Popkultur in Trans*formation

Schwule oder lesbische Charaktere in Serien und Filmen sind mittlerweile nichts Neues mehr. Schwule oder lesbische Paare oder generell homosexuelles Begehren sind in die Plots vieler hochwertiger Formate eingeflossen, findet sich aber auch schon seit längerem in Mainstream-Soap-Operas. Auch im Bereich der explizit queeren Filme und Serien ließe sich hier eine lange Liste anführen. Ganz zu schweigen von schwulen, lesbischen oder queeren Musiker*innen im Pop- und Subkulturbereich. Und auch wenn Homofeindlichkeit, sei es in Form von verbalen Anfeindungen, lückenhafter rechtlicher Gleichstellung oder gewaltsamen Übergriffen, immer noch ein mehr als ernst zu nehmendes Thema in der Gesellschaft ist, ist es für Politiker*innen, Fernsehmoderator*innen oder Musiker*innen heutzutage kein wirklicher Karrierebruch mehr, sich als homosexuell zu „outen“.

Im Bereich der Sichtbarkeit und Wahrnehmung von transsexuellen Menschen in der Popkultur wie auch in der Gesamtgesellschaft sieht die Sache dahingehend noch ganz anders aus. Auch die Bekämpfung von Transfeindlichkeit steht oftmals im Schatten ihres „großen Bruders“, dem Kampf gegen Homofeindlichkeit. Das Anliegen dieses Textes ist aber sicher nicht diese beiden Formen der Gruppenbezogenen Menschenfeindlichkeit gegeneinander auszuspielen. Vielmehr ist es momentan sehr spannend zu beobachten, wie das Thema Transsexualität und Transgender in verschiedene Bereiche der Popkultur Einzug hält.

Sicherlich kann dahingehend angemerkt werden, dass es schon einige Filme gibt, die sich mit den Themenfeld Geschlechteridenität generell bzw. Trans- oder auch Intersexualität beschäftigen. XXY, Transamerica, Boys don’t cry sind dafür zum Teil preisgekrönte Beispiele, allerdings der auch nicht mehr ganz neuen Art.

Trailer Transamerica:

Neue Serien, die Trans zum Thema machen

Der größte Entwicklungssprung findet sich da eher bei Fernsehserien der vergangenen beiden Jahre, jedenfalls bezogen aus den US-amerikanischen Markt. Mit Orange is the New Black und Transparent wurden gleich zwei Serien zu Überraschungserfolgen, die sich dem Thema Transsexualität/Transgender auf unterschiedlichen Ebenen widmen. In dem Netflix-Serienhit Orange is the New Black verkörpert die Schauspielerin Laverne Cox die Rolle der Sophia Burset, eine transsexuelle Figur, die als Gefangene in einem New Yorker Frauengefängnis ihre Strafe verbüßt.

Laverne Cox über ihre Rolle und generell über die komplexen Figuren in Orange is the New Black:

Jenji Kohan besetzte die transsexuelle Figur der Sophia Burset in Orange is the New Black bewusst mit einer transsexuellen Person und setzte damit ein Zeichen für die Transcommunity. Denn es wurde immer mal wieder Kritik laut, auch in Bezug auf einige der oben genannten Filme, dass die Rollen in der Regel mit Schaupieler*innen besetzt werden, die nicht selbst transsexuell/transgender sind. Ähnliche Kritik gab es auch bei der Besetzung von Jared Leto in dem Film Dallas Buyers Club, in dem Leto die HIV-erkrankte Transfrau Rayon verkörpert. Die Kritik verstärkte sich noch, nachdem Leto 2015 für diese Rolle den Oscar gewonnen hat.

Auch bei der preisgekrönten Serie Transparent ist es der Fall, dass die transsexuelle Hauptfigur nicht durch eine*n wirkliche*n transsexuelle*n Schauspieler*in portraitiert wird. Im Mittelpunkt von Transparent steht die Transformation von Mort zu Maura Pfeffermann. Gespielt wird die Figur der Maura Pfeffermann von dem Schauspieler Jeffrey Tambor, der bereits durch die Comedyserie Arrested Development einer eingeschworenen Fangemeinde bekannt ist. Die Serienschöpferin Jill Soloway hat diese Kritik an der 1. Staffel positiv aufgenommen und engagierte für die kommende 2. Staffel von Transparent als Co-Drehbuchautorin die transsexuelle Performerin Our Lady J. Sicher noch nicht ausreichend, aber ein Schritt in die richtige Richtung.

