Zine of the Week: Fleisch mit weißer Soße #August2016

Es ist International Zine Month! Zeit für einen Einblick in die Fanzinesammlung des Archivs der Jugendkulturen, in der sich inzwischen mehr als 20.000 Einzelhefte befinden. Heute rezensiert Giuseppina Lettieri aus dem Team Diversity Box.

Das Zine „Fleisch mit weißer Soße“ ist im August 2016 erschienen und eigentlich längst überfällig mal von unserer Seite rezensiert zu werden. Allein der Titel irritiert mich schon seit langem, weil er mehr Rätsel aufgibt als wirklich Hinweise zum Inhalt des Zines- jedenfalls für mich. Nach dem ersten Lesen ist immerhin das etwas klarer. Es geht um Sexarbeit oder besser gesagt um einen persönlichen, wenn auch sehr fragmentarischen Einblick in das Leben einer Person, die im Puff arbeitet.

Und was dann in diesem 14 Seiten dünnen Zine folgt, erinnert ein kleines bisschen an William S. Burroughs „Naked Lunch“ vom Stil, sprachlich jedoch ehrlicherweise eher an Tagebuch-Einträge. Gedanken, scheinbar wahllos aufeinanderfolgend, geben Einblicke in Lebensmomente aus dem August 2016: das konfliktive WG-Leben, unangenehme U-Bahn-Situationen, Migräneanfälle, depressive Phasen und ein erster Hinweis auf den ausgeübten Beruf als Sexworker. Immerhin ist das der längste Text in dem Zine und füllt eine ganze DIN A 6-Seite.

Vom Zine zum Buch

Da das Zine dahingehend nur diesen einen Vorgeschmack zum Thema Sexarbeit zu bieten hat, habe ich auch das gleichnamige Buch von Christian Schmacht, erschienen im Dezember 2017, gelesen. Cut and Paste als künstlerisches Stilmittel durchzieht auch die 105 Seiten des Buches. Auf dem Klappentext wird nun der Kontext geliefert, der dem Zine fehlte. Dort steht:

Christian Schmacht, durch seine Skandalkolumnen für das Missy Magazine bekannt geworden, schreibt in seiner autobiografisch inspierten Novelle über einen jungen transgender Mann, der als Frau verkleidet in den Bordellen Berlins anschafft.

Und sicherlich weiß auch ich durch die Kolumne in der Missy sowie durch die Social Media-Accounts von Christian Schmacht mehr über das Leben als Sexworker, über Körper-und Identitätsfragen, Konsum und das politisches Selbstverständnis des Autors. Mehr als mir manchmal lieb ist sogar, um ehrlich zu sein. In dem Buch beschreibt Christian Schmacht, warum Schreiben und sich der Welt mitteilen eine heilsame Wirkung hat und es nach dem eigenen Selbstverständnis nicht darauf ankommt, ob andere das hören oder lesen wollen:

Schreiben heißt: Ich existiere. Ich schreibe für mich, weil ich will und manchmal weil ich muss; um mich selbst zu erhalten. Oder zu halten. Ich habe mit meinen gedanken eine geschwindigkeit erreicht, mit der andere nur manchmal klarkommen.

Schreiben als Existenz- bzw. Daseinsberechtigung. Denn: Representation matters.

Sexarbeit ist Arbeit oder auch über die Banalität der Sexarbeit im Kapitalismus

Niemand hat sex außerhalb vom kapitalismus, aber darüber wollen viele gern hinwegsehen. bei liebe und sex denken sie, das ist so ursprünglich, das gehört mir, egal wie entfremdet ich sonst bin. Aber das ist nicht wahr und wir sexworker stoßen sie darauf, mit unserer bloßen existenz und das mögen sie nicht.

Das Sexarbeit Arbeit ist, ist in den queerfeminitischen Kontexten, in denen ich mich bewegen, nichts Neues, aber meine Berühungspunkte mit dem Thema waren bisher immer analytischer nicht persönlicher Natur. Ich habe keine Freund*innen, die Sexarbeit machen und beziehe meine Einblicke aus Aktivismus und Popkultur. Die Aktivistin Sylvia Rivera, Transfrau of Color, hat meinen Aktivismus vor einigen Jahren, als ich sie viel zu spät als zentrale Figur der Stonewall-Riots eher per Zufall entdeckte, seitdem stark geprägt. Und mit der Serie Pose stehen zum ersten Mal hauptsächlich BPoC Transfrauen im Mittelpunkt der Geschichte und geben Einblick in das New York der 80er und 90er Jahre, wo Sexarbeit einfach mit zum (Über-) Leben gehörte.

White Privilege

Geht es bei Pose und in den Interviews von Sylvia Rivera im STAR-Zine jedoch eher um die Adressierung struktureller Benachteilungen, wie Rassismus und Trans*feindlichkeit gegenüber BPoC Transfrauen und Queers, die oft einen sozio-ökonomischen Kosmos schufen, der die Sexarbeit bedingte, so anders ist der Einblick den Christian Schmacht als weiße Person in Deutschland aus den Jahren 2016 und 2017 schildert. Christian Schmacht reflektiert die eigenen Privilegien sehr gut und äußerst sich zudem politisch zu Rassismus, Klassismus, Misogynie und der kapitalistischen Verwertungslogik in der Gesellschaft an sich sowie zu Homo-und Transfeindlichkeit und rechter Gesinnung unter den Freiern und auch den Sexarbeiter*innen im Puff. Das blitzt aber immer wieder nur kurz auf. Zu kurz für mein Empfinden. Davon würde ich lieber mehr lesen. Stattdessen sind die Gedankensprünge und die wilde Aneinanderreihung von Themen (von Schernikau zum Dschungelcamp, von der Fashion Week zu Botox bis zum G20-Gipfel in Hamburg) das, was für mich am prägnantesten hängen bleibt. Das soll auch alles gar nicht kohärent sein, glaube ich, sondern Einblicke in die diffuse Gedankenwelt und das Seelenleben einer jungen weißen Trans*person geben, die zwischen Materialismus und Aktivismus schwankt:

Beispiel geld: Lieber wurde ich sexworker, als wenig geld zu haben und für oder gegen etwas zu kämpfen. Ich wollte teilhaben, am leben, mieten, konsumieren.

Fazit

Dieses Review ist eher ein ganz persönlicher Push aus meiner Komfortzone und lässt am Ende auch eher mehr Fragen offen, statt ein klareres Meinungsbild meinerseits erkennen. Die oft kontrovers geführten Debatten zum Thema Sexarbeit in feministischen Diskursen, lösen sich in meinem Kopf ab mit den kurzweilig verfassten Beiträgen von Christian Schmacht. Eines kann ich an dieser Stelle aber abschließend sagen: Nie habe ich vorher so ehrlich und banal über den Beruf Sexarbeiter*in gelesen, über die Langweile im Puff, wenn bei zu gutem oder zu schlechten Wetter die Freier wegbleiben. Davon geht sogar ein bisschen Faszination aus. Da ist die Frage nach dem Titel fast schon wieder vergessen.

Giuseppina Lettieri

Giuseppina schreibt aus einer cis-weiblichen, queerfeministischen, of Color-Perspektive. Sie leitet im Archiv ein queeres Bildungsprojekt und koordiniert seit 2019 den Queer History Month Berlin.

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Queere Fundstücke im Queer History Month

Zum Abschluss des Queer History Month, der in diesem Jahr unter Trägerschaft des Archiv der Jugendkulturen von Giuseppina Lettieri, Saskia Vinueza und Vicky Kindl koordiniert wurde, stellen wir euch einige spannende queere Fundstücke aus Archiv und Bibliothek vor.

Den Anfang macht das Fanzine „Alterna TV“ (TV steht dabei für „Transvestite“). Es erschien 1998 und richtete sich in erster Linie an „transvestites, cross dressers, transsexuals“, aber auch an alle anderen interessierten Menschen. Autorin Anna Key gibt in dem Heft, das wie ein klassisches Punk-Fanzine aus Schnipseln, Zeichnungen und Fotos zusammengeklebt ist, praktische Tipps zur Selbstverteidigung oder zeigt, wie Kleidung und Kosmetika günstig beschafft werden können. Mit viel Wut im Bauch kritisiert sie (trans-)sexistische Strukturen und das kapitalistische Wirtschaftssystem. Sehr lesenswert!

Das nächste Fundstück ist sogar preisgekrönt: 1995 gewann Heikes Läspen Comics den Preis des Interessenverband Comic e.V. ICOM. Darin illustriert Heike Anacker, Gründerin des dienstältesten deutschen Comic-Fanzines PLOP – Fanzine, (ihren) lesbischen Alltag ab den späten 1980er Jahren. „Die sporadisch erscheinenden Heftchen sind mal so was wie ein Gruß an alte Bekannte, mal ein erweitertes (verschlüsseltes) Tagebuch, oder der Auftakt zum Austausch über ein Thema, das mich gerade beschäftigt“, sagte sie dem Grrrl Zine Network in einem Interview. Die Comics sind handcoloriert und in einer Auflage von nur 30-100 Stück erschienen.

