die Diversity Box- Ausstellung die Projektergebnisse aus unseren jugendkulturellen und medienbasierten Workshops für Jugendliche und Fortbildungen und Infoveranstaltungen für Multiplikator*innen aus Berlin präsentieren. Das Vernetzungstreffen „Queere Bildung“ veranstalten wir am Donnerstag, 22. Juni 2017 im Aquarium in Berlin- Kreuzberg und wir laden herzlich ein, diesen Tag gemeinsam mit uns zu gestalten.

Anmeldungen bitte bis zum 15. Juni 2017 unter: http://www.diversitybox@jugendkulturen mit Angabe der gewünschten AG (Erst- und Zweitwunsch).

Die Teilnahme ist kostenlos. Für Getränke und Essen wird gesorgt. Bei der Anmeldung bitte mitangeben, ob vegetarische/ vegane Kost gewünscht ist und ob Lebensmittelallergien bestehen.

Mehr Infos zu unserem Projekt unter: http://www.diversitybox.jugendkulturen.de

Diversity Box wird im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben“ des BMFSFJ gefördert.

Queer Classics Pt. II

Im Rahmen unseres Projekts DIVERSITY BOX geht es weiter mit unserer Veranstaltungsreihe Queer und Popkultur.

Wir freuen uns auf die zweite Runde zu queeren Büchern und vor allem freuen wir uns wieder auf einen Abend mit Elisabeth R. Hager und Tania Witte.

Diesmal mit dabei: Jugendbücher von David Levithan, die Biographie „Tranny“ von Laura Jane Grace, Klassiker von James Baldwin und Rita Mae Brown, heiß Diskutiertes von Hanya Yanagihara und ein Seitenblick in die griechische Antike – die Schrifstellerinnen Elisabeth R. Hager und Tania Witte machen sich auf die Suche nach queeren Momenten in der Literatur.

Datum // Zeit: 18.5.2017, 19 Uhr

Ort: Archiv der Jugendkulturen, Fidicinstr. 3 (Haus A), 10965 Berlin

Eintritt frei.

ÜBER DIE AUTORINNEN:

Elisabeth R. Hager, * im Herbst 1981 in Tirol, lebt als freie Autorin und Klangkünstlerin in Berlin, Neuseeland & Tirol. 2012 erschien ihr Romandebüt „Kometen“ (Milena Verlag). 2014 folgte das Hörspiel „Der Knochen“, bei dem sie auch Regie führte & sprach. In Kürze erscheint ein neuer Roman. Bis dahin organisiert sie Kulturfestivals wie die SPÄTI BIENNALE, formt auf ihrem Blog Wörter zu neuen Möglichkeiten und liest mit Vorliebe queere Literatur.

Tania Witte lebt in Berlin. Die Schriftstellerin, Journalistin und Spoken-Word-Performerin veröffentlichte bisher drei Romane, eine Anthologie sowie diverse Essays und Kurzgeschichten. Sie schreibt unter anderem für „taz“, „ZEITmagazin“ und „Missy Magazine“, leitet Workshops zu Poetry Slam / Spoken Word, Kreativem Schreiben und Identität und ist Teil diverser künstlerischer interdisziplinärer Kooperationen. Im kommenden Jahr erscheint ihr erstes Jugendbuch.

Gender and Black Revolutionaries – Queer History Month meets Black History Month

Eine Kooperation zwischen Diversity Box und der Nelson-Mandela-Schule

Queer History Month im Februar? Ist da nicht auch Black History Month? Für die Schüler*innen der Nelson-Mandela-Schule war daher klar: ein Projekt mit Ihnen soll beides berücksichtigen – schwarze und queere Geschichte in Berlin. Die Grundidee war geboren. Im Rahmen einer Kick-Off-Veranstaltung wurde in Zusammenarbeit mit Giuseppina Lettieri und Tino Kandal vom Projekt Diversity Box des Archiv der Jugendkulturen e. V. aus der Idee ein Projekt für den Queer History Month 2017.

Die Schüler*innen suchten sich nach dem ersten Treffen acht queere und/oder schwarze Personen aus, die sie für revolutionär in ihrem Denken und Handeln halten und recherchierten dazu Orte in Berlin, die mit den Personen in Verbindung stehen. Die Wahl der Schüler*innen fiel auf: Gertrude Sandmann, May Ayim, Klaus Wowereit, Magnus Hirschfeld, Marlene Dietrich, Christopher Isherwood, Audre Lorde und David Bowie. Zu allen Personen wurden daraufhin Portrait-Schablonen angefertigt. In einem Diversity Box Street-Art-Workshop im Januar lernten die Jugendlichen, wie die Schablonen ausgeschnitten und dann auf die Platten gesprüht werden.

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Street-Art-Workshop im Archiv der Jugendkulturen e. V.

Mit dem Street-Art-Kunstwerken im Gepäck ging es dann im Februar zum Videodreh nach Schöneberg, Friedrichshain-Kreuzberg und Mitte. An den acht ausgewählte Orten, die in Verbindung mit den jeweiligen Personen stehen – ob Geburtshaus, Wohnort oder Wirkungsstätte – trugen die Schüler*innen eigene Statements vor und führten darüber hinaus noch Passant*innen und Expert*innen-Interviews durch.

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Videodrehtage in Schöneberg, Friedrichshain-Kreuzberg und Mitte

Das Ergebnis dieser schönen Kooperation ist ein 30-minütiger Videofilm zu „Gender und Black Revolutionaries“ in Berlin.

Ein großer Dank geht an die Schüler*innen der GenderSexuality Alliance der Nelson-Mandela-Schule und deren Lehrer Christopher Langhans, an Vicky Kindl und Saskia Vinueza für die inhaltliche und organisatorische Unterstützung des Projekts sowie Conny-Hendrik Kempe-Schälicke von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft.

Giuseppina Lettieri  (Projektleitung„Diversity Box“; http://www.diversitybox.jugendkulturen.de)

Unter dem Radar

Jan-Frederik Bandel/Annette Gilbert/Tania Prill (Hrsg.)
Unter dem Radar. Underground- und Selbstpublikationen 1965-1975
Spector Verlag 2017
368 Seiten
38 €

unter-dem-radar_9783959050326_295.jpgAb Mitte der 1960er Jahre ermächtigen sich viele „Amateure“ zu AutorInnen, DruckerInnen, Grafiker- und VerlegerInnen. Beginnend im englischsprachigen Raum entsteht eine unübersichtliche, unübersehbare und jedenfalls bunte Landschaft an Undergroundpublikationen. In der Bundesrepublik werden sie schnell zum Vorbild.

Die in der Regel im Selbstverlag und –vertrieb erscheinenden Printprodukte sind Teil der ästhetischen und politisch-kulturellen Revolte dieses Jahrzehnts. Der Literaturwissenschaftler Jan-Frederik Bandel hat nun eine umfangreiche Publikation zusammengetragen, die keinen bibliografischen Anspruch hat, dieser wäre auch kaum umsetzbar. Er verfolgt in dem durchweg vierfarbigen und großformatigen Band (25 x 34 cm) auch keine thematische oder chronologische Sortierung der Titel, sondern illustriert 20 mit kurzen Texten versehene Stichworte mit Covern und Beispielseiten aus den Publikationen. Die Stichworte lauten z.B. Ikonen, Pornographie, Eindeutigkeit, Theorie oder Schneiden/Kleben und es ist nicht immer klar, warum gerade welche Quelle als Illustration in welchem Stichwort erscheint. Inhaltlich geht es von Esoterik über Literatur bis zu Themen radikaler Gesellschaftskritik oder gesunder Ernährung; um Pop und Politik, um den eigenen Bauch und die fundamentale Ablehnung des und den Überdruss am Bestehenden.

