rock’n’popmuseum Gronau

In Berlin träumen manche schon länger von einem Popmuseum, einem schicken und hippen Ort, an dem die Geschichte der Popmusik ausgestellt wird. Ich weiß nicht, ob es ein solches Museum tatsächlich braucht, und bin außerdem etwas misstrauisch, ob dabei nicht etwas ganz schreckliches herauskommen könnte. Wie auch immer, immerhin ein Popmuseum gibt es schon in Deutschland, von dem in Berlin aber wahrscheinlich kaum jemand gehört hat: das rock’n’popmuseum in Gronau (Westfalen) – eine Stunde hinter Münster, direkt an der Grenze zu den Niederlanden.

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Warum solch ein Museum ausgerechnet in dieser doch etwas abseits gelegenen Stadt mit rund 50.000 Einwohner*innen steht, erklärt sich vor allem daraus, dass hier Udo Lindenberg geboren wurde und einer der Ideengeber für den Bau dieses Museums war, das es seit 2004 gibt. Es sollte ein „Leuchtturmprojekt“ für die Region sein, um Besucher*innen nach Gronau zu locken und dem Strukturwandel entgegenzuwirken. Ob dies gelungen ist, kann ich nicht beurteilen, die Besucherzahlen sind mit rund 40.000 Personen pro Jahr zumindest bis 2012 hinter den Erwartungen zurück geblieben.

Aus der Ferne betrachtet hatte ich immer den Eindruck, dass es sich bei dem Museum um eine eher kuriose Einrichtung handeln müsse. Ich kannte ein paar der Kataloge zu den Sonderausstellungen des Museums und war zuallererst immer über das erstaunlich altbackene und wenig einladende Layout (inklusive gruseliger Photoshopcover) erstaunt. Der Katalog zur Ausstellung über Techno (2009) war auch inhaltlich wenig überzeugend – die Texte waren von sehr unterschiedlicher Qualität und die Auswahl erschien eher wahllos. 2011 gab es eine Ausstellung über die Scorpions, der Katalog ist vermutlich nur etwas für die Fans dieser Band, da kann und will ich kein Urteil abgeben. Aber ausgerechnet dieser zwar sehr erfolgreichen, aber auch ziemlich uncoolen Hardrockband eine eigene Ausstellung zu widmen, bestätigte meine Vorurteile. Erstaunt war ich dann allerdings, als ich den Katalog zur Ausstellung ShePop (2013) über Frauen in der Popmusik in der Hand hielt – Layout und Cover waren auch diesmal nicht schön, aber Missy-Mitherausgeberin Sonja Eismann war an Katalog und Ausstellung beteiligt und die Auswahl der Texte war gar nicht schlecht. Endlich schien das rock’n’pop-museum den Anschluss an aktuelle Pop-Diskurse gefunden zu haben. Es folgten dann allerdings diverse Ausstellungen über tote Popstars und eine (laut Aussagen des Museums sehr erfolgreiche) Ausstellung zum Thema 100 Jahre deutscher Schlager!.

Als ich dann mitbekam, dass es im rock’n’popmuseum eine Ausstellung über Hip Hop in Deutschland gäbe (Styles …HipHop in Deutschland), wurde ich doch wieder neugierig und machte, als ich vor kurzem in Münster war, einen Abstecher nach Gronau. Das Museum war leicht zu finden, es steht unweit des Bahnhofes – Adresse: Udo-Lindenberg-Platz 1. Es ist in drei Bereiche unterteilt – im oberen Stockwerk das Tonstudio der Krautrockband Can, das dort wieder aufgebaut wurde und von Bands für Aufnahmen angemietet werden kann, in der Mitte die Sonderausstellung und im Untergeschoss die Dauerausstellung. Letztere empfand ich als einziges Desaster: zu voll mit Tönen und Bildern und sehr unübersichtlich, gleichzeitig voller Lücken und Fehler, schlampig geschriebenen Ausstellungstexten und geprägt durch die Perspektive von Fans des „authentischen“ Bluesrocks. Unterhaltsam waren immerhin diverse unfreiwillig komische Ausstellungstücke wie eine lebensgroße, zombiehafte Rudolf-Schenker-Figur, die wohl noch von der Scorpions-Ausstellung übrig geblieben ist, oder die Vitrine mit Fotos von toten Popstars und zwei lieblos drapierten Zetteln mit den Aufschriften „Tod durch Drogen – Death by Drugs – Dood door Drugs“ (Zettel 1), „und Folgen von übermäßigen Alkohol und Medikamentenmissbrauch“(sic, Zettel 2). Leider ist es wirklich schwierig, sich nicht entweder über die Ausstellung lustig zu machen oder aufzuregen, deshalb höre ich an dieser Stelle besser auf – das Museum richtet sich nun einmal nicht an ein Publikum, das sich mit Popdiskursen beschäftigt. Es scheint eher ein Ausflugsort für Schulklassen aus der Region zu sein, die 50% der Besucher*innen ausmachen (2012) und viel Spaß im Museum zu haben scheinen (bei der Suche nach Artikeln über das Museum finden sich erstaunlich viele Berichte auf Homepages von Schulen, wo über entsprechende Schulausflüge berichtet wird, ansonsten scheint das mediale Echo eher gering zu sein). Die Dauerausstellung soll 2016 für 1,1 Millionen Euro komplett neu gestaltet werden, da ist zu hoffen, dass dann alles besser wird.