Ein weiteres Highlight: das US-amerikanische Fanzine „Shotgun Seamstress“ von Osa Atoe. „Shotgun Seamstress is a zine by & for Black PUNKS, QUEERS, MISFITS, FEMINISTS, WEIRDOS and the people who support us. This zine is meant to support Black People who exist within predominantly white subcultures, and to encourage the creation of our own,“ schreibt Atoe in Ausgabe Nummer 2. Die ersten sechs Ausgaben des Zines sind komplett vergriffen, aber 2012 auch als Buch erschienen. Das Buch zeichnet dabei sehr schön die thematische (Weiter-) Entwicklung des Zines nach, von einem Black Empowerment und Visibilty- Anspruch in Bezug auf Bands und Musik in der Punkszene hin zu einem vielschichtigeren Umgang mit Repräsentationsformen in der Gesellschaft, Ausschlußpraxen in der Punkszene und komplexen eigenen Fragestellungen zu Identitätspolitik*en. Mehr als empfehlenswert!

Zum Schluss noch ein Heft, das vor einigen Jahren schon einmal in diesem Blog besprochen wurde, aber nichts an Relevanz eingebüßt hat: „Ring of Fire“ #2 , 1997 in den USA von Hellery Homosex geschrieben und gezeichnet. „This zine promotes queer sex, genderfuck and the advancement of amputees everywhere“ kündigt Hellery gleich auf der ersten Seite an. Ein Jahr vor dem entstehen dieses Zines mussten ihr nach einem Trainhopping-Unfall beide Unterschenkel amputiert werden. Und so geht es in dem Heft um Trauma und darum, wieder laufen zu lernen, aber auch um Dating, Sex und darum eine „slutty dyke femme“ zu sein.

Das war nur ein kleiner Einblick in unsere Sammlung – bei uns vor Ort gibt es noch viel mehr spannendes zu entdecken!

Leben mit der Wahlfamilie-Queere Filme auf der Berlinale Pt.II

„So Pretty“ von Jessie Jeffrey Dunn Rovinelli

USA/Frankreich (2019)

Der Film „So Pretty“ macht seinem Namen alle Ehre. Er ist so schön queer und vielfältig, ohne dabei aufgesetzt zu wirken.

Filmstill aus: So Pretty, Land: USA/FRA 2019 Regie: Jessie Jeffrey Dunn Rovinelli 
Bildbeschreibung: Thomas Love, Edem Dela-Seshie, Sektion: Forum 
© 100 Year Films

Queere Nabelschau

Wie so oft bei Berlinale-Filmen besticht auch dieser Film dadurch, das bewusst auf ein Narrativ verzichtet wird. Wenn überhaupt hat der Film essayistische und dokumentarische Züge. Es ist eher ein kurzweiliges Porträt einer queeren Wohngemeinschaft in New York. Wobei das Ganze auch irgendwo in London oder Berlin spielen könnte. Ein Gefühl von Zuhause sein macht sich breit, jedenfalls für queere Menschen, die gerne in diese Wohlfühlblase der selbstgewählten queeren Wahlfamilie, die hier die Hauptrolle spielt, eintauchen möchten.

Frühstücken, lesen, Sex haben

Ein Ausgangspunkt bzw. der grobe Entstehungskontext von „So Pretty“ hängt mit einer Novelle von Roland M. Schernikau zusammen. Dabei ist der Film aber bewusst keine Adaption. Die Textfragmente aus „Als der Prinz mit dem Kutscher tanzte, waren sie so schön, daß der ganze Hof in Ohnmacht fiel“ bieten den Protagonist*innen in „So Pretty“ eher immer wieder Anhaltspunkte über Liebe und Beziehungen sowie über Kapitalismus und Kommunismus zu sprechen. Das wird eingewoben in ganz alltägliche Handlungen. Es wird philosophiert im Bett, am Küchentisch oder auf dem Weg zur nächsten Party. Generell sehen wir dieser New Yorker Queer-WG beim frühstücken, beim zähneputzen, beim duschen und beim Sex zu. Relativ oft beim Sex sogar, zu zweit oder zu dritt, kinky oder sanft.

Filmstill aus: So Pretty , Land: USA/FRA 2019 ,Regie: Jessie Jeffrey Dunn Rovinelli 
Bildbeschreibung: Phoebe DeGroot, Thomas Love, Jessie Jeffrey Dunn Rovinelli 
Sektion: Forum, © 100 Year Films

Zweisamkeit: ein positives oder negatives Konzept?

Besonders schön ist der liebevolle und bedachten Umgang, die Verbundenheit und Zärtlichkeit innerhalb der Gruppe, die eigentlich alles miteinander teilen. Das sich dabei die Beziehungskonstellationen immer wieder ändern, macht auch im übertragenen Sinne das Ringen mit dem Wort Zweisamkeit deutlich. Übersetzt man Zweisamkeit mit coupledom oder eher mit togetherness ins Englische fragen sie sich. Ist Zweisamkeit als Konzept bei Schernikau etwas Positives oder Negatives? Fragen ohne Antworten. Nichts ist konstant in diesem Film. Alle sind auf der Suche. Nach Identität, Nähe, Liebe und Verständnis. Dadurch verändern sich immer wieder Lebens-und Wohnzusammenhänge, Liebesbeziehungen und Geschlechteridentitäten. Die einzige beständige Komponente des Films ist die Freundschaft untereinander, egal wer mit wem gerade ins Bett geht. Einfach eine queere Wahlfamilie. Real dargestellt. Nichts wird als besser oder perfekter inszeniert, aber eben etwas schöner.

Fazit

Als queere Person tut es einfach gut einen Film zu sehen, der in Fragen der Repräsentation und Sichtbarkeit queerer Vielfalt viel richtig macht. Ein wenig zu selbstreferentiell ist der Film vielleicht geworden und wirkliche Fragen, die sich in queeren Communities gestellt werden, werden hier nicht mal ansatzweise thematisiert. Es gibt nur eine Szene, die Polizeigewalt gegen Schwarze und of Colour Queers behandelt, ohne dass darüber danach gesprochen wird. Es ist eher ein Film der das Private zum politischen macht und darin liegt auch die Schönheit dieses utopischen Werks, in dem ein Mikrokosmos abgebildet wird, in dem Geschlechtsdefinitionen, Beziehungsnormen und gesellschaftliche Konventionen keine Rolle spielen. „So Pretty“ bestätigt vor allem queere und marginalisierte Menschen. Der Film betont, dass sie in jeder Faser ihrer Individualität wichtig und schön sind, dass ihre Art zu Leben und zu Fühlen, eine politische Liebe ist, die in Zeiten konservativer Backlashs, eine starke Intervention gegen den Mainstream darstellt.

Saskia Vinueza und Giuseppina Lettieri

Projekt „Diversity Box“

Queere Filme auf der Berlinale 2019 Pt.I

The Garden von Derek Jarman, 1990

Die Sektion Forum Expanded auf der Berlinale zeigt oft Filmklassiker, die mit den gängigen Sehgewohnheiten brechen und durch Experimentierfreude und ungewohnte ästhetische Handschrift bestechen. Mit Derek Jarmans “The Garden” findet nun ein Film- in restaurierter Fassung- seinen Weg zurück auf die Berlinale, der dort 1991 zum ersten Mal aufgeführt wurde. Und damit sich der Kreis schließt, findet die Filmvorführung in diesem Jahr an dem gleichen Ort, wie vor 28 Jahren statt: Im schönen Delphi Filmpalast.

Homosexualität und Christentum

Diesen Film zu rezensieren erscheint als eine fast unlösbare Aufgabe, jedenfalls für mich. Wenn es überhaupt einen erkennbaren roten Faden in diesem Werk Jarmans gibt, dann entspinnt sich dieser um die Themen Homosexualität und Christentum. Darum ranken sich die meisten oppulent, oft schwer verdaulich in Szene gesetzten Bilder. Es gibt ein schwules Liebespaar, das in Zweisamkeit Zuneigung austauscht und Liebe erfährt. Erst als sie auf weitere Menschen treffen, wie z.B. in der Herrensauna, scheint das Glück erste Risse zu bekommen und eine diffuse Gefahr für diese Liebe wird angedeutet. Als sie schließlich- ohne genauere Kontextualisierung- von der Polizei verhaftet und gefoltert werden, nimmt das Unglück seinen Lauf. Hier kommt auch Jarmans (von mir unterstellte) eher anstrengende künstlerische Faszination mit dem Christentum, genauer mit der Passion Christi, zum Tragen (Vergleiche zu Pier Paolo Pasolinis filmischen Schaffen drängen sich zwangsläufig auf). Denn das schwule Liebespaar muss nach der Folter- einer für meinen Geschmack viel zu langen Sequenz aus Peitschenhieben- gemeinsam ein Kreuz tragen und sie sterben (anscheinend) durch Kreuzigung (immerhin etwas, was Jarman unserer Imagination überlässt und uns in Bildern erspart).

Fragmentiert, verstörend und wortkarg

Doch kann in diesem Film grundsätzlich kaum von einem Hauptplot gesprochen werden. Der Film ist sehr zerfasert, viele Bilder und Sequenzen erscheinen fast schon willkürlich aneinandergereiht oder wiederholen sich, sei es Tilda Swinton in der Rolle der Madonna mit Kind, die von Paparazzis erst fotografiert und dann gejagt wird oder das sehr oft bemühte Bild einer großen Tafel am Strand, die an das letzte Abendmahl erinnert. Auch Jarman selbst ist immer mal wieder Protagonist, dieses fast komplett ohne Worte auskommenden Films. Er macht zu Beginn und am Ende Voice-Overs, die den Film rahmen und in einigen der Filmsequenzen sieht man Jarman in seinem eigenen Garten sitzen: Der filmgebende Titel.

