Nationalsatanist

Erlend Erichsen
Nationalsatanist
kuk 2012
190 Seiten
18 €

Die Erzählung beginnt mit einem Konzertbesuch der Band Gorgoroth und führt damit auch in die Welt der norwegischen Black-Metal-Szene ein, die das Setting des ganzen Romans bestimmt. Hauptfigur und Ich-Erzähler ist Runar (bzw. Ljåvold, wie er sich später als Musiker nennt), der, tief beeindruckt von diesem Konzert, mit seinem neuen Freund Vintervold beschließt, eine eigene Black-Metal-Band zu gründen. Was dann folgt, erscheint wie eine Horrorgeschichte aus Hass und Gewalt, die als überzogene Gruselfiktion abgetan werden könnte, gäbe es nicht den Dokumentarfilm Until the Light Takes Us aus dem Jahr 2008, der die Hintergründe von abgebrannten Kirchen und Mord in dieser Szene als erschreckend realistisch erkennen lässt.

Die Beschreibung der auftretenden Musiker lässt bereits erahnen, dass es hier nicht um die Aufstiegsgeschichte zweier junger Musiktalente geht, sondern vielmehr um die Geisteshaltung innerhalb einer Szene, die in erster Linie durch Negativschlagzeilen bekannt geworden ist: „Das waren Gorgoroth. Ihre Kleidung war schwarz, ihre Haare waren schwarz, und die Augen waren schwarz abgehoben von den kreidebleichen Gesichtern. Wie in Hass und Trauer uniformiert, wie Gestalten aus einem anderen Universum, wie eine andere Rasse. […] Majestätisch und selbstsicher kamen sie immer näher auf uns zu. Wie aus dem Traum eines Geisteskranken. […] Sie sprachen weder, noch war ein Lächeln auf ihren Gesichtern zu sehen, sie bewegten sich langsam und schwer. Spitze Nieten und Nägel, die in alle Richtungen abstanden, zierten die schwarzen Lederjacken. […] Das war keine Schauspielerei. Es wirkte völlig natürlich, und sie strahlten eine eigenartige Abscheu aus für uns, die wir gekommen waren, um sie zu erleben. Sie sahen ganz einfach durch uns hindurch.“

Das Erstlingswerk des norwegischen Musikers Erlend Erichsen, selbst Schlagzeuger der Death-Metal-Band Molested und zeitweise auch von Gorgoroth, besticht nicht gerade durch seine sprachliche Ausdrucksform. In pathetischem Tonfall erzählt er von der Freundschaft zwischen Runar/Ljåvold und Vintervold, von dem wir nur diesen „Künstlernamen“ erfahren und der offenbar keine bürgerliche Existenz in Form von Familie, Freunden oder einem Beruf hat. Runar scheint fasziniert von diesem neuen Freund, trotz oder gerade wegen seines misanthropischen und auch frauenverachtenden Charakters. Aufgrund des Erfolgs ihres ersten gemeinsamen Demo-Tapes erlangen sie Anerkennung in der Szene – Vintervold zieht Runar aber auch durch seine brutalen Auseinandersetzungen mit Rockern und anderen „Feinden“ in den Bann. Die weibliche Hauptfigur Helga, eine alte Freundin Runars, wird ebenso zur Zielscheibe seines Hasses, behält aber auch als einzige einen klaren Blick auf den Strudel aus Gewalt und Kriminalität, in den Runar immer tiefer hineingezogen wird. Nur sie schafft es, sich der machtvollen Ausstrahlung Vintervolds zu entziehen.

Insgesamt rankt sich die Geschichte nur am Rande um die Bands und noch weniger um konkrete nationalsozialistische Ausrichtungen innerhalb der Black-Metal-Szene. Wer hier politischen oder philosophischen Tiefgang erwartet, wird von diesem Buch eher enttäuscht werden. Auch ist die literarisch nicht gerade anspruchsvolle Sprache anfangs gewöhnungsbedürftig, transportiert aber doch das Pathos dieser Black-Metal-Jugend, die sich selbst als Hüter einer Art düsteren norwegischen Urkultur betrachten, die sie über die von ihnen verachtete Masse erhebt. Ob die sprachlichen Defizite bereits im Original bestanden oder der Übersetzung geschuldet sind, bleibt Spekulation. Dennoch ist die Geschichte aufgrund der Insiderposition des Autors spannend zu lesen und lässt in ihren guten Momenten erahnen, was die Faszination ausmacht, die eine sonst eher unsympathische Szene auf – in erster Linie männliche – Jugendliche ausübt.

