_Mind the Gap

Marie-Christina Latsch (Hrsg.)
_Mind the Gap – Einblicke in die Geschichte und Gegenwart queerer (Lebens)Welten
Unrast 2013
160 Seiten
19,80 €

mindthegap

„Ein Buch über Bitches, Butches, Divas, Drags, Kings, Queens, Trans*, Lesben, Boys, Schwule, Homos, Bis, Pans, Heten, Girls, Männer, Dykes, Femmes, Tomboys, Frauen, Sissyboys und alle Anderen.”

Von Audrey Lorde über Magnus Hirschfeld, Marlene Dietrich bis hin zu J.D. Sampson – Mind the Gap vereint (historische) Persönlichkeiten der letzten 142 Jahre, die in queerer Lesart durch ihre Lebens- und Denkweisen gehörig an der heterosexuellen Matrix kratzten oder dies noch heute tun. Dabei wird in Marie-Christina Latschs Buch nicht nur auf inhaltlicher Ebene an den scheinbar so starren Kategorien von Mann und Frau, Homo und Hetero gerüttelt.

Während die Personenportraits Einblicke in queere Lebenswelten zu unterschiedlichen Zeitpunkten der Geschichte geben, spiegeln die gebrochene Typografie und die im Buch enthaltenen Collagen eine dynamische Auffassung von (Text-)Körper und Geschlecht wider.

Latsch, die das Projekt als Diplomarbeit im Fach Grafikdesign realisierte, knüpft dabei an die Theorie des „Gender-Copylefts” an, nach der die Auffassung von einer als natürlich vorausgesetzten Geschlechtidentität dekonstruiert wird, indem der Prozess ihrer Herstellung in den Fokus gerückt wird. Dabei treten fließende Geschlechtergrenzen und (un-)mögliche Körper auf den Plan, die ständig neu erzeugt werden, nur um anschließend wieder verzerrt zu werden. In zusammenkopierter Zine-Optik wird dabei das Verhältnis von Original und Reproduktion grundsätzlich in Frage gestellt und Geschlecht von seiner Aura des vermeintlich Natürlichen gelöst.

Die chronologische Abfolge der in schwarz-weiß gedruckten Portraits wird immer wieder von bunten, assoziativen und subjektiven Definitionsversuchen von Queer durchbrochen, die Nischen innerhalb der linearen Ordnung des Textes besetzen und damit auf symbolischer Ebene das schwarz-weiß-Schema der binären Zweigeschlechtlichkeit sichtbar machen und sabotieren. _Mind the Gap bildet eine Leerstelle für Vorstellungen von Identität jenseits heteronormativer Denkweisen, erzählt von Menschen, die radikale und unerhörte Lebensweisen gelebt und erkämpft haben und beschreibt schließlich die Offenheit und das weite Feld der Möglichkeiten von queerer Politik und queerem Handeln.

Hannah Zipfel

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