Fazit

Selten bin ich so verstört in die Berlinale gestartet, wie in diesem Jahr. Das Jarmans Film sicherlich kein Feuerwerk der guten Laune wird, war mir zwar klar, dennoch hinterlassen die vielen für mich triggerwarnungswürdigen Filmszenen in der Fülle sowie der ausgespielten Länge, ein mehr als ungutes Gefühl beim Verlassen des Kinosaals. An einigen Stellen wirkt der Film wie ein nie enden wollender, qualvoller Fiebertraum. Dass Jarman mit diesem Film seine HIV-Erkrankung künstlerisch verarbeiten wollte, die zu Beginn der 1990er tragischerweise noch viel zu oft einem Todesurteil gleichkam, verleiht diesem Werk zwar mehr Tiefe und lässt seine Verzweiflung über sein Schicksal verstehen (er verstarb 1994), dennoch macht es den Film kaum leichter zu ertragen- weder visuell noch emotional. Vielleicht wäre das Geld, das für die Restauration des Films ausgegeben wurde, doch besser in den Händen von queeren Nachwuchsregisseur*innen aufgehoben gewesen.

Giuseppina Lettieri

Projektleitung Diversity Box

„Alle mitgedacht?“ Vielfalt in der Bildungsarbeit thematisieren

Diversity Box- Vernetzungstreffen in Dessau

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Unser Projekt zu sexueller und geschlechtlicher Vielfalt „Diversity Box“ lädt ein zum Vernetzungstreffen nach Dessau/Sachsen-Anhalt am 12.November im Mehrgenerationenhaus (Erdmannsdorff Straße 3, 06844 Dessau) von 11.00 bis 17.00.

Gemeinsam wollen wir uns darüber austauschen, wie wir Rechtspopulismus entgegenwirken, Vielfalt stärken und LSBTI* in der Bildungsarbeit thematisieren können.

Unsere in Dessau gemachten Erfahrungen zu diesen Themenbereichen, möchten wir Ihnen gerne vorstellen sowie nach einem fachlichen Input von Jürgen Rausch vom LSVD Projekt „Mteinander stärken- gemeinsam Rechtspopulismus entgegenwirken“ mit Ihnen in drei thematischen AGs ins Gespräch kommen.

AG 1
Alles Inklusiv? Zum Wandel der Bildungsarbeit mit Jugendlichen
AG 2
Jugendkulturelle und medienpädagogische Workshops mit Jugendlichen: Was lernen für die eigene Praxis?
AG 3
Vielfalt in Stadt und Land – Was ist gleich? Was ist anders?

ABLAUF
11.00 Ankommen
11.15 Begrüßung und Ergebnis-Präsentation unserer Bildungsarbeit mit Jugendlichen in
Dessau (Giuseppina Lettieri, Projektleitung Diversity Box)
11.30 Einführungsvortrag zu “Bildungsarbeit zu sexueller und geschlechtlicher Vielfalt in Stadt und Land unter Berücksichtigung von Vielfalt und Inklusion” (Jürgen Rausch/ LSVD)
12.30 Kaffee-Pause
12.45: 1. AG-Phase
AG 1: Alles Inklusiv? Zum Wandel der Bildungsarbeit mit Jugendlichen
AG 2: Jugendkulturelle und medienpädagogische Workshops mit Jugendlichen: Was lernen für die
eigene Praxis?
AG 3: Vielfalt in Stadt und Land: Was ist gleich? Was ist anders?
14.00: Imbiss und Getränke
15.00: Spoken Word Auftritt Tom Mars (Poetry Slam, Spoken Word Künstler)
15.30: 2. AG-Phase (Vertiefung und Bündelung der AG-Diskussion)
16.30: Kaffee-Pause
16.45: Abschlußrunde AG-Ergebnis-Präsentation
17.00: Ausklang

Anmeldungen bitte bis zum 08. November 2018 unter: diversitybox@jugendkulturen.de mit Angabe der gewünschten AG (Erst- und Zweitwunsch).

Die Teilnahme ist kostenlos. Für Getränke und Essen wird gesorgt. Bei der Anmeldung bitte mitangeben, ob vegetarische/ vegane Kost gewünscht ist und ob Lebensmittelallergien.

Das Vernetzungstreffen wird gefördert von

Zine of the Day: Sycamore #1 (Deutschland)

Der Juli ist wie immer International Zine Month (IZM). Aus diesem Anlass stellen wir euch wieder, wie in den letzten Jahren, einige aus unserer Sicht interessante Zines aus der Sammlung des Archivs der Jugendkulturen als „Zine of the Day“ vor…

Sycamore– Ein queerfeministisches Heavy Metal Fanzine. Zugegeben, nicht unbedingt zwei Dinge, die bei mir auf den ersten Blick zusammengehen: Queerfeminismus und Heavy Metal. Meine Assoziationen mit Heavy Metal sind eher: männlich dominiert, weiß und trotz bestimmter Spielarten im Bereich Gender (lange Haare, enge Lederkluft und Schminke) eher reaktionär in der Grundhaltung zu Sexualität und Geschlecht als offen für subversive Queerness.

Also nicht unbedingt die besten Grundvoraussetzungen für mich, um ein Zine aus diesem Bereich vorzustellen. Doch schon der erste Blick ins Heft verfängt. Das hier ist ein ambitioniertes Projekt. Schon im Editorial „Heavy Metal needs a Thunderstrike“ wird das mehr als deutlich. Die beiden Zinemacher*innen sind ganz schön angepisst von dem Status Quo im Metal, haben viel zu sagen und wollen vor allem an den Missständen in der Szene etwas ändern. Es geht um Sexismus, Misogynie und sexuelle Gewalt im Metal, aber auch um das Anprangern von bekannten Reflexen des Tabuisierens und Kleinredens dieser Probleme. Ein Call for Action #Kill the King, das durchaus Parallelen zu dem mittlerweile legendären Riot Grrrl Manifesto aufweist, soll die metaleigene #metoo Debatte befördern. Um das zu initiieren gibt es im Zine mehrere Berichte von Betroffenen, die sexuelle Gewalt oder Sexismus und Misogynie erfahren haben. 

Auch der Dominanz weißer, heterosexueller cis-Männer im Metal soll mit diesem Zine etwas entgegengebracht werden. So gibt es vordergründig Interviews mit Bands und Musiker*innen (Maggot Heart, Winds of Genocide) sowie Artikel von und über Frauen*, Queers und Trans*Menschen aus der Metal-Szene. Doch das Sycamore Kollektiv will nicht nur Fanzine sein. Das seit Mai 2017 gestartete internationale Netzwerk soll weiter wachsen und will in Zukunft auch eigene Veranstaltungen organisieren sowie eine Datenbank ins Leben rufen, in denen Frauen*/ queere Musiker*innen erfasst werden. 

Nun sind die hier angesprochenen Probleme sicher nicht das negative Alleinstellungsmerkmal der Metal-Szene. Schon die Riot Grrrls Anfang der 90er Jahre prangerten diese Themen im Punk und Hardcore an. Und auch female: pressure (Fokus: Techno/ elektronische Musik) arbeitet seit gut 20 Jahren an dem Abbau sexistischer Strukturen in der Musikindustrie durch Awareness Kampagnen, wie den VISIBILTY Blog sowie durch Festivals, Parties, Booking und eine eigene DJ/ Musiker*innen- Datenbank. 

Dennoch: Die Macher*innen des Sycamore- Zines schaffen hiermit einen ersten wichtigen Aufschlag, um die Sichtbarkeit von Frauen*, Queers und Trans* Menschen im Metal herzustellen, ihnen eine Plattform für ihre Meinungen und Veränderungswünsche zu bieten und um in die eigene Szene und ihre blinden Flecken hineinzuwirken. 

Fazit

Ein sehr politisches Zine, das fast alles richtig macht und von dem wir in Zukunft hoffentlich noch mehr lesen werden. Für das nächste Ausgabe wäre es aus meiner Sicht jedoch wünschenswert, mehr of Color-Perspektiven zu integrieren. Ein Anspruch, dem die erste Ausgabe leider nur bedingt gerecht wird. 

Das Sycamore- Kollektiv sucht übrigens noch nach Mitstreiter*innen.

Bei Interesse meldet euch gerne hier:

Facebook 

Email

Mehr Infos zum International Zine Month (IZM) sind hier zu finden.

Giuseppina 

Projektleitung „Diversity Box“

Diversity Box goes Sachsen-Anhalt

Projekttage zu sexueller und geschlechtlicher Vielfalt am Philanthropinum Gymnasium in Dessau

Am 30. und 31.01.2018 Januar hatten wir mit unserem Projekt  „Diversity Box“ die Möglichkeit nach Dessau zu fahren, um dort mit Schüler*innen der 9. Klassen des Philanthropinum Gymnasiums zwei gemeinsame Projekttage zu gestalten.
Die Schüler*innen konnten zusammen mit unseren Diversity Box-Teamer*innen und Szeneexpert*innen im Video-, Rap-, Fotografie- und Comic-Workshop eigene Meinungen und Ideen zu sexueller und geschlechtlicher Vielfalt entwickeln und kreativ umsetzen.