Gabriele Vogel

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Kopfüber. Kopfunter.

Anja Tuckermann
Kopfüber. Kopfunter.
KLAK 2013
112 Seiten
6,90 €

Hier handelt es sich um eine bearbeitete Version ihres Titels Das verschluckte Lachen von 2006: Elli und Sascha sind die allerbesten Freunde. Sie verstehen sich auch ohne Worte, verbringen jede freie Minute miteinander. Meistens sind sie zusammen auf Achse, albern herum, denken sich Geschichten aus und machen daraus Hörspiele. Elli liebt Saschas Heiterkeit und seine unerschöpfliche Phantasie. Doch andere haben damit Probleme, in der Schule gilt Sascha als verhaltensauffällig. Die Erwachsenen sagen, irgendetwas funktioniere in seinem Kopf nicht wie bei anderen. Die Ärzte nennen das ADHS. Als Sascha deshalb Tabletten bekommt, verändert er sich. Und auch für Elli verändert sich alles. Für die beiden beginnt eine Achterbahn der Gefühle, die zu einer harten Probe für ihre Freundschaft wird.

Das Buch wurde unter dem Titel Kopfüber von Bernd Sahling verfilmt; Premiere war bei den Internationalen Filmfestspielen Berlin 2013 und um die Jahreswende lief der Film auch regulär in den Kinos.

Klaus Farin

HydePark-Memories

Harald Keller & Reiner Wolf (Hrsg.)
HydePark-Memories – Ein Osnabrücker Musikclub und seine Geschichte(n)
Oktober Verlag 2011
240 Seiten
24,90 €

Der „HydePark“, 1976 eröffnet, war und ist mit einem Einzugsgebiet vom Ruhrgebiet über Ostwestfalen bis weit nach Niedersachsen hinein eines der legendären Zentren progressiver und widerständiger jugendlicher Subkulturen. Hier trat und tritt alles auf, was Rang und Namen hat. In den Siebzigern viel Hardrock, Deutsch-Rock und Electro-Avantgardisten, Amon Düül, Embryo, Colosseum, Lake, Grobschnitt, aber auch Motörhead, dann Punk und NDW, Ton Steine Scherben und The Cramps, später kamen auch DJs dazu, und heute gibt es noch Klassiker wie die Metal- und EMP-Rocknächte oder die Gothic-Rabennacht.

Der Band vereint bekannte und unbekannte Weggefährten, beschreibt auch die politische Bedeutung des Klubs, dessen behördlich verfügte Schließung 1983 zu „Punker-Krawallen“ führte, die es sogar in die Tagesschau schafften, mit vielen tollen Bildern und einer kompletten Konzertliste im Anhang für uns Nerds.

Klaus Farin

Einfach anders!

                 Bild

Eine Ausstellung zu jugendlichen Subkulturen im Ruhrgebiet

Seit dem 5. April zeigt das LWL-Industriemuseum in Bochum die Ausstellung „Einfach anders! Jugendliche Subkulturen im Ruhrgebiet“. Die aufwendig gestaltete Ausstellung in der „Zeche Hannover“ bietet einen breiten Überblick über verschiedene Jugendkulturen und -bewegungen im Ruhrgebiet seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Das Spektrum reicht von den Wandervögeln und Swing-Kids über die Halbstarken und Beat-Jugend, Heavy Metal und Punk, Hip Hop, Graffiti und Techno bis zu ganz aktuellen Szenen wie Neo-Rockabilly und Steampunk. Auch politische Bewegungen wie die Edelweißpiraten, die Studenten- und Lehrlingsbewegung oder die Hausbesetzerszene werden thematisiert.