Bibliografisch sind diese Titel in Deutschland bisher nicht erschlossen. So finden sich auch in dem hier vorliegenden kaum Angaben zum Erscheinungszeitraum einzelner Titel, während in den USA oder Großbritannien, dies zeigt das eindrucksvolle und sehr hilfreiche Literaturverzeichnis, dieses Feld bereits erforscht ist und wird. Die HerausgeberInnen haben vor allem Publikationen aus Deutschland aufgenommen, aber auch aus den Niederlanden oder den USA.

Die Leserin bekommt einen sehr guten optischen Eindruck von diesem Jahrzehnt und den damals praktizierten Schreib- und Gestaltungsstilen. Eine quantitative Untersuchung steht aber weiterhin aus und ist bisher nur verstreut in damals in den Veröffentlichungen selbst abgedruckten Listen mit Titeln und Adressen möglich. Die sogenannte Alternativpresse bildet sich erst am Ende des hier untersuchten Zeitraums, nicht zuletzt aus dem Zerfall und Wandel der aus „1967/68“ resultierenden Bewegungen. Die Publikation entstand aus einer Ausstellung in Bremen (Oktober 2015-Februar 2016). (Link zum Bericht).

Bernd Hüttner

Dieser Text erschien zuerst auf der Webseite der Rosa-Luxemburg-Stiftung

„Interventionsmöglichkeiten einer rassismuskritischen Bildungsarbeit zu Geschlecht und Sexualität“

Als anerkannter Träger der politischen Bildung freuen wir uns sehr über unsere neue Veranstaltungsreihe, die wir bei der bpb beantragt haben.

Die 1. Veranstaltung im April 2017 bieten wir zum Thema „Interventionsmöglichkeiten einer rassismuskritischen Bildungsarbeit zu Geschlecht und Sexualität“ an.

Multiplikator*innen aus verschiedenen Bereichen der Jugend- und Sozialarbeit soll der Bildungstag eine Fortbildungsmöglichkeit bieten, um neue Erkenntnisse und Interventionsmöglichkeiten einer rassismuskritischen Bildungsarbeit zu Geschlecht und Sexualität gewinnen zu können. Der Bildungstag hat das Ziel eigenes Handeln zu reflektieren, eigene Wissensquellen zu erweitern und einen Einblick in dekoloniale und queere Bildungsansätze zu vermitteln.

Wir freuen uns, SchwarzRund als Referentin für die Veranstaltung gewonnen zu haben.

Die Veranstaltung ist offen für alle Interessierten. Wir bitten um verbindliche Anmeldung unter archiv@jugendkulturen.de

Teilnahmegebühr: 7,50 Euro.

Für Verpflegung (vegetarisch/vegan) sowie die Bereitstellung von Infomaterial wird gesorgt.

Veranstaltungsort: Archiv der Jugendkulturen e.V./ Haus A, Fidicinstr.3 in 10965 Berlin

Datum und Uhrzeit: 06. April 2017 von 10.00 bis 17.00

Der Veranstaltungsort ist barBPB#1_HEADERrierearm.

Wenn Pop Geschichte wird

Mittelweg 36 – Zeitschrift des Hamburger Instituts für Sozialforschung
Wenn Pop Geschichte wird
Heft 4-5 / Oktober/November 2016
204 Seiten
18 €

pop_m36_c.jpgPop- und Rock-Musik ist ein zentraler Faktor des politischen und kulturellen Umbruchs der 1960er Jahre gewesen. Mittelweg 36, die seit Ende 1992 erscheinende Hauszeitschrift des Hamburger Instituts für Sozialforschung hat nun einem Doppelheft sieben Artikel und ein Interview unter der Titelaussage Wenn Pop Geschichte wird zusammengestellt.

Der Beitrag von Detlef Siegfried ist mit 44 Seiten der umfangreichste. Er fragt anhand vieler Quellen nach dem Gebrauchswert der damals gängigen These, Rockmusik sei der (amerikanischen) Gegenkultur entsprungen oder historisch sonst irgendwie „von unten“ gekommen. Dies wird anhand der in den 1970er in deutschen linken Medien geführten grundsätzlichen und auch schon: Ausverkaufsdebatte und v. a. am Beispiel von Bob Dylan beispielhaft nachvollzogen. Der Bogen reicht bei Siegfried vom (angeblich besonders authentischen) Blues, Reggae und Folk über die „Umsonst und Draußen-“ oder „Rock gegen rechts“-Festivals bis zum Fremdeln der Sponti-Linken mit dem Punk am Ende des Jahrzehnts.

Diese Authentizitätsvorstellung und die damit verbundene Emanzipationserwartung wird auch in anderen Beiträgen kritisch aufgegriffen. Der Beitrag „Fliegende Klassenfeinde“ von Jens-Christian Rabe (Süddeutsche Zeitung) mit dem etwas sperrigen Untertitel Affirmation als Subversion oder die Geburt der deutschen Poptheorie aus dem Verdruss über linksalternativen Authentizitätskult und Schweinerock ist open access (PDF hier).  Klaus Nathaus unterzieht einige historiografische Annahmen über Popkultur einer Kritik. Isabel Richter untersucht das widersprüchliche Feld, in dem in den 1960er und 1970er Jahren Pop, Drogen und östliche spirituelle Lehren wie Zen oder Yoga im globalen Nordwesten in einer semi-religiösen Bricolage zusammengeführt wurden. Alexander Simmeth berichtet über Krautrock (Can, Amon Düül), während zwei detaillierte Lokalstudien die Perspektive nochmals weiten: Stefan Krankenhagen schreibt über popkulturelle Orte in Hildesheim, und Joachim Landkammer erzählt anhand einer Band von Rockmusik in der Provinz, im konkreten Fall der unterfränkischen zwischen Bamberg und Schweinfurt. Diese zwei Beiträge sind eine wirkliche Bereicherung, da sie Räume jenseits der urbanen Metropolen untersuchen.

Die Texte sind bis auf das banale Interview mit Wolfgang Kraushaar alle sehr lesenswert und werden durch  die von Kraushaar erstellte Protestchronik (die Rock gegen Rechts im Juni 1979 in Frankfurt/Main zum Thema hat) gut ergänzt. Sie liefern wichtige Impulse zum noch lange nicht auserforschten Verhältnis von „(Gegen-)Kultur“ und Linksradikalismus.

Der mit Heft April 2015 begonnene optische und personelle Relaunch von Mittelweg 36 hat die zwischen Politik-, Geschichts- und Kulturwissenschaften angesiedelte Zeitschrift wieder etwas spannender gemacht. Es bleibt zu hoffen, dass diese sanfte Repolitisierung sich fortsetzt. Notwendig in diesen (düsteren) Zeiten wäre es.

Bernd Hüttner

Dieser Text erschien zuerst auf der Webseite der Rosa-Luxemburg-Stiftung

Ja, ich habe meine Tage! So What?