Im Fotografie-Workshop wurden Geschlechterrollen und-stereotype aufgebrochen und irritiert. Dabei entstanden die Fotostrecken: „Der Winkel macht den Unterschied“, „ Break the Genderrules!“, „Klischees? Schon längst veraltet!“, „Andersrum ist nicht verkehrt“, „Show yourself, don’t be afraid“ und „Kleider machen (Mädchen) Leute“.

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Im Comic-Workshop entstand das Comic „City of Love“. Darin konnten die Schüler*innen eine eigene queere Liebesgeschichte in Zeichnungen und Text umzusetzen, die sich mit gleichgeschlechtlicher Liebe, Diskriminierung und Akzeptanz auseinandersetzt.

Der Kurzfilm „Who do you see in the mirror“ des Video-Workshops behandelt die Themen Geschlechterrrollen, Trans* Identität, Anerkennung von Vielfalt und Zusammenhalt in der Schule.Hier konnten die Schüler*innen entweder hinter der Kamera, u.A.  als Regisseur*in oder Kameraassistent*in stehen oder vor der Kamera als Schauspieler*innen agieren.

Im Rap-Workshop wurden viele Methoden des kreativen Schreibens ausprobiert und die Jugendlichen konnten ihre eigene Eindrücke und Erfahrungen zu den Aspekten Geschlecht, Identität und  Vielfalt in Rap-Texte transportieren. Die Teamer*innen stellten dafür Sprechgesangtechniken und eigene Rapsongs vor.

Die Projekttage in Dessau wurden durch die Förderung des LUSH-Charity Pot ermöglicht, wofür wir uns an dieser Stelle nochmal herzlich bedanken.

Mehr zum Projekt unter http://www.diversitybox.jugendkulturen.de

oder in diesem Clip

Euer Diversity Box-Team

Giuseppina, Saskia und Vicky

Soziale Medien und Diskriminierung

Für die Veranstaltung am 07. Dezember 2017 freuen wir uns sehr Tarik Tesfu („Tariks Genderkrise“, „Jäger& Sammler“/ Funk) als Referenten gewonnen zu haben. Es geht an diesem Fortbildungstag „Hate me Baby one more Time“ um Soziale Medien und Diskriminierungsformen und das Aufzeigen von Handlungsmöglichkeiten gegen Hate Speech zu Gender und Homo-und Transfeindlickeit im Netz.

Multiplikator*innen aus verschiedenen Bereichen, wie der Jugend-,Bildungs- und Sozialarbeit soll der Bildungstag eine Fortbildungsmöglichkeit bieten, um sich über Hate Speech und neue Formen der Ausgrenzung und Abwertung im Social Media Bereich zu informieren und sich über Handlungsmöglichkeiten dazu auszutauschen.

Referent*:
Tarik Tesfu. Tarik Tesfu betreibt seit 2015 einen eigenen YouTube-Kanal. „Tariks Genderkrise“ und ist zudem bei dem Online-Medienangebot „Funk“ der öffentlich rechtlichen Sender bei dem Format „Jäger&Sammler“ aktiv. Tarik Tesfu widmet sich aktuellen politischen und gesellschaftsrelevanten Themen in seinen Videos und kritisiert auf unterhaltsame Weise Rassismus, Rechtspopulismus oder Heteronormativität.

Teilnahmegebühr: 4,40 Euro

Die Veranstaltung ist offen für alle Interessierten.

Wir bitten um verbindliche Anmeldung bis zum 25.11.2017 bei saskia.vinueza@jugendkulturen.de

Die Teilnehmer*innenzahl ist auf 15 Personen begrenzt.

Hinweis:

Da wir nur 15 Teilnehmenden die Möglichkeit geben können die Fortbildung wahrzunehmen, möchten wir darauf hinweisen, dass die Anmeldung verpflichtend zu verstehen ist. Falls Sie verhindert sind, bitten wir darum mindestens 4 Tage vorher abzusagen, damit andere Interessierte nachrücken können.

Für einen Imbiss (vegetarisch/vegan) wird gesorgt.
Der Veranstaltungort ist barrierearm.

Eine Förderung ist bei der BpB beantragt.

„Wer war eigentlich Lili Elbe?“- Projektwoche zu LSBTI*-Identitäten in Berlin damals und heute

Eine Frage, die sich die Schüler*innen des Hermann-Hesse Gymnasiums während der Projektwoche „Auf den Spuren von Lili Elbe-LSBTI* Identitäten in Berlin damals und heute“ vom 10. bis 14. Juli 2017 gemeinsam mit dem Projekt „Diversity Box“ des Archiv der Jugendkulturen e.V. gestellt haben.

Es wurde eigenständig recherchiert und zudem bei der Expertin Niki Trauthwein des Lili Elbe Archivs nachgefragt. Sie gab den Schüler*innen in einem Vortrag Einblicke in die Vielfalt Berlins in den 1920er und beginnenden 1930er Jahre. Niki Trauthwein berichtete von Orten, wie dem Eldorado, einem beliebten Lokal für Schwule und Lesben in Berlin, vom Institut für Sexualwissenschaften sowie dem Forscher Magnus Hirschfeld, einem zentralen Vorreiterr in der Forschung zu sexueller und geschlechtlicher Vielfalt, der selbst auch als Aktivist für die Gleichstellung von LSBTIQ*-Menschen von Bedeutung war.

Lili Elbe, eine dänische Inter*person suchte ärztlichen Rat bei Magnus Hirschfeld in Berlin im Jahr 1930, da die Forschung zu Trans*-und Inter*geschlechtlichkeit am Institut für Sexualwissenschaften, vor allem von Magnus Hirschfeld mit vorangetrieben wurde.

Mit diesen Informationen im Gepäck erforschten die Schüler*innen gemeinsam mit Diversity Box-Teamer*innen in zwei parallel gelaufenen Workshops, Video und Comic,  weitere Aspekte der Vielfalt, Akzeptanz und Sichtbarkeit queerer Menschen in Berlin damals und untersuchten Parallelen sowie Unterschiede zum Leben queerer Menschen heute in Berlin.

Die Schüler*innen im Video Workshop entschieden sich in der Kreativphase der Projektwoche für eine spannende Symbiose von Realität und Fiktion. Zuerst ging die Reise zurück ins Berlin der 1920er Jahre. Ein Abend im Lokal „Eldorado“ wurde im Stummfilm-Stil umgesetzt, die Schüler*innen konstümierten sich und versetzten sich in queere Menschen der damaligen Zeit.

Danach ging es an aktuelle Orte queerer Vielfalt in Berlin, wie den Nollendorfplatz in Schöneberg und in den Südblock am Kottbusser Tor in Kreuzberg.

Die Schüler*innen filmten und interviewten dabei Tülin Duman, die Geschäftsführerin des Südblocks sowie den Inhaber der queeren Buchhandlung Eisenherz am Nollendorfplatz. Heraus kam ein von den Schüler*innen selbst gestalteter 15-minütiger Film zu sexueller und geschlechtlicher Vielfalt, der den Bogen zwischen dem Berlin damals und heute spannt.

Im Comic-Workshop entstand das Comicheft „Auf ins Gute“, in dem die Schüler*innen Zeichnungen und Texte zu einer Geschichte über gleichgeschlechtliche Liebe, Diskriminierung und Akzeptanz formten. Hauptprotagonistinnen der Geschichte sind zwei Mädchen, die sich über die gemeinsame Recherche zum Leben von Lili Elbe und dem Berlin der 20er und 30er Jahre, näher kommen und schließlich in einander verlieben.  In ihrer Heimatstadt Nürnberg stößt ihre Liebe auf viel Widerstand, weshalb sie sich entscheiden gemeinsam nach  Berlin zu gehen, wo sie auf eine offenere Gesellschaft hoffen und die vielfältige queere Szene kennenlernen wollen:  Ihr „Umzug ins Gute“.

 

Ein Dank geht an alle Projektbeteiligten: Den Schüler*innen des Hermann-Hesse Gymnasiums, den Lehrer*innen Fernando da Ponte, Andreas Beck und Sandra Christall, den Teamer*innen Sanni Cabral, Nina Kunz, Lili Loge, Tine Fetz und den Projektmitarbeiter*innen Saskia Vinueza und Vicky Kindl.

Gefördert wurde diese Projektwoche „Auf den Spuren von Lili Elbe-LSBTI*-Identitäten in Berlin damals und heute“  von der LPB Berlin, der unser herzlicher Dank gilt.

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Vernetzungstreffen „Queere Bildung“ am 22.Juni 2017 // Projekt Diversity Box

Vernetzungstreffen -„Queere Bildung“ – Geschlechterreflektierte Bildungsarbeit in Berliner Schulen-

am 22.Juni von 10.00 bis 18.00 im Aquarium (Skalitzer Str. 6, Nähe Südblock)

ab 18.00: Ausklang mit DJ- SET von SANNI  (https://www.facebook.com/sanniest)

Unser Projekt „Diversity Box“ lädt ein zum Vernetzungstreffen „Queere Bildung“. Schwerpunkte unserer Arbeit sind die Sensibilisierung und Aufklärung von homo- und transfeindlicher Diskriminierung sowie die Sichtbarkeit und Repräsentation von queeren Lebenswelten in Jugendkulturen und Gesellschaft. Das Vernetzungstreffen „Queere Bildung“ richtet sich an unsere Berliner Kooperationspartner*innen sowie an interessierte Lehrkräfte, Sozialpädagog*innen, Erzieher*innen und Aktivist*innen, die sich zu Queer, Jugendkulturen und Bildungsarbeit austauschen möchten. Gemeinsam mit allen Teilnehmer*innen möchten wir diesen Tag als Raum für offenen Austausch, Reflexion, Empowerment und Vernetzung gestalten. Dabei stehen die Herausforderungen und Rahmenbedingungen der Arbeit zu homo- und transfeindlicher Diskriminierung im Kontext Schule und Jugendarbeit sowie die Belange und Erfahrungen der Teilnehmer*innen im Vordergrund.