Die Sonderausstellung zu Hip Hop war dagegen ansprechender gestaltet, aber insgesamt leider ebenfalls enttäuschend. Es sind vor allem Devotionalien wie Plakate, Flyer, Schallplatten, Kleidungsstücke, Technik und ähnliches in meist einzelnen Hip-Hop-Acts zugeordneten Vitrinen zu sehen. Eingeteilt ist die Ausstellung in die drei Bereiche „Old School“, „Neue Schule“ und „Gegenwart“, neben der westdeutschen Hip-Hop-Geschichte wird auch Hip Hop in der DDR thematisiert, u. a. werden hier interessante Dokumente der FDJ (z. B. von offiziellen Breakdance-Wettbewerben) gezeigt. Die meisten Ausstellungsstücke stammen von den Künstler*innen (u. a. Akim Walta, LSD, Cora E., Torch, B-Tight, Samy Deluxe) selbst und sind schön anzusehen.

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Viel mehr als das hat die Ausstellung aber nicht zu bieten – es gibt ein paar Räume („Video-Lounges“), in denen sich Besucher*innen u. a. diverse Musikvideos anschauen können, leider funktionierte bei meinem Besuch die Technik in den Räumen nicht. Besucher*innen können sich auch Audioguides ausleihen und u. a. Interviewausschnitten einzelner Künstler*innen zuhören, aber spannend ist das alles nicht so wirklich. Genau das ist das Hauptproblem – die Ausstellung bietet Besucher*innen, die sich einigermaßen mit deutschem Hip Hop auskennen, wenig oder nichts Neues. Wer sich hingegen gar nicht mit dem Thema auskennt, wird es vielleicht schwer haben, einen Zugang zu finden und aufgrund der sich Präsentation vieler recht ähnlicher Objekte die Ausstellung gelangweilt wieder verlassen. Kontextualisierungen fehlen nämlich häufig, z. B. beschränken sich viele Ausstellungstexte nur auf das Notwendigste: „Die Freisinger HipHop-Band Blumentopf gründet sich 1992 und besteht aus den vier Mitgliedern: Cajus Heinzmann, Bernhard Wunderlich, Florian Schuster und Roger Manglus sowie dem DJ „Sepalot“ Sebastian Weiss-Laughton.“  Andere Texte, z. B. zu Themen wie „Gangsta Rap“ oder „Flow“, sind ziemlich verschwurbelt, da stehen dann solche Sachen: „Seit Anfang der 2000er inspiriert die in den 1990er Jahren im Berliner Untergrund gewachsenen Gangsta Rap Szene bundesweit den Nachwuchs und sorgte für eine ganze Welle, ja mehr für eine Überschwemmung der hiesigen RapSzene mit Straßenrappern, die über nichts anderes als das Leben in gefährlichen Randbezirken und gesellschaftlich aufgegeben Unterschichtsghettos zu texten wissen.“ Sowieso, der Gangsta Rap: In der Einleitung zum Katalog schreibt Thomas Mania vom rock’n’popmuseum darüber, dass Hip Hop in Deutschland nur durch die „Aggro Berlin-Rap-Brille“ wahrgenommen werden würde. Hier wird von einem von Vorurteilen geprägtem Publikum ausgegangen, von einer Öffentlichkeit, für die Hip Hop ausschließlich Gewalt, Sexismus und Homofeindlichkeit repräsentiert. Die diversen Entwicklungen im deutschen Hip Hop der letzten Jahre – auch im Mainstream – werden ignoriert und leider in der Ausstellung nur am Rande angesprochen – auch weil häufig die Relevanz der präsentierten Künstler*innen entweder an ihrem Pionier*innenstatus oder der Höhe der Verkaufszahlen gemessen wird und auch dadurch die Überraschungen fehlen. Ansonsten lässt sich ja immer darüber streiten, wer in so einer Ausstellung noch so vorkommen sollte – dass aber Cartel und der türkischsprachiger Rap der 1990er Jahre nicht thematisiert werden, ist schon ein ziemlich großes Versäumnis.