Bei allen berechtigten Kritikpunkten und den Leerstellen bei der Repräsentation von Transmenschen in diesen neuen Serien, ist es wichtig zu sehen, dass Drehbuchautor*innen und auch Sender (in diesem Fall nicht klassische Kabel- oder Privatsender, sondern Internetstreamingdienste wie Netflix und Amazon Prime) überhaupt solche Serien konzipieren und in Produktion geben. Sie tragen dadurch dazu bei, dass der Tabuisierung von Transsexualität und Transgender in der Gesellschaft entgegengewirkt wird, und sorgen für mehr Sichtbarkeit von Transmenschen und ihren auch ganz alltäglichen Problemen.

In Transparent entscheidet sich die Serienfigur nach vielen Jahren „in the closet“ fortan als Frau zu leben. Dort setzt die Serie an und begleitet Moira Pfefferman bei ihren ersten Alltagshandlungen und -situationen als Frau in der Öffentlichkeit, inklusive der damit verbundenen Diskriminierungen. In einer Szene steht Moira mit ihren beiden Töchtern in einem Kaufhaus vor den Toiletten, die nur zwischen Männer und Frauen unterscheiden. Die Unsicherheit von Moira, welche Toilette sie in diesem frühen Stadium der Transformation nehmen soll, ist sicher ein gut nachvollziehbarer Moment. Neben solchen Situationen und den Reaktionen der Öffentlichkeit geht es in Transparent aber auch um die persönliche Ebene, sprich zeigt sie den Umgang der Familie mit Moiras Entscheidung, als Frau zu leben, in all ihrer Komplexität und Widersprüchlichkeit. Mit Verwunderung, Irritation und Unsicherheit und erst langsam wachsender Akzeptanz reagieren vor allem Moiras drei Kinder. Das die gesamte Familie von Dysfunktionalität und charmanten Egozentrismen geprägt ist und diese Aspekte durch den großartigen Cast mit viel Witz transportiert werden, hat sicherlich dazu beigetragen, das Transparent eine so breite Öffentlichkeit erreicht und bereits viele Preise (Golden Globe Award, GLAAD Award) gewonnen hat.

Trailer der ersten Staffel Transparent (deutsche Version):

Musik und Trans

Auch in der Musikwelt ist das Thema Transsexualität und Transgender eher eine Randnotiz. Umso schöner ist es, dass ausgerechnet im doch stark männerdominierten und heteronormativen Punk- und Hardcore-Bereich diesbezüglich Bewegung reinkommt. Denn mit Mina Caputo, den meisten sicherlich eher als Keith Caputo von Life of Agony bekannt, und Laura Jane Grace von der Punkrockband Against Me! gibt es aktuell gleich zwei Beispiele, die Vorbildcharakter haben und die Sichtbarkeit von transsexuellen Menschen in der Musikwelt erhöhen. Laura Jane Grace ist außerdem die Hauptprotagonistin der Webserie True Trans. Dort werden nicht nur die Etappen, wie sie von Tom Gable zu Laura Jane Grace wurde, gezeigt, sondern es geht auch um die Geschichten von mehreren anderen transsexuellen Menschen, die in kurzen Episoden über Liebe, Familie, Akezptanz und Ablehnung, Suizidgedanken, Geschlechtsumwandlung, Diskriminierung und Empowerment sprechen.