Zur Ausstellung ist ein reich bebilderter Katalog erschienen, der neben Abbildungen der Ausstellungsstücke und Hintergrundinformationen über die einzelnen Szenen auch eine Reihe an Aufsätzen zu den Themen der Ausstellung enthält. Darunter ist auch ein Beitrag von Gabriele Rohmann und Martin Gegenheimer vom Archiv der Jugendkulturen über Jugendkulturen und Rechtsextremismus im Ruhrgebiet.

Die Ausstellung hat Mittwoch bis Samstag von 14 bis 18 Uhr, Sonn-  und Feiertags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Sie ist noch bis zum 7. September 2014 zu sehen.

Die Adresse:
LWL-Industriemuseum
Westf. Landesmuseum für Industriekultur
Zeche Hannover
Günnigfelder Straße 251
44793 Bochum

Dietmar Osses & Katarzyna Nogueira (Hrsg.)
Einfach anders! Jugendliche Subkulturen im Ruhrgebiet
Klartext 2014
260 Seiten
19,95 €

 Daniel Schneider

Swingtime in Deutschland

Stephan Wuthe
Swingtime in Deutschland
Transit 2012
152 Seiten
16,80 €

Die seit den zwanziger Jahren populäre Musik des Swing war auch unter den Nazis nicht totzukriegen und ihre Beliebtheit setzte sich im Nachkriegsdeutschland weiter fort. Swing brachte originelle und vielfältige Tanzformen hervor, ebnete den Weg für neue und gewagte Bekleidungsmode und fand zudem als Filmmusik Verwendung, mit Ohrwürmern, die noch lange nach Verlassen des Kinosaals in den Köpfen hängen blieben und gute Laune verbreiteten.

Auch heute ist Swing aktuell – seit dem Swing-Revival Ende der achtziger Jahre können in Tanzschulen wieder die verschiedenen Tänze gelernt werden, Swingtanzclubs mit eigenen DJs und Livekonzerte gibt es in allen größeren Städten, und passend dazu kleiden sich Tänzerinnen und Tänzer im angesagten Retro-Look. Stolze Sammler besitzen noch originale Schellackplatten, aber frischen Swing gibt es auch auf CD – als Neo-Swing oder neu gesampelt als Elektro-Swing.

Der Berliner Autor Stephan Wuthe, Jahrgang 1966, ist ein bekennender Swing-Enthusiast und Kenner, Sammler und DJ und präsentiert mit seinem Buch eine Fülle an Geschichten, Fakten und Zeitzeugenzitaten rund um die Geschichte des Swing, fokussiert auf Unterthemen wie Geschichte, Filmmusik oder auch Tanzformen. Sein lockerer und flüssiger Sprachstil passt zu seiner Lieblingsmusik: So mitreißend, wie die Musik zum Wippen, Swingen und Tanzen einlädt, so leicht liest sich auch der Text, ob nun abendfüllend oder in kleinen Häppchen zur Entspannung zwischendurch. Zudem lockern zahlreiche farbige Abbildungen von zeitgenössischen Plakaten und Plattencovern ebenso wie historische Fotos und Songtexte das Buch auf.

Zieht man zum Vergleich Jörg Ueberalls 2004 erschienenes Buch Swing Kids heran, das die Geschichte des Swings und seiner Fans historisch auch für Neulinge der Materie anschaulich und nachvollziehbar miterleben lässt, so bleibt jedoch kritisch anzumerken, dass Wuthes Swingtime eher etwas für fortgeschrittene Swing-Begeisterte ist. Chronologisch springt es oft durch die Zeiten und all die Namen und Veranstaltungsorte können gerade Lesende, die nicht mit der Berliner Kulturgeografie vertraut sind, schon manchmal erschlagen.

Dennoch ist Swingtime ein liebevoll gestaltetes Sammlerstück für Fans und Interessierte jeden Alters und eine Fundgrube für die historische Musikforschung. Besonders spannend wird das Buch dann noch einmal zum Ende hin, wenn Wuthe aus erster Hand vom Swing-Revival im Berlin der späten achtziger und neunziger Jahre erzählt und damit die Brücke zur heutigen Swing-Leidenschaft schlägt.