Wir bieten drei thematische AGs an:

AG 1 – Die haben wir hier gar nicht?!- Queere Sichtbarkeit im Kontext Schule

AG 2 – Queere Bildungsarbeit intersektional

AG 3 – Queer & Jugendkulturen: Ansätze für die praktische Bildungsarbeit

Eingeleitet wird das Treffen durch ein Grußwort vom Queer History Month und einen Vortrag zu „Bildungsarbeit verqueeren“ von Prof. Dr. Melanie Groß.

Melanie Groß ist an der FH Kiel für angewandte Wissenschaften Professorin für Erziehung und Bildung mit dem Schwerpunkt Jugendarbeit. Ihre Forschungsschwerpunkte sind u. A. Jugend- und Protestkulturen, Intersektionalität und Ungleichheit, Poststrukturalistische Theorieansätze insb. Gender und Queer Studies.
Als Rahmenprogramm wird die Diversity Box- Ausstellung die Projektergebnisse aus unseren jugendkulturellen und medienbasierten Workshops für Jugendliche und Fortbildungen und Infoveranstaltungen für Multiplikator*innen aus Berlin präsentieren. Das Vernetzungstreffen „Queere Bildung“ veranstalten wir am Donnerstag, 22. Juni 2017 im Aquarium in Berlin- Kreuzberg und wir laden herzlich ein, diesen Tag gemeinsam mit uns zu gestalten.

Anmeldungen bitte bis zum 15. Juni 2017 unter: http://www.diversitybox@jugendkulturen mit Angabe der gewünschten AG (Erst- und Zweitwunsch).

Die Teilnahme ist kostenlos. Für Getränke und Essen wird gesorgt. Bei der Anmeldung bitte mitangeben, ob vegetarische/ vegane Kost gewünscht ist und ob Lebensmittelallergien bestehen.

Mehr Infos zu unserem Projekt unter: http://www.diversitybox.jugendkulturen.de

Diversity Box wird im Rahmen des Bundesprogramms „Demokratie leben“ des BMFSFJ gefördert.

Gender and Black Revolutionaries – Queer History Month meets Black History Month

Eine Kooperation zwischen Diversity Box und der Nelson-Mandela-Schule

Queer History Month im Februar? Ist da nicht auch Black History Month? Für die Schüler*innen der Nelson-Mandela-Schule war daher klar: ein Projekt mit Ihnen soll beides berücksichtigen – schwarze und queere Geschichte in Berlin. Die Grundidee war geboren. Im Rahmen einer Kick-Off-Veranstaltung wurde in Zusammenarbeit mit Giuseppina Lettieri und Tino Kandal vom Projekt Diversity Box des Archiv der Jugendkulturen e. V. aus der Idee ein Projekt für den Queer History Month 2017.

Die Schüler*innen suchten sich nach dem ersten Treffen acht queere und/oder schwarze Personen aus, die sie für revolutionär in ihrem Denken und Handeln halten und recherchierten dazu Orte in Berlin, die mit den Personen in Verbindung stehen. Die Wahl der Schüler*innen fiel auf: Gertrude Sandmann, May Ayim, Klaus Wowereit, Magnus Hirschfeld, Marlene Dietrich, Christopher Isherwood, Audre Lorde und David Bowie. Zu allen Personen wurden daraufhin Portrait-Schablonen angefertigt. In einem Diversity Box Street-Art-Workshop im Januar lernten die Jugendlichen, wie die Schablonen ausgeschnitten und dann auf die Platten gesprüht werden.

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Street-Art-Workshop im Archiv der Jugendkulturen e. V.

Mit dem Street-Art-Kunstwerken im Gepäck ging es dann im Februar zum Videodreh nach Schöneberg, Friedrichshain-Kreuzberg und Mitte. An den acht ausgewählte Orten, die in Verbindung mit den jeweiligen Personen stehen – ob Geburtshaus, Wohnort oder Wirkungsstätte – trugen die Schüler*innen eigene Statements vor und führten darüber hinaus noch Passant*innen und Expert*innen-Interviews durch.

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Videodrehtage in Schöneberg, Friedrichshain-Kreuzberg und Mitte

Das Ergebnis dieser schönen Kooperation ist ein 30-minütiger Videofilm zu „Gender und Black Revolutionaries“ in Berlin.

Ein großer Dank geht an die Schüler*innen der GenderSexuality Alliance der Nelson-Mandela-Schule und deren Lehrer Christopher Langhans, an Vicky Kindl und Saskia Vinueza für die inhaltliche und organisatorische Unterstützung des Projekts sowie Conny-Hendrik Kempe-Schälicke von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Wissenschaft.

Giuseppina Lettieri  (Projektleitung„Diversity Box“; http://www.diversitybox.jugendkulturen.de)

„Interventionsmöglichkeiten einer rassismuskritischen Bildungsarbeit zu Geschlecht und Sexualität“

Als anerkannter Träger der politischen Bildung freuen wir uns sehr über unsere neue Veranstaltungsreihe, die wir bei der bpb beantragt haben.

Die 1. Veranstaltung im April 2017 bieten wir zum Thema „Interventionsmöglichkeiten einer rassismuskritischen Bildungsarbeit zu Geschlecht und Sexualität“ an.

Multiplikator*innen aus verschiedenen Bereichen der Jugend- und Sozialarbeit soll der Bildungstag eine Fortbildungsmöglichkeit bieten, um neue Erkenntnisse und Interventionsmöglichkeiten einer rassismuskritischen Bildungsarbeit zu Geschlecht und Sexualität gewinnen zu können. Der Bildungstag hat das Ziel eigenes Handeln zu reflektieren, eigene Wissensquellen zu erweitern und einen Einblick in dekoloniale und queere Bildungsansätze zu vermitteln.

Wir freuen uns, SchwarzRund als Referentin für die Veranstaltung gewonnen zu haben.

Die Veranstaltung ist offen für alle Interessierten. Wir bitten um verbindliche Anmeldung unter archiv@jugendkulturen.de

Teilnahmegebühr: 7,50 Euro.

Für Verpflegung (vegetarisch/vegan) sowie die Bereitstellung von Infomaterial wird gesorgt.

Veranstaltungsort: Archiv der Jugendkulturen e.V./ Haus A, Fidicinstr.3 in 10965 Berlin

Datum und Uhrzeit: 06. April 2017 von 10.00 bis 17.00

Der Veranstaltungsort ist barBPB#1_HEADERrierearm.

Zine of the Day: Masculinities (USA)

Der Juli ist wieder International Zine Month (IZM). Aus diesem Anlass stellen wir euch auch dieses Jahr wieder einige aus unserer Sicht interessante Hefte aus der Fanzine-Sammlung des Archivs der Jugendkulturen als „Zine of the Day“ vor…

Umschlag von Masculinities

Umschlag von Masculinities

Masculinities ist ein Interview-Zine. Zine-Schreiberin Cindy befragt sieben Männer zum Thema Männlichkeit, über ihr Aufwachsen als junge Männer und ihr Hineinwachsen in queere, schwule, feministische Männlichkeiten. Die Interviews lesen sich wie persönliche Gespräche zwischen Freund_innen, denen wir erfreulicherweise zuhören können und zugleich als sehr pointierte queertheoretische Diskussion unter Männlichkeitsexpert_innen. Das Zine entwirft auf gut 25 Seiten ein Kaleidoskop unterschiedlicher Männlichkeiten, vom Aufwachsen in eine Kinderreichen matriarchal organisierten Familie auf einer Farm bis zur städtischen Gay-Punk-Community. Insofern könnte es auch als Lehrbuch der Maskulinismusforschung dienen. Es liest sich nur weitaus schöner als ein Lehrbuch.

Masculinities ist zu bestellen über Doris Press, den Vertrieb der Autorin Cindy Crabb, die übrigens auch das sehr empfehlenswerte Zine Doris herausbringt.

Almut

Mehr Infos zum International Zine Month (IZM) sind hier zu finden.

#IZM2016 #Zines #Zineoftheday #Gender #Männlichkeit #Perzine

Zine of the Day: Indulgence

Indulgence #7 (ca. 2002)

Indulgence #7 (ca. 2002)

Ich weiß nicht mehr genau, wie ich auf Indulgence gestoßen war. Es muss jedenfalls um 2002/2003 gewesen sein, als Eleanor aus New York City und ich zum ersten Mal Kontakt aufnahmen. Sie hatte bereits 1997 die Debüt-Nummer ihres Zines veröffentlicht, aber die erste Ausgabe, die ich in die Hände bekam, war Indulgence #7. Eleanor gelang mit ihrem Heft den Spagat zwischen einem Art Zine und einem Perzine mit queer-feministischem Standpunkt. Indulgence beinhaltete damit nicht nur interessante Artikel, sondern stach auch durch eine interessante Gestaltung aus der Masse der Zines dieser Zeit heraus.