Clara Henry
Ja, ich habe meine Tage! So what?
Beltz 2016
196 Seiten
16,95 €

9783407864307.jpgMenstruieren, die Periode haben, bluten, die Tage haben, die rote Lampe leuchtet, Haiwoche haben – all diese Umschreibungen stehen für ein und dasselbe. Obwohl das Thema Menstruation etwa die Hälfte der Weltbevölkerung betrifft, wird darüber immer noch sehr zurückhaltend gesprochen. Auch Werbung übermittelt oft ein verzerrtes, beschönigtes Bild von Menstruation und wirbt für Produkte, die diskreten Schutz versprechen. Clara Henry (22), die erfolgreiche schwedische Bloggerin, hat es sich zum Ziel gesetzt, das Thema Menstruation von Scham und Stigma zu befreien und hat ein ganzes Buch dazu geschrieben. Sie wünscht sich, dass öffentlich nach einem Tampon zu fragen so normal ist, wie nach einem Pflaster zu fragen.

Ich würde das Buch super finden, wenn ich jünger wäre. Als heranwachsende 12- bis 18-Jährige hätte mir das Buch sicher großen Spaß gemacht. Clara Henrys ausschweifende Sprache macht das Lesen anfangs humorvoll, lenkt aber sehr ab und nervt schnell. Sie schreibt so, wie sie in den meisten ihrer YouTube-Videos spricht. Unglaublich gut gelungen sind die Illustrationen von Li Söderberg. Jede Seite ist individuell gestaltet und die Leser*innen werden mit ulkigen Zeichnungen unterhalten: eine blutende Vulva mit Superheld*innen-Umhang, dicke Bäuche und fast auf jeder Seite Bluttropfen. Heranwachsende erfahren, was im Körper während der Menstruation passiert und was Menschen in der Geschichte und in verschiedenen kulturellen Umfeldern gedacht haben, warum Frauen bluten und welche Zuschreibungen und Stigmata daraus entstanden sind. Clara Henry benennt diese ziemlich treffend und überwindet Scham und Ekel, um selbstbewusst und humorvoll mit „den Tagen“ umzugehen. Sie ermutigt Mädchen und Frauen zum Beispiel nicht nur dazu, so oft wie möglich (und nicht nur unter Frauen) offen über ihre Menstruation zu reden, sondern auch mal eine „Tages-Aktivistin“ zu sein. Der Tampon soll dazu auf dem Weg zur Toilette nicht etwa im Ärmel versteckt, sondern beim Gang durchs Klassenzimmer oder Restaurant locker in die Luft geworfen und gekonnt wieder aufgefangen werden. Neben den Fakten und Ratschlägen bekommen die Leser*innen auch eine ganze Menge andere praktische Tipps und Informationen, wie zum Beispiel schlagfertige Antworten auf sexistische Phrasen, wie Frau sich in Notsituationen eine Binde oder einen Tampon selbst basteln kann, wie mit Bluthosen umgegangen werden kann oder auch Lifehacks: also konkrete Methoden, die Frauen umsetzen können, um ein positives Verhältnis zu ihren Tagen zu entwickeln.

Vor allem für junge Frauen bzw. Mädchen ist dieses Buch daher sehr empfehlenswert, weil es erfrischend unverkrampft mit dem Thema Menstruation umgeht und mit so manchen Mythen aufräumt. Ich denke aber, dass auch erfahrenere Frauen in diesem Buch noch etwas für sie Neues erfahren und über die eine oder andere Formulierung der Autorin schmunzeln werden.

Kathrin Fleischmann

Zwischen den Beats

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Die 5. und in diesem Jahr letzte Veranstaltung unsere Reihe „Queer und Jugendkulturen“ nimmt diesmal die DJ-Welt genauer unter die Lupe. Es geht sowohl um queere und feministische Praxen als auch um die Analyse sexistischer Strukturen:“Zwischen den Beats – Queer und Sexismus im Techno und Hip Hop“. Wir wollen mit den eingeladenen DJs über männliche* Dominanzverhältnisse hinter den Turntables, über feministische Netzwerke und den eigenen DJ- Werdegang diskutieren.

Mit dabei sind:

Freshfluke https://www.facebook.com/dj.freshfluke
SANNI https://www.facebook.com/sanniest
Resom https://www.facebook.com/resom

Moderation: Tanja Ehmann

Wann und Wo:
Mittwoch, 14. Dezember 17:30 – 19:00
Crack Bellmer
Revaler Straße 99, 10245 Berlin
Eintritt ist frei

FB-Link: https://www.facebook.com/events/1158530017599567/?notif_t=plan_user_associated&notif_id=1480940756512915

Affentanz!

André Bergelt
Affentanz! Sternenstunden eines schlechten Verlierers
Mitteldeutscher Verlag 2015
300 Seiten
12,95 €

Bergelt__Andr____55718977bd8c1.jpg„Ein guter Verlierer zu sein, ist eine Kunst. Eine, die ich ungewöhnlich schlecht beherrsche.“ Mit diesem Zitat beginnt der Autor André Bergelt sein Erstlingswerk „Affentanz!“. Und dieses Zitat steht, wie kein anderes, für das Leben des namenlosen Romanprotagonisten. Auch dieser ist Künstler. DJ um genau zu sein. Allerdings bisher kein sonderlich erfolgreicher. Doch er hat eine klare Vision vor Augen und ein klares Ziel. Ein Auftritt im bekanntesten Club Berlins: Dem Zoo. Dass es sich bei diesem fiktiven Club um eine Anlehnung an das legendäre Berghain handelt, wird auch dem Szenelaien schnell klar. Doch so klar die Visionen des durchaus talentierten  Protagonisten sind, kommt er doch kaum voran bei der Erfüllung seiner Träume. Schnell wird dem*r Leser*in klar, dass er selbst sein größter Feind ist. Denn statt sich auf seine Installation für seinen Durchbruch zu konzentrieren, verbringt er große Teile seiner Zeit als Feiernder in dem Club, in dem er eigentlich selber auftreten will. Er flüchtet sich von einer Beziehung zur nächsten, unfähig lange bei einer*m Partner*in zu bleiben. Dazu kommt sein stetig steigender Drogenkonsum. Doch während er einerseits kaum in der Lage ist, sein eigenes Leben zusammenzuhalten, besitzt er andererseits überraschende Kompetenzen und Durchhaltevermögen, wenn es darum geht, die Probleme seiner ebenfalls leicht verplanten Freund*innen zusammenzuhalten. Ihnen hilft er bei Steuererklärungen oder wenn sie mal wieder Ärger mit dem Gesetz haben. Auch als spontaner Fremdenführer in der Potsdamer Schlösserlandschaft überzeugt er auf ganzer Linie. Als Ausgleich für seine Hilfe pumpt er seine Freund*innen immer wieder um Geld für neues DJ-Equipment an. Selbst hat er keine geregelte Arbeit, sondern hangelt sich stattdessen von einem absurden Nebenjob zum nächsten. Doch während er am Alexanderplatz einem dieser Nebenjobs, Namentlich dem des Grillwalkers, nachgeht, kommt es zu einer Begebenheit, die sein ganzes Leben verändern könnte: Als Dank für eine kleine Gefälligkeit schenkt ihm eine alte Dame einen kleinen, gelben Affenanhänger. Zuerst denkt er sich nicht viel dabei, als er sich den Anhänger um den Hals hängt. Doch als ihm auf einmal Visionen eben dieses Affen erscheinen, ist er doch überrascht. Und der Affe ist nicht still. Stattdessen gibt er dem Protagonisten auf den ersten Blick überaus vernünftige Vorschläge, wie dieser sein Leben wieder auf die Reihe bekommen könnte …