Die erste Episode von True Trans „Growing Up“:

Interview mit Mina Caputo:

Trailer zu The T-Word auf MTV, moderiert von Laverne Cox:

Giuseppina Lettieri

An alternative history of sexuality in club culture

Elektronische Tanzmusik, Clubkultur und die LGBTI-Szene sind historisch eng miteinander verknüpft – House entstand in Chicago und New York in mit der Schwulenszene verbundenen Clubs und auch in Berlin sind die Verbindungen, z. B. im Fall des Berghains und seines Vorgängerclubs Ostgut, von großer Bedeutung. Diese Clubs waren Freiräume, in denen dem Alltag entflohen werden konnte und sexuelle Diversität gelebt wurde. Diese Diversität und Offenheit wird auch heute noch oft mit Techno und Clubkultur in Verbindung gebracht, was aber nicht unbedingt der Realität entspricht bzw. aufgrund des Umstandes, das Techno (mittlerweile auch in den USA) Teil der Mainstreamkultur geworden ist, in Vergessenheit geraten ist. Vor gut einem Jahr ist zu diesem Thema ein umfassender Artikel von Luis-Manuel Garcia auf der Webseite von Resident Advisor erschienen, der immer noch aktuell und lesenswert ist: An alternative history of sexuality in club culture.

Ebenfalls bei Resident Adivisor ist vor kurzem ein hörenswerter Podcast mit Luis-Manuel Garcia erschienen, in dem er allgemeiner über relevante Aspekte von Clubkultur spricht.

The Grrrls are back in town

2015 ist ein gutes Jahr für Fans der Riot Grrrls. Denn mit The Julie Ruin und Sleater Kinney haben einige der zentralen Bands und Protagonist_innen der Riot-Grrrl-Bewegung Tourneen angekündigt und neue Platten im Gepäck. Sleater Kinney sind mit ihrem achten Album „No Cities to Love“ nach ihrer vorläufigen Auflösung 2006 wieder in Originalbesetzung unterwegs und mit The Julie Ruin betritt nach langer Krankheit auch endlich wieder Kathleen Hanna, die große Riot-Grrrl-Ikone (auch wenn sie das selbst nicht gerne hört), die Konzertbühnen.

Neues von den Riot Grrrls der ersten Stunde

Sleater Kinney – A New Wave

The Julie Ruin – Oh Come On

Bereits 2014 wurde das selbst betitelte Album „The Julie Ruin“ veröffentlicht und war nach vielen Jahren das erste musikalische Lebenszeichen Hannas, die 2004/2005 mit ihrer Band Le Tigre eine Abschiedstour gab. Die Gründe für das damals abrupt wirkende und für Fans mehr als überraschende Ende von Le Tigre wurden erst jetzt durch die autorisierte Dokumentation „The Punk Singer“ von Siri Anderson offen kommuniziert. Unter Tränen erzählt Hanna darin, dass sie seit vielen Jahren unter der chronischen Krankheit Lyme-Borreliose leidet, die durch einen Zeckenbiss ausgelöst und jahrelang falsch behandelt bzw. erst sehr spät erkannt wurde. Die körperlichen und seelischen Folgen haben Hanna dazu gezwungen, schweren Herzens von der Bildfläche verschwinden zu müssen. Doch für viele blieb sie auch weiterhin ein wichtiger Referenzpunkt. Legendär ist mittlerweile vor allem die Anfangszeit der Riot-Grrrl-Bewegung Anfang der 1990er Jahre, in denen Hanna mit der Band Bikini Kill eine zentrale Rolle spielte und sich das Netzwerk feministischer Riot-Grrrl-Bands wie Bratmobile, Babes in Toyland, Heavens to Betsy, Excuse 17, 7 Year Bitch, Sleater Kinney, Erase Errata, Huggy Bear, Team Dresch und vielen anderen immer weiter verzweigte.

Girls to the front

Mit der Riot-Grrrl-Bewegung, die in den US-Städten Olympia, Portland und Seattle aufblühte und vor allem mit Olympia als „girls town“ ihr musikalisches und kulturelles Epizentrum hatte, entstand eine feministische Bewegung von jungen Frauen*, die inspiriert von der DIY-Attitüde des Punk ihre eigenen Bands gründeten, eigene Zines heraus brachten und vor allem junge Frauen in Amerika im gemeinsamen Kampf gegen Sexismus, Misogynie und die patriarchalen Strukturen in der Mehrheitsgesellschaft vernetzen wollten. Darüber hinaus wollten sie tradierte Geschlechterrollen und -muster durchbrechen und eigneten sich negativ besetzte Begriffe wie Bitch und Slut an, die sie als Form ihrer Widerständigkeit stolz in großen Buchstaben auf ihre Körper schrieben und sie damit als positive Selbstzuschreibungen umwerteten, jedenfalls innerhalb der Riot-Grrrl-Szene.