Sie verwendete verschiedene Papierarten, Pappen und Folien innerhalb einer Ausgabe (u. a. Tapetenpapier), stellte eigene Stofftaschen für eine Ausgabe her und nutzte ungewöhnliche Fadenbindungen, Falzarten, Stempeldrucke, Letter Presses und andere Techniken, um jede Ausgabe von Indulgence zu einer besonderen zu machen. Man merkte diesem Zine einfach an, dass es jedes Mal mit viel Herzblut und Liebe zum Detail hergestellt worden war.

Innenteil von Indulgence #7 (ca. 2002)

Innenteil von Indulgence #7 (ca. 2002)

Dieser Enthusiasmus beeindruckte mich so sehr, dass ich den Kontakt mit Eleanor weiter aufrecht erhielt. Über die Jahre entstand daraus eine transatlantische Freundschaft und ein intensiver Austausch über Zine-Kultur. 2005 trafen wir uns zum ersten Mal in Berlin und die Jahre danach machte Eleanor während ihrer Europa-Trips immer wieder Abstecher in die Stadt. Sie half mir bei der englischen Übersetzung eines Artikels über ost- und westdeutsche Punk-Fanzines und ich war ganz gerührt, als sie sich im Vorwort ihrer Master-Arbeit über Zines für die Inspiration in Sachen Zine-Kultur und den gegenseitigen Austausch bei mir bedankte.

Auch wenn sie 2008 mit Indulgence #10 die Herausgabe ihres Zines vorerst eingestellt hat, ist Eleanor kulturell und künstlerisch bis heute sehr umtriebig. 2013 veröffentlichte sie ihr erstes Buch mit dem wundervollen Titel Grow: How to Take Your Do It Yourself Project and Passion to the Next Level and Quit Your Job!, das man hier erwerben kann. Sie veröffentlicht regelmäßig Beiträge in ihrem Blog Killerfemme und spielt in den Indie Rock-Bands Corita und Rules.

Indulgence #8 (2002/03)

Indulgence #8 (2002/03)

Auch wenn wir uns in den letzten Jahren leider nicht mehr gesehen haben, so stehen wir doch bis heute miteinander in Kontakt und schreiben uns in regelmäßigen Abständen. Es fasziniert mich bis heute, wie sehr das Interesse an so einer eigentlich banalen Sache wie Zines zum Ausgangspunkt einer Freundschaft werden konnte, die über einen ganzen Ozean hinweg und mittlerweile seit über zehn Jahre besteht. Allein aus diesem Grund bin ich froh, irgendwann einmal mit Fanzines in Kontakt gekommen zu sein.

Weitere Informationen über Eleanor und ihre Projekte sind auf ihrer Website zu finden.

Indulgence #9 (ca. 2005)

Indulgence #9 (ca. 2005)

Innenteil von Indulgence #9 (ca. 2005)

Innenteil von Indulgence #9 (ca. 2005)

http://www.stolensharpierevolution.org/international-zine-month

#IZM2015 #Zines #Artzine #Zineoftheday #Perzine #Queer #Feminismus #Kunst

– Christian (Zine Nerd)

Zine of the Day: La Moustache

La Moustache #1, 2013

La Moustache #1, 2013

La Moustache ist das Zine eines gleichnamigen Kollektivs, das schwerpunktmäßig queer-feministische Konzerte und Veranstaltungen in Berlin organisiert (http://lamoustache.org/). Die (bisher einzige) Ausgabe #1 gefällt mir sowohl stilistisch als auch inhaltlich ausgesprochen gut. Auf 38 Seiten sind überwiegend englischsprachige Texte, Kurzgeschichten und Interviews aus dem Themenspektrum der (queer-feministischen) DIY-Musikszene versammelt. Besonders schön ist der Auszug aus dem Interview-Magazin 13 Questions (www.13-questions.com), bei dem Musiker*innen 13 von 130 möglichen Fragen beantworten und dem Fragenpool jeweils eine neue Frage hinzufügen.

http://www.stolensharpierevolution.org/international-zine-month

#IZM2015 #Zines #Fanzines #Zineoftheday #Jugendkulturen #Queer #DIY #Feminismus

– Julia (Bibliothekarin/JuBri)

Zine of the Day: Bikini Kill

Bikini Kill #2, 1991

Bikini Kill #2, 1991

Für mich ist das Bikini Kill-Fanzine ein ganz besonderes Riot Grrrl-Fanzine. Ich liebe die gleichnamige Band Bikini Kill einfach bis heute für Songs wie „Rebel Girl“ oder „Suck my left one“ und drei der Bandmitglieder sind auch für dieses Fanzine verantwortlich. Allein deshalb bin ich schon ein Fan dieses Zines. Mir bedeutet dieses Heft aber auch deshalb so viel, weil ich mich als Feministin mit den dort vertretenen Riot Grrrls-Forderungen und –Idealen, nämlich den Feminismus aus den Hörsälen der Universitäten auf die Bühnen in den Clubs zu holen, auch persönlich identifizieren kann.

Neben der Musik waren die Zines das zentrale Kommunikationsmedium zur Vernetzung und zum Austausch der Riot Grrrls untereinander. Auch wenn die Hochphase der Bewegung Anfang der 1990er Jahre in der kleinen nordamerikanischen Stadt Olympia bereits längst vorüber ist, so bleiben die Themen, die im Bikini Kill #2 behandelt werden, bis heute (leider!) aktuell. Das Heft beschäftigt sich auf kritische Weise mit brisanten Themen wie Geschlechterrollen, Homophobie, sexuellem Missbrauch/Belästigung, Vergewaltigung, Fatshaming oder Sexismus in der Musikwelt. Das sind Themen, die sich auch in Zeiten von #aufschrei und antifeministischen Backlashs in den Medien und der Gesellschaft unschöner Kontinuitäten erfreuen. Umso mehr freut es mich, dass bedeutende Riot Grrrls wie Kathleen Hanna und Kathi Wilcox auch heute noch aktiv sind und weiterhin gegen gesellschaftliche Missstände anschreien. Revolution Grrrl Style Now!

http://www.stolensharpierevolution.org/international-zine-month

#IZM2015 #Zines #Fanzines #Zineoftheday #Jugendkulturen #RiotGrrrl #Feminismus #Sexismus #Homophobie

Giuseppina Lettieri

Zine of the Day: Ring of Fire

Ring of Fire #2, 1997

Ring of Fire #2, 1997

Zu diesem Zine namens Ring of Fire mit dem etwas unscheinbar schnoddrig aussehenden Cover habe ich eine ganz besondere Beziehung. Es muss der Sommer im Jahr 2000 oder 2001 gewesen sein, als ich mit einem Freund einen kleinen Trip nach England gemacht habe, da stolperte ich mehr aus Zufall in einem Infoshop in London über dieses kleine Heft. Die Rückseite zog mich gleich in den Bann. Dort war in Großbuchstaben zu lesen: „THIS ZINE PROMOTES QUEER SEX, GENDERFUCK, AND THE ADVANCEMENT OF AMPUTEES EVERYWHERE.“

Noch im Infoshop las ich das Vorwort des Zines von Hellery Homosex und musste erstmal schlucken: „On September 14, 1996 I was trainhopping for the first time with some friends and when I jumped off the train it ran over my legs and they were both amputated below the knee. (…) It’s really a freaky thing to deal with, but I figure the only way to make it through is to be a tough ass bitch.“

Ich kaufte also das offenbar letzte Exemplar dieses Zines und verschlang es regelrecht auf dem Rest der Reise. Hellery schrieb so mitreißend, bewegend, witzig, charmant, offenherzig und schmutzig über Themen wie „cripple sex“, Nagellack, S/M, Traumabewältigung, Phantomschmerzen, Masturbationstechniken und Queerness, durch die ich vollkommen neue Perspektiven kennengelernt habe. Etwas verstörend, aber auch so sympathisch „tough ass bitch“-mäßig ist die „List Of Reasons Why It Sucks To Be An Amputee“, der sie eine „List of Reasons Why It’s Better To Be An Amputee“, auf der z. B. Punkte aufgeführt sind wie „I always have plenty of leg room“ oder „My feet never stink“

Zurück in Deutschland wollte ich das Zine unbedingt in das Programm meines Fanzine-Mailorders aufnehmen. Ich schrieb Hellery einen Brief an die im Heft angegebene Adresse, aber die war bereits nicht mehr aktuell und mein Brief kam nach einigen Wochen mit dem Vermerk „Unbekannt verzogen“ wieder retour.

Ich habe damals lange hin und her überlegt, ob ich das Zine einfach auf eigene Faust nachkopieren und vertreiben soll, habe mich dann aber ganz bewusst dafür entschieden. Ring of Fire #2 war einfach eines der besten Zines, die ich bis dahin gelesen hatte. Und auch bis heute gehört es zu den Top 5 meiner All-Time-Zine-Faves.