Neben der Musik und den Freund*innen des Protagonisten steht der übertriebene Drogenkonsum in der Clubszene, gerade zum Ende des Buches, immer mehr im Mittelpunkt. Und genau so liest sich auch das Buch: zeitweise berauschend, aber auch nicht immer ganz verständlich. So bleiben vor allem die Motivationen der vielen Nebencharaktere großteils im Dunkeln. Auch ist die Handlung häufig abgehackt, was das Verständnis erschwert. So reihen sich meist unzusammenhängende, kurze Episoden aneinander, durch die sich nur bedingt ein roter Faden zieht. So bleibt auch der Protagonist schwer zu fassen. Was ihn genau in seiner Gesamtheit ausmacht, wird nicht ganz klar, was aber durchaus vom Autor gewollt sein könnte. So gelingt es ihm jedenfalls sehr gut die Stimmung eines kreativen Menschen zu vermitteln, der immer mehr die Kontrolle über sein Leben verliert. Was dem Autor meiner Meinung nach allerdings überhaupt nicht gelungen ist, ist die Rolle des Affen als imaginären Ratgeber. Dessen Ratschläge sind leider weder sonderlich witzig, noch haben sie einen erkennbaren Einfluss auf das Handeln des Protagonisten. Es wirkt fast so, als hätte sich der Autor gezwungen gefühlt, irgendwie noch eine Metapher für die tierische Seite des Protagonisten in die Handlung einzubauen. Genauso unmotiviert wirkt das Ende des Romans auf mich. Nachdem der Protagonist durch sein rücksichtsloses Verhalten nahezu alles verloren hat, an dem ihm irgendwas liegt, wendet sich auf den letzten zehn Seiten auf einmal alles ohne fundierte Erklärung wieder zum Guten.

Der Roman „Affentanz!“ wurde in gewissen Kreisen lange erwartet. Sollte es doch der erste authentische Roman über das Berghain sein. Und der Autor hat definitiv das dafür nötige Fachwissen. Schließlich hat er selbst jahrelang als Türsteher und Kassierer in der Berghain-Kantine, im Suicide Circus oder im Sisyphus gearbeitet. Er kennt sich aus in der Szene. Und es gelingt ihm durchaus das Lebensgefühl der vielen Clubbesucher*innen mit seinen Sonnen- und Schattenseiten zu vermitteln. Aber mehr eben auch nicht. Alles neben den von ihm beschriebenen Clubeindrücken wirkt irgendwie banal und wenig innovativ. Deswegen lautet mein Fazit, dass man nicht automatisch befähigt ist, eine interessante Geschichte zu erzählen, bloß weil man sich mit einem Thema gut auskennt.

Leon Seikat

Leon Seikat kommt aus Berlin und macht gerade sein Freiwilliges Soziales Jahr (FSJ) im Archiv der Jugendkulturen.

Is Queer the new Punk!?

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Im Rahmen unserer Abendveranstaltungsreihe „Queer und Jugendkulturen“ freuen wir uns auf Runde 4 in diesem Jahr: am 23.11.2016 zum Thema „Queer Zines“.

Das Archiv der Jugendkulturen sammelt schon seit vielen Jahren Zines. Vor allem im Bereich Punk haben wir eine sehr große Sammlung. Seit einigen Jahren beobachten wir aber die Entwicklung, dass vor allem im Bereich der queeren Zines viel mehr veröffentlicht wird und diese auch bei den Zinefesten immer präsenter werden. Ganz zu schweigen von dem eigenen Mini Queer Zine Fest in Berlin, dass sich bereits seit einigen Jahren mit großer Beliebtheit denqueeren Zines, dem Austausch und Vernetzung widmet.

An diesem Abend möchten wir verschiedene Zine-Macher*innen einladen, ihre Zines und ihre Positionen vorzustellen. Darüber hinaus möchten wir gemeinsam ins Gespräch kommen: über das Machen von Zines, die Vernetzung in der queeren Zine-Macher*innen- Community und über aktuelle Themen und Entwicklungen der Repräsentationen in der Queer Community.

Mit dabei sind:

Dana von Ethical Sloth
„Dana ist eine Hälfte von Ethical Sloth, einem queeren DIY-Comic-Zine,das seit drei Jahren in etwa halbjährlich erscheint. Sie gibt das La Moustache Zine heraus, welches sich thematisch mit der(queer-feministischen) DIY-Musikszene beschäftigt, ein experimentelles Interviewmagazin namens 13 Questions und hat gerade ein Comic-Zine über die besten und schrecklichsten Erlebnisse aus zehn Jahren (queer-feministische) DIY-Konzerte veranstalten angefangen. Sie ist Mitbegründer_in des Queer Zine Fests Berlin und gibt manchmal Zine-Workshops.“

SchwarzRund
„SchwarzRund kam als Schwarze Deutsche Dominikaner*in mit drei Jahren nach Bremen, lebt seit fast zehn Jahren in Berlin. Seit 2013 publiziert sie auf ihrem Blog schwarzrund.de und in diversen Magazinen. Mehrdimensionale Lebensrealitäten inner- und außerhalb von Communitys verhandelt sie in Performance-Texten, Vorträgen und Veranstaltungsreihen.“

aktuelles Projekt:
„Biskaya“ ist ein afropolitaner Roman über das Leben von Schwarzen Menschen in Berlin. Die dreißigjährige Tue ist mit drei Elternteilen aufgewachsen und verdient heutzutage ihr Geld vor allem als Sängerin einer deutschsprachigen Indie-Band. Doch mit den anderen Bandmitgliedern hakt es und auch ihre WG wird Tue immer fremder, Ruhe findet sie allein bei ihrem besten Freund Matthew. Er ist die Familie, die es in ihrem Leben seit Jahren nicht mehr gegeben hat.

Anni und Simo von queer trash distro
„queer trash distro bietet zines von queers und trans leuten an zu den themen neurodivergenz, ableismus, körper, trans-sein, sucht …
wir die das distro betreiben sind anni und simo, zwei weisse trans menschen mit verschiedenen ableismus_saneismus-erfahrungen.
anni beschreibt sich selbst als ‚crazy plant lover, pug hugger and whiny femme‘, simo ist ein ‚a_gender suchti cripple punk‘.“

Wann & wo:
23.11 ab 18 h
Aquarium (am Südblock)
Skalitzer Straße 6
10999 Berlin
Eintritt ist frei

https://www.facebook.com/events/325558904496156/

#queer #zines #berlin #diversitybox

Play Gender

Fiona Sara Schmidt/Torsten Nagel/Jonas Engelmann (Hrsg.)
Play Gender. Linke Praxis – Feminismus – Kulturarbeit
Ventil Verlag 2016
246 Seiten
18 EUR

play_gender.jpgWer bist Du und wie und mit wem wirst Du sein (wollen)? Im Sammelband „Play Gender“ beschreiben linke Menschen ihre Pläne, Projekte, ihr Durchkommen und Scheitern im „Spiel“ mit dem Geschlecht und mit ihren Erfahrungen mit dem Geschlechterregime – und das ist und war nicht immer ein Vergnügen.