Anfeindungen von außen musste vor allem Kathleen Hanna in ihren Bikini-Kill-Zeiten ertragen, sowohl auf Konzerten, auf denen sie beschimpft, bespuckt und mit Schuhen beworfen wurde, aber auch in den Massenmedien, die zwar über die Riot Grrrls berichteten, aber ohne dabei ihre Forderungen und Grundhaltungen zu verstehen oder gar ernst zu nehmen. Das führte letztlich zu einem kollektiven Medienboykott, auf das sich die Riot Grrrls verständigten, was zur Folge hatte, dass Journalist_innen und anderen Medienvertreter_innen keine Interviews mehr gegeben wurden.

Das Riot-Grrrl-Manifest  „Revolution Girl Style Now!“

Die Grundhaltung, das Verständnis und die wichtigsten Forderungen der Riot Grrrls sind in dem Riot Grrrl Manifest festgehalten. Auch oft tabuisierte Themen wie sexuelle Belästigung, Vergewaltigung, Gewalt gegen Frauen sowie Homosexualität fanden sich darin und in den Songtexten wieder. Mit dem Slogan „Revolution Girl Style Now!“ forderten sie ihren Platz auf der Bühne ein, der sonst nur Jungs und Männern vorbehalten schien, und schärften bei viele Musikerinnen, die nach ihnen kamen, ein feministisches Bewusstsein im immer noch stark männerdominierten Musikgeschäft. Davon profitieren heute Künstlerinnen wie Peaches, Beth Ditto (Gossip), Kate Nash, Grimes oder auch Beyoncé, die bei den letzten MTV Music Awards vor einem großen „Feminist“-Schriftzug performte.

Doch viel kam von der Subversivität und den politischen Forderungen der Riot Grrrls im Mainstream natürlich nicht an. Vor allem die von den Spice Girls verkörperte weich gespülte „Girl Power“ verbinden die meisten mit dem Bild der selbstbewußten Frau in der Musikwelt. Feminismus light, hübsch verpackt und inhaltsleer. Und aus dem widerständigen Grrrl wurde das auf Massenkonformität getrimmte Girlie, dass sich dann auch in der BRAVO  wiederfand, vordergründig mit Mode- und Stylingtipps nach dem Motto „So siehst du wie ein Girlie aus“. Und auch heute können nur sehr wenige etwas mit den Riot Grrrls in Verbindung bringen und denken bei der Kombination von Riot und Feminismus zuallererst an die russische Punkband und Aktivistinnengruppe Pussy Riot und nicht an die Riot Grrrls, was ziemlich schade ist, auch wenn Pussy Riot in vielen Interviews immer wieder bekunden, wie stark sie durch die Riot-Grrrl-Bewegung geprägt wurden.

Was tun gegen Sexismus in der Musik? Female Pressure, Girls Rock Camps und Ladyfeste

Viele der Forderungen aus dem Riot-Grrrl-Manifest sind auch heute noch mehr als aktuell und zeigen, wie wenig Fortschritte in der Musikwelt, aber auch in der Gesamtgesellschaft in den Bereichen der Gleichstellung der Geschlechter und Dekonstruktion tradierter Vorstellungen von Weiblichkeit und Frau-sein gemacht wurden. Eine einzelne feministische Jugendkultur reichte da leider nicht aus. Daher ist es umso besser, dass sich Netzwerke wie female pressure gegründet haben, die vor allem in der Technoszene eine Vernetzungsstelle für weibliche DJs darstellt und den Sexismus in der Technokultur offen anprangert. Ein weiteres aktuelles Zeugnis ist das vor kurzem von Björk gegebene Pitchfork-Interview im Zuge ihres neuen Albums „Vulnicura“, in dem sie zum ersten Mal in ihrer langen Karriere über den von ihr erlebten Sexismus in der Musikindustrie spricht.