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Auch der Katalog hat mich leider nicht überzeugt, er ist vergleichbar mit dem Begleitband zur Techno-Ausstellung. Auffällig ist, das es keinerlei geschichtlichen Abriss oder zumindest einen Überblick in Form einer Zeitleiste über deutschen Hip Hop gibt, dafür aber einen Abriss der Geschichte des amerikanischen Raps. So gibt es nur punktuelle Einblicke in deutschen Hip Hop in Form von anscheinend wieder relativ willkürlich ausgewählten Texten von unterschiedlicher Qualität, es entsteht keinerlei Gesamtbild. Mehrere Texte beschäftigen sich mit sozialpädagogischen Themen, außerdem gibt es z. B. Texte über Hip Hop in der DDR oder Frauen im deutschen Rap. Ein Mehrwert ergibt sich leider nicht: Weder dokumentiert der Band die Ausstellung  (hier wäre ein schicker Bildband mit Abbildungen der Vitrinen der Ausstellung eigentlich nett gewesen), noch funktioniert er als Einführung in das Thema. Und erst recht stellt er keine lohnenswerte Ergänzung einer halbwegs gut sortierten Bibliothek mit Literatur über deutschen Hip Hop dar, da letztendlich alles, was hier angesprochen wird, in anderen Publikationen ausführlicher, kompetenter und differenzierter nachzulesen ist.

rock’n’popmuseum
Udo-Lindenberg-Platz 1
48599 Gronau

Öffnungszeiten: Mi – So, 10 – 18h
Eintritt: Erwachsene 8,50, ermäßigt 6 €

Styles …HipHop in Deutschland ist noch bis Ende Februar zu sehen.

Text und Fotos: Daniel Schneider 

 

 

Geniale Dilletanten in Hamburg

00004034.jpgDie Sonderausstellung im altehrwürdigen Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe ist in vielerlei Hinsicht bemerkenswert. Wer den Raum im zweiten Stock betritt, befindet sich in einer mit Musik unterlegten, begehbaren Installation. Diese kreist um acht bekanntere Bandprojekte der 1980er Jahre, u.a. D.A.F., Einstürzende Neubauten, Die tödliche Doris, Der Plan oder F.S.K. Geografisch spielt sich das meiste in Berlin, Düsseldorf, Hamburg und München ab. Die Bands und ihr Umfeld (Vertriebe, Fanzines, Buchhandlungen und andere Orte etc.) werden mit dokumentarischen Fotos und Filmen und durch künstlerische Bilder und andere Objekte, etwa selbstgebaute Möbel, vorgestellt. Die Ausstellung versteht sich nicht als Musik- oder als Punk-Ausstellung, sondern möchte einige avantgardistische Splitter herauslösen. Produziert wurde sie vom quasi-staatlichen Goethe-Institut. Sie wird vor allem als Tourneeausstellung im In- und Ausland eingesetzt, bisher war sie in Minsk und München zu sehen und ist aktuell auch in Melbourne zu Gast. In Hamburg wird sie in einer erweiterten Fassung mit zusätzlichem Material gezeigt.

Die musikalische und ästhetische Produktion jener Jahre beruhte auf billigen Mieten in Wohnungen mit Kohlenheizung und Außentoiletten, auf einem kreativen Umgang mit dem Urheberrecht und selbstverständlich auf auch heute wieder angesagten Prinzipien wie Kollaboration, Bricolage, DIY und Kreativität, befeuert vom Wunsch nach Selbstbestimmung und Freiheit. Diese Szene hatte mit der damaligen Alternativ- und auf Innerlichkeit abonnierten Ökopax-Bewegung wenig zu tun und mehr Schnittmengen mit Punk. Bevor aus der Neuen Deutschen Welle kommerziell erfolgreiche Popmusik wurde, war es diese Musik, die darunter zusammengefasst wurde.

Die Ausstellung zeigt nun Objekte und Dokumente, die in einer traditionellen Zuordnung der Musik, der Malerei, dem Design, der Videoproduktion entstammen. Sie vermag es, die Stimmung jener Zeit gut zu transportieren. Sie lädt dazu ein, nochmals über Dissidenz und ihre Rolle bei der Herausbildung des Postfordismus nachzudenken, sind doch die Topoi der Revolte jener Jahre, wie Kreativität, Expressivität, Individualität heute längst Bestandteil des neoliberalen Imperativs der Selbstverwirklichung, wie er im Coaching, im Management und anderswo common sense ist: Das klischeehafte Bild vom Künstler als Blaupause zeitgenössischer Arbeitsverhältnisse. Chapeau! Wem das alles zu viel ist, kann sich ja wiedermal „Tanz Debil“ von den Neubauten anhören oder in seinen/ihren alten Kassetten oder Platten stöbern! Oder vor Ort im MKG in der jetzt bis zum 28. Februar verlängerten Ausstellung zum Jugendstil nach Unterschieden und Gemeinsamkeiten dieser Bewegungen fahnden.