Sexismus ist eine alle Lebenssphären betreffende Ideologie und Praxis. Auch der kritische Kulturbereich ist davon betroffen. Die Herausgeber*innen wollen mit ihrem Buch zu „linker Praxis – Feminismus – Kulturarbeit“ (so der Band „Play Gender“ im Untertitel) historische und aktuelle Perspektiven von und Beispiele für Strategien gegen Sexismus und Diskriminierung aufzeigen.

Meist stehen die Situation und die Strategien von Frauen und Lesben im Mittelpunkt, aber auch queer-feministische Initiativen von Männern* kommen vor, was angesichts einer anhaltend aktuellen, auch gewaltförmigen Schwulenfeindlichkeit und der Tatsache, dass „sensibler Mann“ immer eher ein Schimpfwort ist, mehr als gerechtfertigt ist.

In Artikeln, Interviews, Dokumenten und mehreren Roundtable-Gesprächen geht es unter anderem um Netzfeminismus, (Musik-)Journalismus, Comic- und Dokumentarfilmproduktionen oder Theater und Tanz unter prekären Bedingungen. Weitere, mehr an einem Ereignis festzumachende Praktiken sind Ladyfeste, feministisches DJ-ing, Slutwalks oder das „Macker Massaker“ im Autonomen Zentrum Mülheim an der Ruhr. Ein wichtiger Beitrag schreibt die Geschichte der linksradikalen und profeministischen Männerbewegung der letzten 25 Jahre. Den historischen Blick greift auch ein Beitrag auf, in dem Teile des anonymen Herausgeber*innenkollektivs des 2013 erschienen Fantifa-Buches über die feministische Organisierung in der Antifa der 1990er Jahre berichten. Eine Autorin aus dem „Conne Island“ schreibt über die internen Strukturen und Debatten dieses über Leipzig hinaus relevanten linksradikalen Polit- und Kulturzentrums.

Sehr ernüchternde Erkenntnisse enthält ein Beitrag der AG Queerfeminismus der Interventionistischen Linken (IL) Berlin. Diese stellt in einer Selbstbefragung fest, dass auch in der (radikalen) Linken Erschöpfung, Krankheit (und Kinder) weiterhin individualisiert würden, viele sich mehr Kollektivität wünschen, diese aber nicht realisieren (können). Der Text stammt allerdings aus 2012/2013 und seitdem hat sich die Situation womöglich etwas gebessert, nicht zuletzt durch die stärkere Thematisierung von Care-Arbeit.

Engagiert und organisiert wird sich an vielen Orten und zu vielen Themen. Das zeigt diese Textsammlung. Und genau das motiviert, weiterzugehen, Allianzen zu schmieden und Neues zu entdecken. Ein Wort sei aber zum Titel des Buches ergänzt: „Play Gender“ – was bedeutet das? Für wen? Nun mag es zwar richtig sein, mit Geschlechterrollen zu spielen (und das ein solches Herangehen auch gut tut und voranbringend sein kann, zeigen einige Beiträge), aber ein „Spiel“ ist das Geschlechterregime definitiv nicht. Es weist jeden Tag Chancen zu, und nimmt sie anderen, nicht zuletzt auf dem Arbeitsmarkt, der im Hintergrund Thema des Buches ist.

Bernd Hüttner

(diese Rezension wurde zuerst unter der Überschrift „Feminismus, Kulturarbeit und Patriachat“auf terz.org veröffentlicht)

Oh Yeah! Popmusik in Deutschland

Das Focke-Museum in Bremen zeigt eine Ausstellung zur Geschichte der deutschen Popmusik. In fünf Abteilungen wird ein grober Überblick über die Entwicklung seit Mitte der 1920 Jahre gegeben. Wer dort beginnen und chronologisch vorgehen will, sollte hinten, am dem Eingang entfernt liegenden Teil der Ausstellung starten.

Ihr Kern sind die jeweiligen Hörstationen, über die 90 typisch deutsche Songbeispiele präsentiert werden. Neben den Textinformationen werden auf 450 Quadratmetern 200 Kostüme, technisches Equipment und andere Erinnerungsobjekte ausgestellt. Den Anfang bilden die wilden Jahre im Berlin der 1920er und die sog „wilden Cliquen“ der oppositionellen Jugendkulturen der Swing-Jugend und der Edelweißpiraten während des Nationalsozialismus. In der Zeit vor 1968 ist dann eher noch die heile Welt der Nachkriegszeit zu bestaunen: Freddy Quinn, Heintje (!), Caterina Valente und Peter Alexander werden hier unter Popmusik verhandelt, was im ersten Moment aus heutiger Sicht etwas komisch wirkt, aber wohl auch wahre Anteile hat.

Die mit reichlich Hörbeispielen und Filmschnipseln versehenen Stationen der jüngeren Vergangenheit behandeln unter anderem Gothic, New Wave und Neue Deutsche Welle, Punk und Rap im Westen und in der DDR, Open-Airs und Festivals oder Techno. So sind Rammstein, die Avantgardegruppe Einstürzende Neubauten und Text und Filmschnipsel aus 1970 der linksradikalen Polit-Rocker „Ton Steine Scherben“ in einem Kasten zusammengefasst. Seichteres wird ebenfalls präsentiert etwas Nena oder Markus („Ich geb Gas, ich will Spaß“). Eine Vertiefung informiert über den Beat-Club von Radio Bremen, der von 1965 bis 1972 gesendet wurde und erstmals (!) englische KünstlerInnen im Fernsehen präsentierte.

1586.jpg©Focke-Museum | Martin Luther

Die Ausstellung beruht auf einem Konzept des Berner Museum für Kommunikation und wurde von einem Bremer Team erstellt. Sie kann (unbeabsichtigt) jüngeren BesucherInnen vermitteln, wie spießig weiteste Teile der kulturellen Öffentlichkeit selbst Ende der 1960er Jahre noch waren, und ebenso, wie in Ost und West entschärfte und durchkommerzialisierte Formen auf den Markt kamen, wenn ein musikalischer Trend nicht mehr aufzuhalten war. Machte Peter Kraus im Westen einen auf Rock ‘n-Roll und Halbstarker, versuchte die DDR zeitgleich den dort erfundenen Lipsi als systemkonformen modernen Tanz gegen den Rock ‘n-Roll zu etablieren. Sie zeigt weiter anschaulich, dass ab den beginnenden 1960ern verschiedene Musikkulturen nebeneinander existierten – heute dürften es dutzende sein. Am auffälligsten ist aber, dass Pop hier anscheinend nichts mit Drogen oder Sexualität zu tun hat, Drogen werden nur für das wilde Berlin der Weimarer Zeit erwähnt. Dass Pop immer auch ein Projekt im Zuge sexueller Befreiung war, bleibt unerwähnt. Eine Befreiung, die freilich im Rahmen des Konsumkapitalismus stattfand und erst einmal den Männern zugutekam, in deren Windschatten aber auch Frauen neue Freiräume erstreiten konnten.

Pop hat neben der technischen Entwicklung (Fernsehen, Radio, Kassette, CD, Walkman) viel mit der Biographie des Betrachters zu tun, und so ist die Ausstellung an einem Sonntagnachmittag gut besucht. Das Altersspektrum reicht von sieben bis 77 und einige ältere Semester wippen an den Hörstationen verträumt mit den Füssen. Mir ging neben den unvergesslichen „Scherben“ ein Mitschnitt aus dem DDR-Fernsehen am besten rein, den ich vorher gar nicht kannte: Hier performt die Electric Beat Crew, die bekannteste HipHop-Band in der DDR, ihr Lied „go go“ (hier auf soundcloud).