Ich habe keine Ahnung, ob es an meiner überschwänglichen Werbung für das Zine lag oder einfach daran, dass Queer Politics und Gender Studies in dieser Zeit einfach brandaktuelle Debatten ausgelöst haben und sich die Leute deshalb so sehr für Ring of Fire interessierten. Jedenfalls verkaufte ich bestimmt an die 100 Kopien des Zines.

Einige Jahre später brachte mir übrigens eine Bekannte ein Exemplar von Ring of Fire #3 von ihrer USA-Reise mit. Auch das war wieder absolut umwerfend. Auch an die in diesem Heft angegebene Post-Adresse schickte ich wieder einen Brief. Und auch diese Adresse war nach zwei Jahren schon wieder veraltet und meine Post wurde ebenfalls wieder an mich zurückgeschickt.

Auch Ring of Fire #3 kopierte ich nach und davon verkaufte ich sicherlich ebenso viele Exemplare wie von der 2. Ausgabe.

Bis heute weiß Hellery Homosex sicherlich nicht, dass sie einen riesen Fan in Europa hat, dem es ein persönliches Anliegen war, ihre Hefte unter die Leute zu bringen. Aber wer weiß, vielleicht treffe ich sie ja in ein paar Jahren doch noch mal durch Zufall irgendwo und dann kann ich ihr hoffentlich eine kleine Geschichte erzählen, die ihr gefällt.

Übrigens: Ring of Fire #2 und #3 sowie weitere Veröffentlichungen von Hellery Homosex, die sich jetzt auch ET Russian nennt, erschienen letztes Jahr als Anthologie bei Left Bank Books. Die Paperback-Ausgabe kann hier bestellt werden.

Die Anschaffung lohnt sich mit Sicherheit!

http://www.stolensharpierevolution.org/international-zine-month

#IZM2015 #Zines #Fanzines #Zineoftheday #Jugendkulturen #Queer #Amputee

Christian (Zine Nerd)

Zine of the Day: Wer A sagt, muss nicht B sagen

Wer A sagt

Wer A sagt, muss nicht B sagen #3, 2014

Das Zine Wer A sagt, muss nicht B sagen ist ein „sexpositives Zine über A_sexualität“. Darin findet sich viel lesenswertes zu Sexualität und Asexualität, Freundschaft und Liebe, das viele unserer oft sehr schematischen Vorstellungen von all diesen Dingen hinterfragt und Raum für neue Perspektiven schafft.

Das Blog zum Zine: asexyqueer.blogsport.de

http://www.stolensharpierevolution.org/international-zine-month

#IZM2015 #Zines #Fanzines #Zineoftheday #Jugendkulturen

Daniel Schneider

Ein Mixtape von Kurt Cobain

Kurt Cobain. Montage of Heck

USA 2015

Der amerikanische Privatsender HBO ist vielen Serienfans vor allem durch so großartige und komplexe Fernsehproduktionen wie The Sopranos, The Wire oder True Detective bekannt. Doch auch im Feld der Dokumentationen hat sich HBO bereits einen Namen gemacht und zeichnet in einer ihrer aktuellen Produktionen das Leben des Nirvana-Sängers Kurt Cobain nach. Kurt Cobain. Montage of Heck wurde auf der schon etwas hinter uns liegenden Berlinale gezeigt und ist die erste voll autorisierte Dokumentation über das Nirvana-Mastermind. Sie verwebt original Super-8-Aufnahmen aus Cobains Kindheit und intime Filmaufnahmen aus seinem Familienleben mit Ehefrau Courtney Love und Tochter Frances Bean mit persönlichen Aufzeichnungen und Zeichnungen Cobains, die hauptsächlich seinen Tagebüchern entnommen sind. Durch Interviews mit Familienangehörigen und Freunden sowie animierten Filmsequenzen à la Waltz with Bashir wird dem Publikum zudem ein intimer Einblick in das Gefühlsleben, die Gedankenwelt und die Zerrissenheit dieses Sprachrohrs einer Generation geliefert – ein Sprachrohr, das er bekanntlich nie sein wollte, zu dem er aber vor allem auch durch die Medien in Zeiten des Grunge Hypes immer wieder gemacht wurde.

Der Titel dieser Dokumentation – Montage of Heck – geht zurück auf ein Mixtape Cobains aus dem Jahr 1986. Leider versäumt es die Dokumentation im späteren Verlauf näher auf dieses Mixtape einzugehen und daraus Rückschlüsse auf Cobains musikalische Sozialisation zu ziehen, so dass die Titelgebung doch etwas kontextlos wirkt. Stattdessen stellt der Regisseur Brett Morgan die Privatperson, das musikalische Genie Cobains und seine Punkrocksozialisation in den Vordergrund. Doch worin genau liegt der Mehrwert dieser Dokumentation, mehr als 20 Jahre nach seinem Tod? Denn über Kurt Cobain und Nirvana wurde schon viel geschrieben, gesagt und auch in Filmen wiedergegeben: sei es in Gus Van Sants fiktivem Spielfilm Last Days oder in Dokumenationen wie About A Son und Kurt & Courtney, um nur ein paar der vielen zu nennen.

Die Dokumentation wählt die chronlogische Erzählweise und zeigt neben den Etappen seines Privatlebens – Kindheit, Jugend und Familienleben – vor allem auch den Rockstar Cobain, von den Anfängen seiner musikalischen Karriere bis zum Durchbruch mit Nirvana. Nach dem Durchbruch geriet wiederum sein Privatleben in die Schlagzeilen, seine Drogensucht, die turbulente Ehe mit Courtney Love und der Sorgerechtsstreit mit der Stadt San Francisco nach der Geburt von Frances Bean Cobain schlugen sich enorm in den Medien nieder. Alles Facetten seines kurzen Lebens, die die Ambivalenz zwischen seinem Wunsch, auf der Bühne zu stehen und Musik zu machen, und dem verzweifelten Kampf darum, sein Privatleben vor sensationsgierigen Medien zu schützen, widergespiegelt.

Der Film beginnt mit fragmentarischen Interviewpassagen seiner Eltern und seiner Schwester. Die Kindheit und Jugend von Kurt Cobain wird als glücklich, aber auch sehr schwierig beschrieben. Durch seine Hyperaktivität und Unangepassheit wird er innerhalb der Familie herumgereicht, lebt abwechselnd bei seiner Mutter und seinem Vater, die sich früh trennen, sowie verschiedenen Tanten und Onkeln. Doch ein wirkliches Zuhause findet er nicht. Die Musik wird zu seinem einzigen Zufluchtsort und bildet eine der wenigen Konstanten seines Lebens. Über sie findet er sein Medium, um seine Gefühle der Ablehnung, Zurückweisung und Entwurzelung zu verarbeiten. Viele seiner Songs sind davon durchgezogen, wie u. a. „Heart Shaped Box“ oder „Something in the Way“:

Neben der Musik ist es vor allem das Kiffen, dass Kurt in seiner Jugend, sicher nicht untypisch für einen Jugendlichen, runterbringt. Visualisiert wird diese Phase durch Tagebucheinträge und Skizzen Cobains. Durch die vom Regisseur gewählte Machart, diese Einträge und Bilder zu animieren, wird das Gefühl vermittelt, direkt bei dem Aufschreiben der teilweise verqueren Gedanken und Gefühle Cobains dabei zu sein. Drogen, vor allem sein  selbstzerstörerischer Heroinkonsum, spielen auch im weiteren Verlauf eine entscheidende Rolle in dieser Dokumentation.

Viele Weggefährten kommen zu Wort. Seine Exfreundin Tracy Marander aus seinen Aberdeen-Tagen, Krist Novoselic, der früh mit Kurt in der Band spielte, die später als Nirvana berühmt werden sollte, und natürlich auch Courtney Love, seine Witwe und Frontfrau der Band Hole. Dave Grohl, der spätere Drummer von Nirvana und seit vielen Jahren Frontmann der Foo Fighters, taucht erstaunlicherweise nicht auf, und auch Frances Bean, die immerhin die Dokumentation mitproduziert hat, will anscheinend immer noch nicht vor die Kamera, um etwas über ihren Vater zu sagen. Verständlich, sowohl von Grohl, der sich vor Jahren mit Courtney Love überworfen hat, als auch von Frances Bean, die das Schicksal vieler teilt, die als Kind berühmter Eltern von Geburt an im Interesse der Öffentlichkeit stehen. Das Verhältnis von Grohl und Love hat sich jedoch kürzlich wieder etwas entspannt, was bei der Aufnahme von Nirvana in die Rock and Roll Hall of Fame im Oktober 2014 einem breiten Publikum deutlich wurde. 

Obwohl nicht wirklich neue Dinge ans Tageslicht kommen, berührt diese Dokumentation doch auf eine ganz eigene Weise. Vielleicht liegt es daran, dass ich mich, wie sicher viele andere auch, an die 1990er Jahre erinnere, in denen Grunge regelrecht explodierte und über alles in der Musikwelt hinwegfegte. Eine riesige Hypeblase entstand. Seattle wurde zum Mekka der Grungebewegung. Nirvana wurden zum „The next big thing“ erklärt und Kurt Cobain und Courtney Love waren für die Klatschpresse die Grungeversion von John Lennon und Yoko Ono. Kombiniert mit dem frühen Tod Cobains mit 27 Jahren, ergibt sich ein höchst explosiver Stoff, aus dem schon viel gestrickt wurde. Doch Brett Morgan schafft es, sich nicht mit Verschwörungstheorien um den Tod Cobains aufzuhalten, verpasst es allerdings einen wichtigen Aspekt seiner Persönlichkeit stärker herauszustellen, denn nur in wenigen Momenten scheint in dieser Dokumentation Cobains feministische Grundhaltung durch.