Geniale Dilletanten – Subkultur der 1980er-Jahre in Deutschland
noch bis 30. April 2016
MKG Hamburg, Steintorplatz 1, 20099 Hamburg
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag: 10-18 Uhr, Donnerstag: 10-21 Uhr
Preise: 12 Euro, ermäßigt 8 Euro, Do ab 17 Uhr 8 Euro, bis 17 Jahre frei

Der gleichnamige Katalog ist bei Hatje Cantz erschienen (160 Seiten, 24,00 €)

Geniale Dilletanten in Hamburg bei Google Maps: Die laufend erweiterte Karte zeigt rund 60 Orte in Hamburg, die für die Subkultur der frühen 1980er Jahre von besonderer Bedeutung waren: ehemalige und noch existierende Konzert-Locations, Platten- und Buchläden, Kneipen und Cafés, Theater und Galerien, Musik-Studios und -Verlage werden verortet und ausführlich kommentiert.

Bernd Hüttner

Dieser Text ist zuerst auf der Webseite der Rosa-Luxemburg-Stiftung erschienen.

Alltag Einheit

10caf999a0Ein Ausstellungstipp für (mal wieder) alle aus Berlin bzw. alle Leute, die im Laufe des Jahres Berlin besuchen: Alltag Einheit – Porträt einer Übergangsgesellschaft im Deutschen Historischen Museum.

In der Ausstellung wird die Zeit nach dem Fall der Mauer beleuchtet, mit Schwerpunkt auf den Osten Deutschlands, da hier die Veränderungen am stärksten waren. Es geht dabei – wie der Titel schon sagt – vor allem um die Veränderungen des Alltags der Menschen, darum, wie sich beispielsweise die Arbeitswelt oder die kulturelle Landschaft wandelten. Die Ausstellung thematisiert dabei auch manche Schattenseiten der Zeit nach 1990, was am deutlichsten an der Stelle wird, wo der Jubel über die gewonnene Fußballweltmeisterschaft von 1990 direkt den rassistischen Pogromen und Brandanschlägen in u. a. Mölln und Rostock-Lichtenhagen (1992) gegenübergestellt wird. Dass es hier einen direkten Zusammenhang geben könnte wird zwar nicht angesprochen, aber dadurch dass das Trikot der deutschen Nationalmannschaft auf beiden Seiten zu sehen ist, wird diese Sichtweise zumindest nahegelegt.

Auch Materialien aus dem Bestand des Archivs der Jugendkulturen werden gezeigt, u. a. Flyer und Plakate aus der Anfangsphase der Berliner Technoszene und der Loveparade. Die Materialien stammen alle aus dem sich im AdJ befindenden Nachlass des 2011 verstorbenen Ralf Regitz, dem ehemaligen Geschäftsführer der Planetcom.

Ein weiteres Thema sind Hausbesetzungen, u. a. wird an einem Computerterminal die von Mitarbeiter_innen des Archivs mitentwickelte Webseite Berlin Besetzt mit interaktivem Stadtplan und digitalem Archiv zu besetzten Häusern in Berlin und Potsdam gezeigt.

Alltag Einheit (bis 3. Januar 2016)
Deutsches Historisches Museum
Unter den Linden 2
10117 Berlin
Öffnungszeiten: täglich 10 – 18h
Eintritt (für das gesamte Museum): 8 €, ermäßigt 4 €,
bis 18 Jahre frei

Einfach anders!

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Eine Ausstellung zu jugendlichen Subkulturen im Ruhrgebiet

Seit dem 5. April zeigt das LWL-Industriemuseum in Bochum die Ausstellung „Einfach anders! Jugendliche Subkulturen im Ruhrgebiet“. Die aufwendig gestaltete Ausstellung in der „Zeche Hannover“ bietet einen breiten Überblick über verschiedene Jugendkulturen und -bewegungen im Ruhrgebiet seit Beginn des 20. Jahrhunderts. Das Spektrum reicht von den Wandervögeln und Swing-Kids über die Halbstarken und Beat-Jugend, Heavy Metal und Punk, Hip Hop, Graffiti und Techno bis zu ganz aktuellen Szenen wie Neo-Rockabilly und Steampunk. Auch politische Bewegungen wie die Edelweißpiraten, die Studenten- und Lehrlingsbewegung oder die Hausbesetzerszene werden thematisiert.