Positive und ermutigende Beispiele gegen den immer noch stark vorherrschenden männderdominierten und heteronormativen Mainstream sind da die Girls Rock Camps und vor allem die Ladyfeste, die es mittlerweile weltweit gibt und aus der Riot-Grrrl-Bewegung entstanden sind. Die Ladyfeste zeugen von dem immer noch vorhandenen Geist dieser Bewegung und dem Willen, praktische feministische Politik voranzutreiben und junge Mädchen* und Frauen* zum Selbermachen zu ermutigen und es den Riot Grrrls nachzumachen. Denn eins steht auch 2015 fest: Es bleibt unter feministischen Gesichtspunkten weiterhin viel zu tun und zu kritisieren. Eine neue Generation an Riot Grrrls wäre da wünschenswert. Bis dahin ist es jedoch ein schönes Gefühl, wenn die Heldinnen von damals auch heute wieder aktiv sind und ihre Forderungen leidenschaftlich und laut auf der Bühne artikulieren.

Touren:

Sleater Kinney’s einziger Deutschlandtermin:

18. März 2015 im Huxleys

The Julie Ruin’s  einiziger bisher bestätigter Deutschlandtermin:

10. August 2015 im Lido

Und noch bis Samstag ist eine sehenswerte Riot Grrrrls-Dokumenation auf Arte+7 online:

http://www.arte.tv/guide/de/053426-000/riot-grrrl

Giuseppina Lettieri

Rolling Stone

Arne Willander, Sebastian Zabel, Heiko Zwirner (Hrsg.)
Rolling Stone – Das Beste aus den ersten 20 Jahren
Metrolit 2014
336 Seiten
30 €

metrolling-stoneDas 1967 in den USA gegründete Magazin „Rolling Stone“ ist bis heute ein interessantes Blatt geblieben. Autoren wie Lester Bangs und Hunter S. Thompson probierten den später so genannten „New Journalism“ aus und etablierten diese Arbeitsmethode als Stil. Die Inhalte waren nicht nur Popmusik, sondern auch Underground, große Politik und Alltag. Über die gesamte Erscheinungszeit wurden ihm Preise sowohl für Inhalt als auch Form verliehen.

1994 erschien der erste deutsche „Rolling Stone“, ab 2002 in der Axel Springer Mediahouse Berlin GmbH. Zum 20. Jubiläum ist ein Band mit ausgewählten Texten im Metrolit Verlag erschienen. Das Themenspektrum bewegt sich zwischen etablierten Popveteranen wie Bob Dylan, den Rolling Stones und den Scorpions, aktuellen Musiker_innen wie Oasis und Joanna Newsom und Newcomern wie z. B. Kraftklub. Es gibt Texte über Maler, Mode, Fernsehserien, Schauspieler.

Leider sind die Vorbilder des New Journalism hier nur eine Schablone dafür, die Interviews sprunghaft zu führen, überheblich und oberflächlich Bands und ihre Fans abzukanzeln sowie die Empfindlichkeiten und Tätigkeiten der Journalist_innen zu beschreiben. Wurden hier wirklich die besten und charakteristischsten Beiträge für diese Festschrift ausgewählt? Wir wollen es nicht hoffen. Jeder Artikel ist mit Zusatzinformationen wie 10er-Listen oder Diskographien versehen, ergänzt durch briefmarkengroße Abbildungen.

Der eigentliche Mehrwert liegt dann auch im Anhang: sämtliche Cover besagter zwanzig Jahre: 16-mal sind die Rolling Stones zu sehen, 13-mal die Beatles, 13-mal Bruce Springsteen, 10-mal Bob Dylan. So gibt der schön schwer in der Hand liegende Jubiläumsband ein anschauliches Beispiel für ziemlich rückwärtsgewandten Popjournalismus. Die aktuellen Debatten finden woanders statt.

Peter Auge Lorenz