In Bremen ist die Ausstellung so aufgebaut, dass die Besucherin direkt am Eingang in der Gegenwart beginnen muss und sich dann in die Vergangenheit vor- bzw. zurückarbeitet. Das ist gewöhnungsbedürftig. Ein Thema wie Popmusik in einer Museumsausstellung einzufangen, ist sicher eine Herausforderung. Hier ist es nur halb gelungen, insgesamt wirkt die Präsentation des Themas leicht steril, eher wie ein Gemeinschaftskundebuch mit Hörbeispielen, trotz des teilweisen wilden Inhalts. Neue Besucherschichten anzusprechen, die vielleicht sonst nicht in ein Museum gehen, dürfte dem Focke-Museum mit diesem Projekt aber gelungen sein.

Oh yeah! Popmusik in Deutschland, noch bis 16. Juli 2017
Focke-Museum – Bremer Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte
Schwachhauser Heerstraße 240
28213 Bremen
Di 10 bis 21 Uhr, Mi bis So 10-17 Uhr

Die Ausstellung wird ab August 2017 in Frankfurt, und danach noch in Berlin, Leipzig und Stuttgart zu sehen sein.

Bernd Hüttner (Bremen)

Zine of the Day: Shag Stamp (Großbritannien & Dänemark)

Der Juli ist wieder International Zine Month (IZM). Aus diesem Anlass stellen wir euch auch dieses Jahr wieder einige aus unserer Sicht interessante Hefte aus der Fanzine-Sammlung des Archivs der Jugendkulturen als „Zine of the Day“ vor…

Was mich vor allem an Perzines bis heute immer wieder fasziniert, sind die verschiedenen, Lebensentwürfe, Alltagsefahrungen und Erlebnisse, die ich oftmals nicht kannte und durch die ich immer wieder meine eigene Lebensrealität relativieren und anders betrachten konnte. Zines wie Ring of Fire, Deafulla, Alien oder Wer A sagt, muss nicht B sagen boten mir nicht nur Einblicke in das mir meist fremde Leben ihrer Herausgeber_innen, sondern ermöglichten mir auch, meinen eigenen Alltag und meine eigene Lebenssituation aus einer neuen Perspektive zu betrachten. Solche Zines erweiterten im besten Fall tatsächlich mein Bewusstsein.

Das von Jane Graham herausgegebene Shag Stamp gehört auch zu diesen Zines, die mir immer wieder neue Denkanstöße geben konnten. Shag Stamp ist eine enorm vieldeutige Wortkombination. Der Begriff kann einen Knutschfleck oder „love bite“ bezeichnen, aber „shagging“ kann auch Vögeln oder Ficken meinen.

Jane hat sich diesen Titel für ihr Zine ganz bewusst ausgesucht. Wie auch die Herausgeber_innen anderer Perzines, so schreibt Jane in Shag Stamp vor allem über ihren Alltag, ihre Erfahrungen, ihre Erlebnisse, ihre Ansichten und Gedanken. Sie erzählt von ihren Reisen per Anhalter quer durch Europa und die USA, berichtet von Punk- und Hardcore-Konzerten, die sie besucht hat, von Erlebnissen mit Freunden und Liebhabern, macht sich Gedanken über Politik, Feminismus, Erotik und Pornografie und schreibt eben auch sehr viel über ihren Job als Stripperin an den unterschiedlichsten Orten der Welt und ihre Leidenschaft für Kunstperformances.

Shag Stamp #8 (2000) mit Stencil-Cover

Shag Stamp #8 (2000) mit goldenem Stencil-Cover

Was ich an ihren Zines vor allem immer gut fand, war diese enorme Bandbreite an differenzierten Ansichten und komplexen Erfahrungen, die sie dabei entfalten konnte. Shag Stamp ist eines dieser Zines, bei denen man sofort den Drang verspürt, mit dem oder der Herausgeber_in ganze Abende durchquatschen zu wollen. Schade, dass ich sie leider nie persönlich kennengelernt habe. Mittlerweile hat sich Shane aus der Zine Community herausgezogen. Shag Stamp #8 erschien im Januar  2000 in Kopenhagen (und nicht wie die vorherigen Nummern in Sheffield oder Bradford!) und ist leider die letzte Ausgabe dieses wirklich interessanten und empfehlenswerten Perzines

 

Christian

 

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#IZM2016 #Zineoftheday #Zine #Perzine #Stripper #Feminismus #Hardcore

Kammuri #1 (Deutschland)

Der Juli ist wieder International Zine Month (IZM). Aus diesem Anlass stellen wir euch auch dieses Jahr wieder einige aus unserer Sicht interessante Hefte aus der Fanzine-Sammlung des Archivs der Jugendkulturen als „Zine of the Day“ vor…

Der japanische Begriff Kammuri besitzt verschiedene Bedeutungen. Damit werden sowohl verheerende Tropenstürme Pazifik bezeichnet, als auch eine Kopfbedeckung aus schwarzer Seide, die zu einem zeremoniellen Gewand des japanischen Kaisers gehört.

Cover von Kammuri #1

Cover von Kammuri #1

Warum sich die Herausgeberinnen dieser selbstbezeichneten „Zeitschrift von Modejunkies für Fashionfreaks“ ausgerechnet diesen Begriff als Titel für ihr Heft ausgewählt haben, bleibt allerdings unklar. Dass sie sich aber ausgerechnet ein japanischen Wort ausgesucht haben, liegt eigentlich auf der Hand. Kammuri beschäftigt sich mit unterschiedlichsten Spielarten japanischer Popkultur – von den verschiedenen Gothic Lolita-Substilen über Visual Kei und J-Rock bis hin zu diversen Cosplays.

Kammuri #1 ist das einzige mir bekannte „Fanzine“ aus diesem Genre. Auch wenn dieser Begriff nirgendwo im Heft auftaucht und den beiden Herausgeberinnen vermutlich sogar vollkommen unbekannt ist, so treffen viele Eigenschaften von Fanzine auch auf das Kammuri zu: Die Berichterstattung aus der eigenen Fan-Perspektive, der absolut unkommerzielle Verkaufspreis von 1,50 €, die DIY-mäßige Anleitung für „Japanese Nail Art“, das Kochrezept für einen „Prinzessinnenkuchen“ oder auch das unvollständige Impressum, aus dem nicht einmal hervorgeht, in welcher Stadt dieses Mode-Zine überhaupt erschienen ist. Selbst das Jahr der Veröffentlichung bleibt unklar. Vermutlich ist das Kammuri #1 aber gegen Ende der 2000er Jahre erschienen. Neben zahlreichen Fotoshoots von japanischen Mode-Fans und ihren Stylings, die auf Konzerten von Visual Kei-Bands (The Gazette, Girugamesh), auf Manga Conventions oder auf J-Rock-Partys aufgenommen wurden, gibt es in der Debütausgabe von Kammuri ein Interview mit den beiden Betreiberinnen des deutschen Gothic Lolita-Mode-Labels Harajuku Maiden, einen Steckbrief von Fee, die auf dem Cover abgelichtet ist, einen Bericht über Leipzig und zahlreiche Tips für günstige Klamotten und Accessoires.