Die gegenseitige Beeinflussung von Grunge und der Riot-Grrrl-Bewegung sowie die Freundschaft zwischen Kurt Cobain und der Riot-Grrrl-Ikone Kathleen Hanna wird mit keinem Wort erwähnt. Der Grund dürfte darin liegen, dass Courtney Love neben anderen Familienmitgliedern sicher Einfluss auf die Auswahl der Inhalte und Schwerpunkte dieser Dokumentation genommen hat. Und es ist durchaus bekannt, dass sich Kathleen Hanna und Courtney Love nicht unbedingt gut verstehen. Legendär ist das Zusammentreffen von Love und Hanna bei dem Musikfestival Lollapalozza 1995.  Wer wissen möchte, wie eng Kurt Cobain mit der Riot-Grrrl-Bewegung sowohl ideell als auch persönlich verbunden war und welche Rolle Kathleen Hanna bei Nirvanas Meilenstein „Smells like teen spirit gespielt hat, sollte sich daher die Kathleen Hanna Dokumentation The Punk Singer anschauen.

Kurt Cobain. Montage of Heck läuft ab dem 09. April in den deutschen Kinos.

Offizieller Trailer zum Film:

Giuseppina Lettieri

Popkultur in Trans*formation

Schwule oder lesbische Charaktere in Serien und Filmen sind mittlerweile nichts Neues mehr. Schwule oder lesbische Paare oder generell homosexuelles Begehren sind in die Plots vieler hochwertiger Formate eingeflossen, findet sich aber auch schon seit längerem in Mainstream-Soap-Operas. Auch im Bereich der explizit queeren Filme und Serien ließe sich hier eine lange Liste anführen. Ganz zu schweigen von schwulen, lesbischen oder queeren Musiker*innen im Pop- und Subkulturbereich. Und auch wenn Homofeindlichkeit, sei es in Form von verbalen Anfeindungen, lückenhafter rechtlicher Gleichstellung oder gewaltsamen Übergriffen, immer noch ein mehr als ernst zu nehmendes Thema in der Gesellschaft ist, ist es für Politiker*innen, Fernsehmoderator*innen oder Musiker*innen heutzutage kein wirklicher Karrierebruch mehr, sich als homosexuell zu „outen“.

Im Bereich der Sichtbarkeit und Wahrnehmung von transsexuellen Menschen in der Popkultur wie auch in der Gesamtgesellschaft sieht die Sache dahingehend noch ganz anders aus. Auch die Bekämpfung von Transfeindlichkeit steht oftmals im Schatten ihres „großen Bruders“, dem Kampf gegen Homofeindlichkeit. Das Anliegen dieses Textes ist aber sicher nicht diese beiden Formen der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit gegeneinander auszuspielen. Vielmehr ist es momentan sehr spannend zu beobachten, wie das Thema Transsexualität und Transgender in verschiedene Bereiche der Popkultur Einzug hält.

Sicherlich kann dahingehend angemerkt werden, dass es schon einige Filme gibt, die sich mit den Themenfeld Geschlechteridenität generell bzw. Trans- oder auch Intersexualität beschäftigen. XXY, Transamerica, Boys don’t cry sind dafür zum Teil preisgekrönte Beispiele, allerdings der auch nicht mehr ganz neuen Art.

Trailer Transamerica:

Neue Serien, die Trans zum Thema machen

Der größte Entwicklungssprung findet sich da eher bei Fernsehserien der vergangenen beiden Jahre, jedenfalls bezogen aus den US-amerikanischen Markt. Mit Orange is the New Black und Transparent wurden gleich zwei Serien zu Überraschungserfolgen, die sich dem Thema Transsexualität/Transgender auf unterschiedlichen Ebenen widmen. In dem Netflix-Serienhit Orange is the New Black verkörpert die Schauspielerin Laverne Cox die Rolle der Sophia Burset, eine transsexuelle Figur, die als Gefangene in einem New Yorker Frauengefängnis ihre Strafe verbüßt.

Laverne Cox über ihre Rolle und generell über die komplexen Figuren in Orange is the New Black:

Jenji Kohan besetzte die transsexuelle Figur der Sophia Burset in Orange is the New Black bewusst mit einer transsexuellen Person und setzte damit ein Zeichen für die Transcommunity. Denn es wurde immer mal wieder Kritik laut, auch in Bezug auf einige der oben genannten Filme, dass die Rollen in der Regel mit Schaupieler*innen besetzt werden, die nicht selbst transsexuell/transgender sind. Ähnliche Kritik gab es auch bei der Besetzung von Jared Leto in dem Film Dallas Buyers Club, in dem Leto die HIV-erkrankte Transfrau Rayon verkörpert. Die Kritik verstärkte sich noch, nachdem Leto 2015 für diese Rolle den Oscar gewonnen hat.

Auch bei der preisgekrönten Serie Transparent ist es der Fall, dass die transsexuelle Hauptfigur nicht durch eine*n wirkliche*n transsexuelle*n Schauspieler*in portraitiert wird. Im Mittelpunkt von Transparent steht die Transformation von Mort zu Maura Pfeffermann. Gespielt wird die Figur der Maura Pfeffermann von dem Schauspieler Jeffrey Tambor, der bereits durch die Comedyserie Arrested Development einer eingeschworenen Fangemeinde bekannt ist. Die Serienschöpferin Jill Soloway hat diese Kritik an der 1. Staffel positiv aufgenommen und engagierte für die kommende 2. Staffel von Transparent als Co-Drehbuchautorin die transsexuelle Performerin Our Lady J. Sicher noch nicht ausreichend, aber ein Schritt in die richtige Richtung.

Bei allen berechtigten Kritikpunkten und den Leerstellen bei der Repräsentation von Transmenschen in diesen neuen Serien, ist es wichtig zu sehen, dass Drehbuchautor*innen und auch Sender (in diesem Fall nicht klassische Kabel- oder Privatsender, sondern Internetstreamingdienste wie Netflix und Amazon Prime) überhaupt solche Serien konzipieren und in Produktion geben. Sie tragen dadurch dazu bei, dass der Tabuisierung von Transsexualität und Transgender in der Gesellschaft entgegengewirkt wird, und sorgen für mehr Sichtbarkeit von Transmenschen und ihren auch ganz alltäglichen Problemen.

In Transparent entscheidet sich die Serienfigur nach vielen Jahren „in the closet“ fortan als Frau zu leben. Dort setzt die Serie an und begleitet Moira Pfefferman bei ihren ersten Alltagshandlungen und -situationen als Frau in der Öffentlichkeit, inklusive der damit verbundenen Diskriminierungen. In einer Szene steht Moira mit ihren beiden Töchtern in einem Kaufhaus vor den Toiletten, die nur zwischen Männer und Frauen unterscheiden. Die Unsicherheit von Moira, welche Toilette sie in diesem frühen Stadium der Transformation nehmen soll, ist sicher ein gut nachvollziehbarer Moment. Neben solchen Situationen und den Reaktionen der Öffentlichkeit geht es in Transparent aber auch um die persönliche Ebene, sprich zeigt sie den Umgang der Familie mit Moiras Entscheidung, als Frau zu leben, in all ihrer Komplexität und Widersprüchlichkeit. Mit Verwunderung, Irritation und Unsicherheit und erst langsam wachsender Akzeptanz reagieren vor allem Moiras drei Kinder. Das die gesamte Familie von Dysfunktionalität und charmanten Egozentrismen geprägt ist und diese Aspekte durch den großartigen Cast mit viel Witz transportiert werden, hat sicherlich dazu beigetragen, das Transparent eine so breite Öffentlichkeit erreicht und bereits viele Preise (Golden Globe Award, GLAAD Award) gewonnen hat.

Trailer der ersten Staffel Transparent (deutsche Version):

Musik und Trans

Auch in der Musikwelt ist das Thema Transsexualität und Transgender eher eine Randnotiz. Umso schöner ist es, dass ausgerechnet im doch stark männerdominierten und heteronormativen Punk- und Hardcore-Bereich diesbezüglich Bewegung reinkommt. Denn mit Mina Caputo, den meisten sicherlich eher als Keith Caputo von Life of Agony bekannt, und Laura Jane Grace von der Punkrockband Against Me! gibt es aktuell gleich zwei Beispiele, die Vorbildcharakter haben und die Sichtbarkeit von transsexuellen Menschen in der Musikwelt erhöhen. Laura Jane Grace ist außerdem die Hauptprotagonistin der Webserie True Trans. Dort werden nicht nur die Etappen, wie sie von Tom Gable zu Laura Jane Grace wurde, gezeigt, sondern es geht auch um die Geschichten von mehreren anderen transsexuellen Menschen, die in kurzen Episoden über Liebe, Familie, Akezptanz und Ablehnung, Suizidgedanken, Geschlechtsumwandlung, Diskriminierung und Empowerment sprechen.

Die erste Episode von True Trans „Growing Up“:

Interview mit Mina Caputo:

Trailer zu The T-Word auf MTV, moderiert von Laverne Cox:

Giuseppina Lettieri