40 Jahre – Jubiläum der Hansa 48 in Kiel

Verein Hansastraße 48 e.V. (Hrsg.)
Hansa 48 seit 1981 – Aus den ersten 40 Jahren
bearbeitet von Hansjörg Buss und Andreas Langmaack
Hansa 48 2021
286 Seiten, gebunden
15 EUR

In diesem Jahr feiert das Kommunikationszentrum »Hansa 48« in Kiel 40 Jahre Selbstverwaltung. Am 27. März 1981 begann die Besetzung, die sich gegen den drohenden Abriss des ehemaligen Gewerbe- und Brauereigeländes in der Hansastraße 48 richtete. Bereits seit 1974 wohnten Menschen in einigen Wohnungen auf dem Gelände im Kieler Norden. 1979 kaufte es dann eine Wohnungsbaugenossenschaft das Gelände – das war der Startschuss für Proteste und  Verhandlungen. Überraschenderweise war die Wohnungsbaugenossenschaft sehr kooperativ und verkaufte Ende 1982 wiederum das Gelände an den Verein der Besetzer*innen.

Diese führten – nun auf sicherer Grundlage – das fort, was sie bereits machten bzw. als Ideal verfolgten: Gemeinsames Wohnen, Arbeiten in alternativen Betrieben und politische Projekte. Bis heute wird renoviert, saniert und gebaut – und letztlich, in der Rückschau, damit auch »aufgewertet«. Im Laufe der Jahre gab es ein Kneipenkollektiv und eine Fahrradselbsthilfewerkstatt, eine Druckerei, den Hansafilmpalast (ein Programmkino), einen Kinderladen, eine Arbeitsloseninitiative (bis zur Einführung von Hartz IV), einen Infoladen und eine Autoschrauberwerkstatt. Teilweise existieren die Projekte immer noch, einige sind an andere Orte umgezogen.

Die voluminöse Festschrift zum 40. Geburtstag stellt die einzelnen Bereiche und deren Entwicklung, wie auch einige BewohnerInnen vor, bettet das Projekt in die Geschichte Kiels ein, und schildert vor allem die Anfangsjahre sehr ausführlich. Sie verschweigt auch nicht, dass die Hansa 48 damals zur »Verhandlerfraktion« gehörte, und die politischen Ambitionen ab Mitte der 1990er doch deutlich nachließen und zum Beispiel nicht mehr zu Demonstrationen aufgerufen wurde. Das Kulturzentrum samt Kneipe und Veranstaltungsprogramm ist damals wie heute das Herz des Projektes; und es gibt von Anfang an auch bezahlte Stellen in den auf dem Gelände angesiedelten Betrieben und Vereinen.

Die beiden Autoren, Jahrgang 1971 und 1983, haben Fotos und Faksimiles zusammengetragen sowie Interviews mit Angehörigen verschiedener Generationen geführt. Unterstützt wurden sie dabei von  Jan-Hinnerk Witmershaus (geboren 1985), der in der Hansa 48 arbeitet. So ist ein buntes historisches Panorama über einen Ort entstanden, wie er damals in vielen Städten entstanden ist und heute, als meist relativ etablierte soziokulturelle Zentren, immer noch bestehen.

Bernd Hüttner

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