Zur Ausstellung ist ein reich bebilderter Katalog erschienen, der neben Abbildungen der Ausstellungsstücke und Hintergrundinformationen über die einzelnen Szenen auch eine Reihe an Aufsätzen zu den Themen der Ausstellung enthält. Darunter ist auch ein Beitrag von Gabriele Rohmann und Martin Gegenheimer vom Archiv der Jugendkulturen über Jugendkulturen und Rechtsextremismus im Ruhrgebiet.

Die Ausstellung hat Mittwoch bis Samstag von 14 bis 18 Uhr, Sonn-  und Feiertags von 11 bis 18 Uhr geöffnet. Sie ist noch bis zum 7. September 2014 zu sehen.

Die Adresse:
LWL-Industriemuseum
Westf. Landesmuseum für Industriekultur
Zeche Hannover
Günnigfelder Straße 251
44793 Bochum

Dietmar Osses & Katarzyna Nogueira (Hrsg.)
Einfach anders! Jugendliche Subkulturen im Ruhrgebiet
Klartext 2014
260 Seiten
19,95 €

 Daniel Schneider

The Sun Ain’t Gonna Shine Anymore

Roland Seim/Josef Spiegler (Hg.)
„The Sun Ain’t Gonna Shine Anymore“ – Tod und Sterben in der Rockmusik
Telos Verlag 2009
267 Seiten
16,80 €

rutcovgrDie kulturwissenschaftliche Studie The Sun Ain’t Gonna Shine Anymore hat es sich zum Ziel gemacht, dies genauer zu untersuchen und besonders den unterschiedlichen Umgang mit dem Tod in den einzelnen Genres und dem jeweiligen zeithistorischen Kontext herauszuarbeiten. Es ist nach dem 2002 erschienenen Buch über die Zensur in der deutschen Kulturgeschichte das zweite Werk der Herausgeber und Dozenten der Wilhelms‑Universität in Münster Roland Seim und Josef Spiegel. Das Buch ist gleichzeitig der Katalog zur gleichnamigen Ausstellung, welche unter anderem im Rock’n’Popmuseum Gronau zur Schau gestellt wurde. „Der Tod hat viele Gesichter, heißt es. Er schreibt auch viele Geschichten“. Neben der Liebe, der wahrscheinlich ungebrochenen Inspirationsquelle von Musikern und Songschreibern, nimmt der Tod als Thematik einen ebenfalls wichtigen Stellenwert in der Rockmusik ein.

In einer 30‑seitigen Einführung gibt der Autor Roland Seifer einen kurzen gelungenen Abriss des zeitgenössischen Umgangs mit dem Tod anhand von einigen bedeutenden Musikstilen, angefangen von den 1950ern bis zu den 1990er Jahren. Es folgen 17 spezialisierte Beiträge einzelner Autoren zu verschieden Genres wie Psychedelic, Punk, Hardcore, Grunge, New Wave, Gothic, Grindcore sowie diverser neuerer Rockmusik und Hip Hop. Einige Kapitel widmen sich auch ganz dem Schaffen einzelner Bands wie The Doors , The Poison Idea, oder dem Cover‑Künstler William Schaff.

Die Aufsätze sind leicht verständlich geschrieben und ein besonderer Pluspunkt sind die über 200 Coverabbildungen, umfangreichen Quellenangaben und die unzähligen Zitate aus Songtexten. Wegen der zahlreichen Autoren und ihrer unterschiedlichen Beiträge kommt es leider manchmal zu Überschneidungen. Andere kommen ein wenig vom Thema ab, indem sie eher allgemeine Informationen zum Genre oder zu Personen geben, das Todesthema aber nur streifen.

Interessant sein könnte dieses Buch für Pädagogen und Eltern, da es einen Diskurs enthält, ob Musik verantwortlich für gewalttätiges Verhalten Jugendlicher ist. Auch werden Vorkenntnisse über die Rockgeschichte für die Lektüre nicht benötigt, da es selbst einen allgemeinen und guten Überblick über die einzelnen Jugendkulturen und Genres gibt. Ansonsten ist dieses Buch allen zu empfehlen, die Rockmusik, welche sich der düsteren Seite des Lebens widmet, nicht nur hören, sondern auch verstehen wollen.

Franziska Smith

(Diese Rezension erschien zuerst im Journal der Jugendkulturen #17, Winter 2011)