Schade, dass es von Kammuri offenbar keine weitere Ausgabe war. Ich hätte gerne gesehen, wie sich dieses Fashion-Zine weiterentwickelt hätte – zumal es aus der Gothic Lolita- und Visual Kei-Szene in Deutschland kaum Veröffentlichungen von Fans für Fans gibt.

 

Christian

 

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#IZM2016 #Zineoftheday #Fanzine #Fashion #Gothic Lolita #Visual Kei

Heft #12 (Deutschland)

Der Juli ist wieder International Zine Month (IZM). Aus diesem Anlass stellen wir euch auch dieses Jahr wieder einige aus unserer Sicht interessante Hefte aus der Fanzine-Sammlung des Archivs der Jugendkulturen als „Zine of the Day“ vor…

Sehr individuell gestaltetes Cover von Heft #12

Sehr individuell gestaltetes Cover von Heft #12

Das Heft war ein äußerst sympathisches Fanzine, das in der ersten Hälfte der 1990er Jahre an gleich zwei Orten im hohen Norden erschien: Quickborn und Hamburg. Ich habe keinen blassen Schimmer, wieviel Ausgaben davon letztlich das Licht der Welt erblickten und wann das Heft wieder eingestellt wurde. Einige Jahre wurde dieses Fanzine-Projekt aber jedenfalls recht ambitioniert betrieben – zumindest haben die Macher es auf die Reihe bekommen, alle drei Monate eine neue Nummer unters Volk zu werfen.

Inhaltlich bestach das Heft durch die für viele damalige Fanzines dieser Bauart eher typische Mischung aus einem Haufen Musik, ein ganz, ganz wenig Politik, einer Menge Schwachsinn, dem obligatorischen Comic, einer grotesken Kurzgeschichte und einem sehr amüsanten Bericht über die Olympia-Bewerbung von Quickborn. Dieser inhaltlich bunte Strauß wurde schließlich durch ein dezent rotziges Cut’n’Paste-Layout irgendwie auf 48 DIN A4-Seiten zusammengehalten. Der musikalische Geschmack der Redaktion wurde von Gitarren dominiert: Es gab einige wenige Band-Interviews (Grotus, Big Chief, Fetish69, 2Bad und Popkiller), aber dafür eine Unmenge Besprechungen von Platten diverser Punk-, Crustcore-, HC-, Alternative Rock-, Indie Rock-, Grunge- und Noise Rock-Bands. Eine stattliche Anzahl an Fanzine-Kritiken gab es ebenso, wie eine ganze Latte an Insider-Witzen, die wohl keiner außer den beiden Herausgebern verstehen konnte und als anti-journalistisches Bonbon ein passagenweise sehr amüsantes Interview mit Alfred Hilsberg (What’s So Funny About-Label, Buback Records, etc.).

Ganz ähnlich hätte das damals auch in anderen Fanzines wie dem Klausner, Gags & Gore, Toys Move, Out of Step, Flex Digest, Blurr oder Revolution Inside erscheinen können – womit ich dem Heft aber keinesfalls posthum die Existenzberechtigung absprechen möchte. Vielmehr will ich damit sagen, dass es Anfang der 1990er Jahre einfach viel mehr sympathische und interessante Musik-Fanzines gegeben hat.

Das Heft #12 trägt übrigens die Selbstbezeichnung „Limitierte Kunstkacker-Ausgabe“, weil jedes Exemplar dieser Nummer mit einem extrem schlecht gemalten, aber dafür einzigartigen Wasserfarben-Bild auf dem Cover daher kommt. Das Archiv der Jugendkulturen hat allein sechs unterschiedliche Exemplare dieser Heft-Ausgabe. Ich mag mir gar nicht „ausmalen“, wie lange die gebraucht haben, um alle Umschläge zu bepinseln.

Christian

 

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#IZM2016 #Zines #Zineoftheday #Fanzine #Punk #Hardcore

Zine of the Day: Masculinities (USA)

Der Juli ist wieder International Zine Month (IZM). Aus diesem Anlass stellen wir euch auch dieses Jahr wieder einige aus unserer Sicht interessante Hefte aus der Fanzine-Sammlung des Archivs der Jugendkulturen als „Zine of the Day“ vor…

Umschlag von Masculinities

Umschlag von Masculinities

Masculinities ist ein Interview-Zine. Zine-Schreiberin Cindy befragt sieben Männer zum Thema Männlichkeit, über ihr Aufwachsen als junge Männer und ihr Hineinwachsen in queere, schwule, feministische Männlichkeiten. Die Interviews lesen sich wie persönliche Gespräche zwischen Freund_innen, denen wir erfreulicherweise zuhören können und zugleich als sehr pointierte queertheoretische Diskussion unter Männlichkeitsexpert_innen. Das Zine entwirft auf gut 25 Seiten ein Kaleidoskop unterschiedlicher Männlichkeiten, vom Aufwachsen in eine Kinderreichen matriarchal organisierten Familie auf einer Farm bis zur städtischen Gay-Punk-Community. Insofern könnte es auch als Lehrbuch der Maskulinismusforschung dienen. Es liest sich nur weitaus schöner als ein Lehrbuch.

Masculinities ist zu bestellen über Doris Press, den Vertrieb der Autorin Cindy Crabb, die übrigens auch das sehr empfehlenswerte Zine Doris herausbringt.

Almut

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#IZM2016 #Zines #Zineoftheday #Gender #Männlichkeit #Perzine

Zine of the Day: Sideburns #8 (Österreich)

Der Juli ist wieder International Zine Month (IZM). Aus diesem Anlass stellen wir euch auch dieses Jahr wieder einige aus unserer Sicht interessante Hefte aus der Fanzine-Sammlung des Archivs der Jugendkulturen als „Zine of the Day“ vor…

Sideburns #8_1

Sideburns #8 mit Filmdose als „Umschlag“

Manche Zines sind mehr als bloße Medien. Ihre Gestaltung macht sie zu regelrechten Kleinoden. Das Sideburns #8 von Andi Dvorak aus Wien ist für mich ein solches Schmuckstück. Dieses „Heft“ erschien irgendwann Mitte der 2000er Jahre und ist streng genommen gar kein Heft, sondern sprengt das typische Zeitschriften-Format, das die allermeisten Fanzines adaptieren. Im Gegensatz dazu erschien Sideburns #8 als Papierrolle in der Größe einer Filmrolle, die zusammen mit einem jeweils unterschiedlichen Gimmick (z. B. der Kugel einer hölzernen Perlen-Kette oder dem Säbel einer Lego–Piratenfigur) in einer entsprechenden Plastik-Filmdose mit Deckel. Die etwas mehr als eineinhalb Meter lange Papierrolle besteht aus acht beidseitig kopierten und mit Tesafilm aneinander gefügten Papierstreifen. Auf der Filmdose befinden sich zwei schmale Klebestreifen, einer mit dem Titel und der Nummer des Zines und ein anderer mit dem Zusatz: „The past can’t be undone“. Ich frage mich, wie lange Andi wohl gebraucht hat, um ein Exemplar von Sideburns #8 fertigzustellen, wie hoch wohl die Auflage dieser Ausgabe war und wie viel Arbeit es gemacht hat, die Filmdosen zu organisieren und sie zu bekleben, die Gimmicks in der passenden Größe zusammen zu tragen, die Kopiervorlagen für die Papierrolle herzustellen, sie beidseitig auf ein DIN A4-Blatt zu kopieren, sie zurechtzuschneiden, zu sortieren, in der richtigen Reihenfolge aneinanderzukleben und aufzurollen und das fertige Zine dann schließlich in diesem ungewöhnlichen Format zu verschicken. Sofort wird klar: Hier steckt enorm viel Herzblut und Leidenschaft drin! Das hier unterscheidet sich von den Kiosk-Magazinen und selbst den allermeisten Fanzines. Das hier ist augenscheinlich etwas sehr Persönliches.