Gabriele Vogel

White Brothers With No Soul

Wie der Berliner Techno weiß wurde

Ein Vortrag von Prof. Dr. Alexander G. Weheliye, Northwestern University, USA, African American and Diaspora Studies am 10. April 2014, 19:00 – 21:00

Im Rahmen der Sonderausstellung „Von G.I. Blues zu G.I. Disco. Der ‚American Way of Music‘ in Deutschland“ beschäftigt sich Alexander Weheliye mit der multikulturellen Vorgeschichte des Techno im West-Berlin der 1980er Jahre.

In vielen zeitgenössischen filmischen, journalistischen, und wissenschaftlichen Dokumentationen über die Entstehung der Berliner Technoszene um und nach der Wende wird diese oft als ein weißes und „teutonisches“ Phänomen dargestellt. Das Ausklammern des Einflusses von schwarzer Musik in der damaligen Berliner Clubszene ermöglicht es Kommentatoren eine Mythologisierung zu etablieren, die sich reibungslos in die Euphorie der Wiedervereinigung einfügt. Somit erscheint der Techno, trotz seiner Wurzeln in der afroamerikanischen Musik, rückblickend als Soundtrack des Zusammenschlusses von weißen Brüdern ohne Soul in Ost und West Deutschland. Prof. Weheliye betont in seinem Vortrag die ethnische und musikalische Vielfältigkeit der Berliner Musiklandschaft. Speziell beleuchtet er die wichtige Rolle der G.I. Clubs und die Musiksendungen des Soldatensenders AFN für Berlins Musik- und Clubkultur zwischen 1960 und 1990.

Im Anschluss an den Vortrag führt das DJ-Duo G.I. Disco (Kalle Kuts und Daniel W. Best) durch die Sonderausstellung.

Veranstaltungsort: AlliiertenMuseum, Outpost Theater, Clayallee 135, 14195 Berlin

Die Veranstaltung ist eine Kooperation des AlliiertenMuseums mit G.I. Disco und dem Archiv der Jugendkulturen e. V.

Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

www.alliiertenmuseum.de
www.facebook.com/gidisco

Braunzone Bundeswehr

Lucius Teidelbaum
Braunzone Bundeswehr – Rechtsum in der Männertruppe
Unrast 2012
84 Seiten
7,80 €

In den 1980er Jahren waren die Kategorien einfach und klar – die coolen, intelligenten und guten Jungs machten Zivildienst, und zur Bundeswehr ging nur, wer rechts oder dumm war, oder rechts und dumm, was aus der Sicht subkultureller Verweigerer, die allein schon wegen der Frisur nicht zur Armee wollten, meist zusammenfiel.

Somit schien es fast selbstverständlich, die Bundeswehr als durch und durch rechts bis nazibraun einzuschätzen, und selbst heute, ohne Wehrpflicht und mit ein paar Alibi-Frauen in der Truppe, erscheint das Argument, die Bundeswehr sei „ein Spiegel der Gesellschaft“ – lediglich mit gelegentlichen rechten Ausfällen am Rande – schon fast absurd, da Linke, Pazifisten und Frauen ebenso wie Kinder, Jugendliche und ältere Menschen hier offenbar nicht zur Gesellschaft gerechnet werden.

Lucius Teidelbaum zeigt im vorliegenden Band, dass die vereinzelt scheinenden braunen Skandale in der Bundeswehr lediglich die Spitze des Eisbergs sind. Differenziert verweist er auf konkrete personelle Kontinuitäten und rechte Namenspatenschaften ebenso wie auf die Fortführung von Elitegedanken und militärischen Männlichkeitsidealen („archaische Krieger“ oder auch „Stahlgestalten“), die denen der extremen Rechten entsprechen.
Dabei kommen Machenschaften ans Licht, deren Anzahl, Ausmaß und Deutlichkeit bei Weitem alles übertrifft, was die gängigen Vorbehalte gegenüber der Bundeswehr bisher gestützt hatte. Um nur ein Beispiel zu nennen, sei hier zitiert, was Teidelbaum zum 20. Mai 1941, dem Datum der Landung von deutschen Fallschirmjägern auf Kreta schreibt: „Bis heute gibt es Feiern zum 20. Mai, dem Jahrestag der Besetzung Kretas, in Fallschirmjäger-Kasernen. Dabei wird auch das Fallschirmjäger-Lied Hinter den Bergen gesungen, in dem es u. a. heißt: ‚Narvik, Rotterdam, Korinth / Und das heiße Kreta sind / Stätten unserer Siege! / Ja, wir greifen immer an, / Fallschirmjäger gehen ran, / Sind bereit, zu wagen!’“