Sideburns #8_2

Sideburns #8 – gerollt und nicht geheftet!

Inhaltlich geht es in Sideburns #8 auch tatsächlich um etwas sehr Persönliches: um zwischenmenschliche Beziehungen, um Liebe, Freundschaft und Vertrauen, aber auch um Enttäuschung, Herzschmerz und Trennung. Andi verarbeitet seine kürzlich gemachten Erfahrungen mit all dem in knappen handschriftlichen Notizen und kurzen Comic-Strip-artigen Zeichnungen. Seine in Schwarz-Weiß gehaltenen Bilder und Texte sind wie blitzlichtartige Moment-Aufnahmen aus dem Leben eines Unbekannten. Auch wenn sie sich auf konkrete Erlebnisse beziehen, deuten sie vieles bloß an, bleiben unscharf, uneindeutig und unvollständig. Gerade dadurch provozieren sie, die eigenen Erfahrungen und Erlebnisse mit den Höhen und Tiefen zwischenmenschlicher Beziehungen mit denen von Andi abzugleichen. Im Sideburns #8 zu lesen ist, als würde man durch das Fotoalbum eines unbekannten Menschen blättern und sich auf manchen Bildern selbst zu erkennen.

Insofern ist die Aufmachung dieses Zines mit seiner Analogie zu einer Filmrolle nicht bloß Spielerei. Der Inhalt findet hier auch seine Entsprechung in der Form und das Medium selbst wird Mittel des Ausdrucks. Im Gegensatz zu vielen Art Zines, denen das ebenfalls gelingt, fehlt Sideburns #8 allerdings jegliche Zurschaustellung eines arty farty-Unterbaus. Stattdessen kommt es völlig unspektakulär im Gestus von D.I.Y. daher und wirkt gerade deshalb extrem sympathisch. All das macht das Sideburns #8 für mich zu einem tatsächlichen Kleinod in unserer Zine-Sammlung.

Andi ist heute immer noch in Sachen D.I.Y. aktiv. Mit seinem Label Fettkakao veröffentlicht er neben Platten auch weiterhin eigene Fanzines.

Christian

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#IZM2016 #Zines #Zineoftheday #Perzine #Beziehungen #Artefakt

Zine of the Day: ALEX #9 – Privacy and Persona (USA)

Der Juli ist wieder International Zine Month (IZM). Aus diesem Anlass stellen wir euch auch dieses Jahr wieder einige aus unserer Sicht interessante Hefte aus der Fanzine-Sammlung des Archivs der Jugendkulturen als „Zine of the Day“ vor…

Vorderseite von Alex #9 - Privacy And Persona

Vorderseite von Alex #9 – Privacy And Persona

Alex #9 ist ein unglaublich persönliches Zine. Über Privatsphäre. Wie geht das zusammen: Verborgen bleiben wollen und fast intime Zines schreiben? Autor_in Alex/Anne tastet sich an eine Antwort heran, ob die Öffentlichkeit, in die ein Mensch mit seinem Zine tritt, mit dem Wunsch nach Privatsphäre vereinbar ist. Es liest sich wie lautes Denken, nimmt Familie, Freund_innen, Kolleg_innen, soziale Netzwerke mit in den Blick. Ebenso sezierend-beobachtend werden Alltagserlebnisse und Gedanken seines/ihres queeren Lebens durchbuchstabiert in dem Versuch, sich der eigenen Identität verbal zu nähern. Unbedingt lesenswert!

Anja

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#IZM2016 #Zines #Zineoftheday #Gender #Privacy #Perzine

Zine of the Day: Die Kunst ist, über’s Kind zu rotzen (Deutschland)

Der Juli ist wieder International Zine Month (IZM). Aus diesem Anlass stellen wir euch auch dieses Jahr wieder einige aus unserer Sicht interessante Hefte aus der Fanzine-Sammlung des Archivs der Jugendkulturen als „Zine of the Day“ vor…

Cover von "Die Kunst ist, über's Kind zu rotzen"

Cover von „Die Kunst ist, über’s Kind zu rotzen“

„Die Kunst ist, über’s Kind zu rotzen. Lach- und Sachgeschichten über Schwangerschaft, Geburt und andere Körperfunktionen“ – Nein, dieses Zine ist kein Biologie-Ratgeber! Es enthält auch keine Schwangerschaftstipps und auch alle, die sich einen Erklärbär-Einspieler im „Sendung mit der Maus“-Stil erhofft haben, muss ich leider enttäuschen.

Clara mit Zine als Tarnung vor gewalthaltigen Büchern

Clara mit Zine als Tarnung vor gewalthaltigen Büchern

Stattdessen ist dieses Zine eine malerische, hemmungslos direkte Erzählung einer Schwangerschaft, die oft unverhofft, aber doch oft öfter als erhofft in das Leben vieler Menschen mit Gebärmutter tritt. Und wie der Titel schon sagt: Es geht – wie in so vielen Geschichten um Schwangerschaft – ums Kotzen, Rotzen und das, was das da mit dem Körper macht. Ich habe dieses Zine als eins der ersten in meinem Leben in meiner Hand gehabt und konnte es erstmal nicht loslassen. Vielleicht nicht nur, aber auch, weil die Komposition aus Worten und kleinen Zeichnungen am Rande, einfach authentisch rüberkommt.

Clara

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#IZM2016 #Zines #Zineoftheday #Schwangerschaft #Punk #Perzine

 

 

 

Zine of the Day: Falafel #1 (Brasilien)

 

Falafel_1_Falafel #1 (2012)

Falafel #1 (2012)

Falafel_2_Interview mit Lara Miranda

Interview mit Lara Miranda

Falafel_3_Zeichnung Eng Gee Fan

Zeichnung von Eng Gee Fan

Falafel ist mir aufgefallen, weil es auf meinem Tisch lag, mit der Notiz einer Kollegin* – „wo soll ich diese schönen Sachen einsortieren“.

Es handelt sich bei diesem kleinen Kunstwerk um ein Art-Zine eines brasilianischen Künstler_innen*kollektivs. Seit der ersten Ausgabe 2012 sind bisher 8 Zines erschienen (http://fanzinefalafel.blogspot.de/). Ziel des Kollektivs ist es, verschiedenen – bisher unbekannten – Künstler_innen* die Möglichkeit zu geben, sich fernab der dominanten Strukturen der Kunstszene zu präsentieren.

Falafel_4_Zeichnung Mariana Moysés

Zeichnung von Mariana Moysés

Lara Miranda, Eng Gee Fan und Mariana Moysés erzählen in Kurzinterviews vom sich Eingeengt-Fühlen in der Universität sowie vom Suchen nach Freiräumen, um Inspirationen für ihre besonderen Arbeiten zu finden.

Mehr zum International Zine Month gibt es hier.

#IZM2016 #Zines #Fanzines #Zineoftheday #Jugendkulturen #Kunst #Brasilien

Lara