In seiner kritische Auseinandersetzung befasst sich der Autor sowohl mit den internen Zuständen innerhalb der Bundeswehr, in der ritualisierte Rekrutenmisshandlungen, Sexismus und Homophobie auf der Agenda stehen, als auch mit Fehlverhalten nach außen hin, das bei Auslandseinsätzen zutage tritt. Aufgezeigt werden zudem kontinuierliche Zusammenhänge und Überschneidungen mit schlagenden Verbindungen – insbesondere rechten Burschenschaften – und auf den höheren Offiziersebenen mit der „Neuen Rechten“. Wenngleich offen auftretende Neonazis in der Bundeswehr nicht geduldet werden, so tummeln sich in der extremen Rechten doch auffallend viele – auch hochrangige – ehemalige Militärs, die sich mit ihrer Gesinnung während der Militärzeit lieber bedeckt hielten. Beispielsweise waren sowohl der langjährige NPD-Vorsitzende Udo Voigt als auch Neonazi-Kader Michael Kühnen als Berufssoldat bzw. Leutnant mehrere Jahre bei der Bundeswehr.

Als Fazit bleibt, dass die Bundeswehr sich nie ganz von der Wehrmacht als Vorgänger-Armee gelöst hat. Auch wenn die Blindheit auf dem rechten Auge inzwischen nicht mehr ganz so vollständig ist, so bestehen die männerbündischen rechten und rechtsextremen Traditionen trotz aller Bemühungen um einen Imagewechsel weiter. Da die Kampfausbildung nach wie vor Neonazis anzieht, die gezielt den Umgang mit Waffen und Sprengstoff erlernen wollen und die in nichtmilitärischen Berufsbereichen kaum Fuß fassen wollen oder können, wird sich wohl an der „Braunzone Bundeswehr“ auch in Zukunft nicht allzu viel ändern.

Teidelbaum muss für seine umfangreiche Material- und Beispielsammlung aufwendige Recherchen betrieben haben, zumal die Quellenlage, wie er selbst sagt, dürftig ist. In neun Kapitel unterteilt, liest sich der kleine Band kompakt und informativ. Der Text sensibilisiert für die Wahrnehmung und Hinterfragung gut abgeschotteter und scheinbar unangreifbarer Institutionen und ist auch für Leser_innen geeignet, die noch nicht über vertieftes Spezialwissen in diesem Themenbereich verfügen.

Gabriele Vogel

Ein Volk, ein Reich, ein Trümmerhaufen

Anja Tuckermann
Ein Volk, ein Reich, ein Trümmerhaufen. Alltag, Widerstand und Verfolgung – Jugendliche im Nationalsozialismus
Arena 2013
175 Seiten
10,99 €

Hier erzäh978-3-401-06823-7lt Anja Tuckermann aus der Perspektive jugendlicher ZeitzeugInnen von Alltag, Widerstand und Verfolgung unter der Diktatur der Nationalsozialisten. Ausschnitte aus authentischen Tagebucheinträgen, Interviews und Schilderungen aus dem täglichen Leben von Jugendlichen verbindet sie mit den wichtigsten Informationen über die historischen Geschehnisse. Zu Wort kommen Verfolgte und ihre Helfer, Widerstandskämpfer, aber auch Mitläufer der Nazis. So wird dieses Kapitel deutscher Geschichte auf eine sehr persönliche Weise erfahrbar. Ein Buch, das begreiflich macht, wie die Strukturen des damaligen Staates Menschen gefügig, hasserfüllt und klein werden ließen. Und ein Buch, das zeigt, wie man sich gegen Manipulation zur Wehr setzen kann.

Klaus Farin